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08.12.2011

15:15 Uhr

EBA

Bankenaufsicht manövriert sich mit Stresstest ins Abseits

Heute Abend legt die Bankenaufsicht EBA die Ergebnisse des neuen Stresstests vor. Die deutschen Institute werden erneut abgestraft - zum Teil aus formalen Gründen. Die Zweifel an der Professionalität der Behörde wachsen.

Abend über Frankfurt: Höherer Finanzbedarf als bislang prognostiziert. dpa

Abend über Frankfurt: Höherer Finanzbedarf als bislang prognostiziert.

FrankfurtDie europäische Bankenaufsicht EBA in London veröffentlicht heute um 18 Uhr die mit Spannung erwarteten Ergebnisse des jüngsten Banken-Stresstests. Gleichzeitig wollen die nationalen Aufseher sowie die Banken individuelle Ergebnisse bekanntgeben. Ermittelt wurde unter anderem, wie viel Geld den Banken fehlt, um auf eine Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen. Bis Ende Juni nächsten Jahres müssen sie diese Quote erreichen. Der Finanzbedarf der Geldinstitute wird auf mehr als 100 Milliarden Euro geschätzt.

Für die deutschen Banken wird es eine auf den ersten Blick böse Überraschung geben: Die europäische Bankaufsichtsbehörde wird eine deutlich höhere Kapitallücke für die deutschen Institute feststellen als die bislang prognostizierten knapp zehn Milliarden Euro.

Das hängt maßgeblich mit den beiden Landesbanken NordLB und Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zusammen, ist aber primär formaler Natur. Denn die bereits eingeleiteten Kapitalmaßnahmen beider Institute werden von der EBA nicht berücksichtigt, weil sie zum Stichtag 30.9.2011 noch nicht umgesetzt waren.

Bei der Helaba wird die Umwandlung der stillen Einlage in Höhe von 1,9 Milliarden Euro in Kernkapital nicht anerkannt, bei der NordLB wird damit eine Kapitalerhöhung von 600 Millionen Euro und eine Wandlung stiller Einlagen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro nicht berücksichtigt. Unterm Strich muss die NordLB ihr Kapital allerdings anders als die Helaba noch um mehr als 660 Millionen Euro aufpolstern.

Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) kritisiert die stichtagsbezogene Betrachtung der EBA hart. „Die EBA agiert so dilettantisch auf dem Markt, sie muss abgeschafft werden“, sagte Möllring, der auch NordLB-Aufsichtsratschef ist.

Kommentare (4)

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Philipp

08.12.2011, 16:19 Uhr

Das ist doch vollkommener Blödsinn, das Ergebnis muss sein das mehr Vertrauen in die Finanzbranche entsteht und wenn das zum Schluss nicht rauskommt spricht man der Aufsichtsbehörde die Kompetenz ab. Also wer nicht das sagt was gewünscht wird hat keine Ahnung, völlig egal was die Realität sagt ... aha

slowgun

08.12.2011, 17:31 Uhr

Kaffeesatzleser in den Ratingagenturen...die Klientel mit Informationen versorgen bevor diese veröffentlicht werden....
Eine European Banking Authority (EBA), deren hektischen Anforderungen jegliche Seriösität vermissen lassen....

Nur die dummsten Kälber suchen sich ihre Metzger selber.

herman

08.12.2011, 18:22 Uhr

Es wird dringend Zeit, dass die Geldbeschaffungsmaschinen der Länder, aber auch des Bundes ausgetrocknet werden und die sämtliche Politiker aus deren Aufsichtsgremien verschwinden. Zum Teil Aufsichtsräte mit über 30 Mitgliedern, wer bringt denn da noch was produktives zu Stande, kopfschüttel.

Wer musste die Hauptzeche der amerikanischen Subprime bezahlen, die .... unprofessionellen deutschen Staatsbanken mit ihren zur Handlungsunfähigkeit aufgeblasenen Aufsichtsgremien. Sprechen die inzwischen immer mehr zu Tage tretenden "Schlamperein" nicht nur noch für selbst bedienende Aufsichtsparties?

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