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27.05.2013

13:02 Uhr

DZ Bank

Genossen beenden Agrarspekulation

Die Volks- und Raiffeisenbanken wetten künftig nicht mehr auf die Preisentwicklung von Nahrungsmitteln. Entsprechende Produkte lassen sie nun endgültig auslaufen. Konkurrenten halten aber an der Agrarspekulation fest.

Die Genossenschaftsbanken stoppen die Spekulation auf Nahrungsmittel. dpa

Die Genossenschaftsbanken stoppen die Spekulation auf Nahrungsmittel.

FrankfurtDie DZ Bank verzichtet auf Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmitteln. Das Zentralinstitut von 900 Volks- und Raiffeisenbanken und die Fondstochter Union Investment haben sich aus dem Geschäft mit Spekulationen auf Agrarrohstoffe zurückgezogen, wie „Spiegel Online“ unter Verweis auf einen Brief der DZ Bank an die Verbraucherorganisation „Foodwatch“ berichtet. In dem Schreiben, das auch Handelsblatt Online vorliegt, spricht sich DZ-Bank-Vorstand Lars Hille außerdem für eine strengere Regulierung der Agrarrohstoffmärkte aus.

Im Januar hatte das Handelsblatt bereits berichtet, dass DZ Bank und Union Investment „mangels Kundeninteresse“ keine neuen Produkte auf Agrarrohstoffe auflegen wollten und in bestehenden Fonds nicht mehr in Agrarrohstoffe investieren. In dem Schreiben an „Foodwatch“ erläuterte Hille das Vorgehen nun genauer. Die DZ Bank macht darin deutlich, dass es „derzeit keine Nachfrage nach solchen Produkten“ gebe. Die Bank lasse daher Wertpapiere auf Basis von Agrarrohstoffen 2013 auslaufen. Nachfolgeprodukte würden nicht emittiert, auch würden keine Agrarderivate anderer Banken gekauft. Produkte ohne begrenzte Laufzeit seien von Seiten der Bank zum 3. Juni 2013 gekündigt worden.

Auch für die Fonds von Union Investment gelte ein absoluter Verzicht auf Produkte, die Agrarrohstoffpreise abbilden. Zwei Rohstofffonds seien per 1. März 2013 nicht mehr in Agrargütern investiert. Lediglich zwei Garantiefonds mit Laufzeit bis 2016 beziehungsweise 2017 enthielten noch Produkte auf Agrargüter. Hier könnten die Anlagerichtlinien nicht nachträglich geändert werden. In die Fonds fließt seit Ende der Zeichnungsfrist aber kein neues Geld mehr.

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Verbraucherschutz-Organisationen beklagen seit längerem einen Zusammenhang von Nahrungsmittelspekulationen mit starken Preisschwankungen an den Agrarmärkten und dem Hunger in der Welt. Ob Spekulationen mit Nahrungsmitteln die Preise für die Produkte in armen Ländern tatsächlich nach oben treiben, ist unter Experten allerdings umstritten. Entsprechend hitzig wird die Debatte geführt.

Auch andere Institute haben sich nach massiver Kritik an der Agrarspekulation aus dem Geschäft zurückgezogen. Zuletzt kündigte etwa die Commerzbank an, das Geschäft auslaufen zu lassen. Zuvor hatten bereits der Fondsdienstleister Deka und die LBBW den Ausstieg aus der Nahrungsmittelspekulation beschlossen.

„Es ist wichtig, dass ein klarer Trennstrich gezogen wird zwischen verantwortungsvollen Investitionen, die hilfreich sind im Kampf gegen den Hunger, und Transaktionen, die Preisschwankungen verstärken können“, erklärte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner über einen Sprecher. „Wer als großes Geldinstitut angesichts von fast 900 Millionen hungernden Menschen auf der Welt hier keinen Unterschied macht, handelt verantwortungslos.“ Auch „Foodwatch“-Geschäftsführer Thilo Bode begrüßte die Entscheidung der DZ Bank. „Daran sollten sich andere Institute, die die notwendige politische Regulierung der Finanzmärkte mit allen Mitteln hintertreiben, ein Beispiel nehmen – allen voran die Deutsche Bank.“

Deutschlands größtes Geldhaus hält am Geschäft mit Nahrungsmittelspekulationen fest. Das Management von Deutschlands größtem Bankhaus sieht anders als Verbraucherschutzorganisationen keinen Zusammenhang dieser Geschäfte mit starken Preisschwankungen an den Agrarmärkten und dem Hunger in der Welt. Im Gegenteil: Agrar-Derivate erfüllten für Nahrungsmittelproduzenten eine wichtige Funktion im weltweiten Handel. Mit dem Kauf dieser an Börsen gehandelten Papiere könnten sich Landwirte gegen fallende Preise absichern und ihr Angebot besser planen. Auch der Versicherer Allianz hält an dem Geschäft fest.

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

27.05.2013, 09:25 Uhr

Was hatte Union-Investment denn für Produkte im Agrarbereich?
Kennt irgendwer WKNs?

Account gelöscht!

27.05.2013, 09:59 Uhr

Für mich sind Rohstoffe eine ganz gewöhnliche Asset-Klasse und die wird behandelt wie jede andere auch: Kaufen wenn sie billig, und verkaufen wenn sie teuer ist. Moral, Ethik und Skrupel sind nur etwas für linke Populisten, Gerechtigkeitsspinner und Schwächlinge. Punkt aus !

bapthist

27.05.2013, 10:04 Uhr

der "UniCommodities" hatte welche im Bestand, es wurde nun auch die Benchmark hierfür auf "MS RADAR ex Agriculture&Livestock" geändert --> vorher DJ UBS Excess Return Index (inkl. Agrar)

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