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28.07.2016

20:00 Uhr

DZ Bank und WGZ Bank

Im Sprint zur Fusion

VonElisabeth Atzler

Am Montag schließen sich DZ und WGZ Bank zusammen – im fünften Anlauf, dafür aber mit umso mehr Tempo. Erst im November 2015 verabredeten die beiden genossenschaftlichen Spitzeninstitute die Fusion. Unter höchster Geheimhaltung.

Wolfgang Kirsch (r.), Vorstandsvorsitzender der DZ Bank und Hans-Bernd Wolberg, Vorstandsvorsitzender der WGZ Bank, vereinbarten im November 2015 den Zusammenschluss der Bankhäuser. dpa

Die Architekten der Fusion

Wolfgang Kirsch (r.), Vorstandsvorsitzender der DZ Bank und Hans-Bernd Wolberg, Vorstandsvorsitzender der WGZ Bank, vereinbarten im November 2015 den Zusammenschluss der Bankhäuser.

FrankfurtHeißt es nun besser „Sehr geehrte Kollegen“ oder „Liebe Kollegen“? Bei der Düsseldorfer WGZ Bank ist die förmlichere Anrede üblich, bei der Frankfurter DZ Bank die direktere. Was also gilt ab Montag, wenn beide Geldhäuser fusionieren? Diejenigen, die den Zusammenschluss vorbereitet haben, haben sich diese Frage gestellt. Ihre Antwort: Niemand muss sich umstellen, eine Vorgabe dazu gibt es nicht.

Zu vielen anderen Fragen dagegen schon. Denn das, was bei Zusammenschlüssen meist erst nach dem Fusionsstichtag passiert, haben die Schwesterbanken DZ und WGZ bereits vorher festgezurrt. Die beiden genossenschaftlichen Spitzeninstitute sind ab Montag offiziell eins – und mit einer Bilanzsumme von 500 Milliarden Euro die drittgrößte deutsche Geschäftsbank. Übertroffen nur von Deutscher Bank und Commerzbank.

Rekordverdächtig dabei ist das Tempo der genossenschaftlichen Fusion. Mitte November unterzeichneten die Vorstandschefs Wolfgang Kirsch und Hans-Bernd Wolberg sowie die Aufsichtsratschefs Helmut Gottschalk und Werner Böhnke die Absichtserklärung für einen Zusammenschluss. Nur wenige Eingeweihte wussten überhaupt von dem Projekt mit dem Codenamen „Rhein Main“. Im April setzen die Vorstände ihre Unterschrift unter den Verschmelzungsvertrag. Am 1. August ist die Fusion perfekt.

Zehn größte Banken Deutschlands (nach Bilanzsumme Ende 2015)

Platz 10

Postbank

Bilanzsumme: 149 Milliarden Euro

Platz 9

Helaba

Bilanzsumme: 172 Milliarden Euro

Platz 8

NordLB

Bilanzsumme: 182 Milliarden Euro

Platz 7

BayernLB

Bilanzsumme: 224 Milliarden Euro

Platz 6

Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

Bilanzsumme: 234 Milliarden Euro

Platz 5

Hypovereinsbank

Bilanzsumme: 314 Milliarden Euro

Platz 4

DZ- und WGZ-Bank

Bilanzsumme: 498 Milliarden Euro

Davon entfallen etwa 400 Milliarden auf die DZ-Bank und ungefähr 95 Milliarden auf die WGZ-Bank. Am 19. November 2015 wurde bekannt, dass die beiden Genossenschaftsbanken fusionieren.

Platz 3

KfW-Bankengruppe

Bilanzsumme: 503 Milliarden Euro

Platz 2

Commerzbank

Bilanzsumme: 536 Milliarden Euro

Platz 1

Deutsche Bank

Bilanzsumme: 1.740 Milliarden Euro

Gemeinsame Geschäftszahlen wird die fusionierte DZ Bank rückwirkend sogar schon für das erste Halbjahr 2016 berichten. Ungewöhnlich, denn oft dauert es Monate, wenn nicht Jahre, bis zwei Banken komplett verschmolzen sind. „Die Geschwindigkeit ist eine Besonderheit der Fusion“, sagt einer, der sich maßgeblich begleitet hat.

Zugegeben, DZ und WGZ Bank ähneln einander, sie haben dasselbe Geschäftsmodell, wobei die DZ Bank viermal so groß ist wie die WGZ. Aber vielleicht musste es jetzt einfach besonders schnell gehen. Immerhin waren bereits vier Anläufe für einen Zusammenschluss gescheitert, zuletzt vor sieben Jahren am Widerstand der WGZ-Eigner. Die votierten dieses Mal dafür. Die Eigentümer beider Banken, die Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland, billigten den Zusammenschluss mit je fast 100 Prozent Zustimmungsquote. Sozialistische Verhältnisse bei den Genossen.

Damit hat der Genossenschaftssektor den Sparkassen einiges voraus: Die öffentlich-rechtliche Konkurrenz leistet sich noch immer fünf große eigenständige Landesbanken sowie mehrere Bausparkassen und Versicherer. All das haben die Genossen bereits zu je einem Anbieter fusioniert.

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