Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.07.2014

18:18 Uhr

Durchwachsene Zahlen der US-Banken

Ein Goldman macht noch keinen Sommer

VonAxel Postinett

Goldman Sachs bricht mit einem Umsatz- und Gewinnplus aus dem Reigen der Quartalsverlierer aus – und Bankaktien steigen. Aber die Risiken und Probleme aus Skandalen bleiben. Den US-Banken fehlen die Antworten.

Dunkle Wolken über dem Finanzdistrikt in Manhattan: Milliardenstrafen machen den Großbanken weltweit zu schaffen. Getty Images

Dunkle Wolken über dem Finanzdistrikt in Manhattan: Milliardenstrafen machen den Großbanken weltweit zu schaffen.

San FranciscoKaum abwärts ist das neue aufwärts: „Nicht so schlecht wie erwartet“ ist der Hoffnungsschimmer an Wall Street, der die Aktien der US-Banken am Dienstag steigen ließ. In erster Linie, weil Finanzriese Goldman Sachs anders als andere US-Finanzinstitute zuvor für das zweite Quartal keine schöngeredeten Rückgänge ablieferte, sondern zur Überraschung aller Analysten ein wirkliches Umsatz- und Gewinnplus. Der Nettoumsatz übertraf mit 9,13 Milliarden Dollar das Vorjahresquartal mit 8,61 Milliarden. Der Nettogewinn mit 1,95 Milliarden Dollar lag über Vorjahr mit 1,86 Milliarden Dollar.

Die größte Bank der USA, JP Morgan, hatte kurz zuvor einen Gewinneinbruch um acht Prozent auf sechs Milliarden Dollar ausgewiesen, mit 25,3 Milliarden Dollar lag der Umsatz um drei Prozent niedriger. Citi schnitt am Montag noch schlechter ab.

Generell findet Goldman jedoch so wie JP Morgan, Citigroup und andere keine Antwort auf eine der bohrenden Fragen der Industrie. Die Umsätze und Gewinne aus dem Handel mit festverzinslichen Papieren, Aktien, Derivativen und sonstigen Finanzprodukten gehen zurück. Die Geldmaschine Wall Street stottert und knirscht.

Größte Banken der Welt (nach Bilanzsumme)

Platz 11

Deutsche Bank
Deutschland
1955 Milliarden Euro

Stand: Ende Juni 2015. Quelle: Bloomberg.

Platz 10

Barclays
Großbritannien
1960 Milliarden Euro

Platz 9

Bank of America
USA
1998 Milliarden Euro

Platz 8

BNP Paribas
Frankreich
2078 Milliarden Euro

Platz 7

Mitsubishi UFJ
Japan
2224 Milliarden Euro

Platz 6

JP Morgan Chase
USA
2402 Milliarden Euro

Platz 5

Bank of China
China
2408 Milliarden Euro

Platz 4

HSBC
Großbritannien
2489 Milliarden Euro

Platz 3

Agricultural Bank of China
China
2531Milliarden Euro

Platz 2

China Construction Bank
China
2627 Milliarden Euro

Platz 1

Industrial and Commercial Bank of China (ICBC)
China
3216 Milliarden Euro

Bei Goldman gingen insgesamt gut zehn Prozent Handelsumsatz im Quartal verloren. Citi und JP Morgan büßten noch mehr ein. Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht. Jamie Dimon, der 58-jährige CEO von JP Morgan, der sich einer Krebstherapie unterziehen wird, erklärte, die Bank sei vorbereitet, das Geschäft auf „niedrigerem Niveau“ weiter zu betreiben.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einmal fehlende Volatilität, was Anlegern wenig Grund gibt, Positionen umzuschichten. Daneben verschärfte Regulierungen, die Auswüchse verhindern sollen und Irrsinnsverluste durch unkontrollierte Händler wie in der Vergangenheit. Unter Beschuss sind daneben „Sekundenhandel“ und „Dark Pools“. In Dark Pools sammeln sich Großinvestoren, um untereinander und an den offiziellen Börsen vorbei, riesige Transaktionen in Aktien abzuwickeln. Ein glänzendes Provisionsgeschäft für die Banken.

Am Montag veröffentlichte die Financial Industry Regulatory Authority Zahlen, nachdem der Handel in Dark Pools von Barclays um dramatische 37 Prozent eingebrochen ist, seit der New Yorker Staatsanwalt Ermittlungen aufgenommen hat. Die britische Großbank soll Kunden über die Funktionsweise der Pools getäuscht haben.

Solche Ermittlungen zeigen heute Wirkung: Die Finanzindustrie lebt weiter unter dem Damoklesschwert massiver Strafzahlungen, die aus Verfehlungen der Jahre 2006 bis 2008 herrühren. Die hatten maßgeblich zur Kernschmelze der Weltwirtschaft beigetragen. Zuletzt musste die Citibank am Montag insgesamt sieben Milliarden Dollar zahlen, JP Morgan zuvor bereits 13,6 Milliarden Dollar. Bank of America und andere stehen noch aus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×