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06.01.2010

07:01 Uhr

EC- und Kreditkarten

Banken drohen Kosten in Millionenhöhe

VonHans G. Nagl, Holger Alich

ExklusivNach der Panne bei Kredit- und EC-Karten muss die Branche im schlimmsten Fall bis zu 30 Millionen Karten austauschen. Probleme drohen Kunden inzwischen vor allem im Ausland. Noch ist offen, wie sich der Schaden dort beheben lässt. Noch ist die Haftungsfrage unklar - und die Kritik am Krisenmanagement wächst.

Kleiner Chip, große Wirkung: Im schlimmsten Fall müssen Banken und Sparkassen bis zu 30 Mio. EC-Karten austauschen. Quelle: dpa

Kleiner Chip, große Wirkung: Im schlimmsten Fall müssen Banken und Sparkassen bis zu 30 Mio. EC-Karten austauschen.

FRANKFURT/PARIS. Der Austausch von Millionen EC- und Kreditkarten ist für die Kreditbranche nach der jüngsten Panne kein Tabu mehr. Mehrere Beteiligte von Zahlungsverkehrsdienstleistern, Branchenverbänden und einzelnen Banken bestätigten, dass mittlerweile zur Behebung der Probleme auch ein Austausch fehlerhafter Karten diskutiert wird. Würden alle betroffenen 30 Mio. Karten ersetzt, käme auf die deutschen Banken in Summe ein dreistelliger Millionenbetrag zu - möglicherweise mehr als eine Viertelmilliarde Euro.

Der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) - die Dachorganisation der Branche, der derzeit vom Sparkassenverband gesteuert wird - dementierte entsprechende Überlegungen nicht. "Es werden momentan die langfristigen Optionen geprüft", sagte eine Sprecherin. Entscheidungen seien noch nicht gefallen.

Erst im November hatte die Branche unter hohen Kosten Hunderttausende von Kreditkarten ausgetauscht, nachdem es zu Spekulationen über ein Sicherheitsleck bei einem Abwicklungsunternehmen in Spanien gekommen war.

Probleme jenseits der Grenze

Während die Branche im Inland die Probleme bereits in Teilen durch eine Umprogrammierung von Automaten und Bezahl-Terminals lösen konnte, gehören Urlauber im Ausland nach wie vor zu den Leidtragenden. Sparkassen und private Banken empfahlen am Dienstag, bei bevorstehenden Auslandsaufenthalten sicherheitshalber Reiseschecks mitzunehmen.

Der seit Jahresbeginn auftretende Fehler bei Millionen von heimischen Bankkarten könnte für die Geldinstitute auch finanziell zur Belastung werden. Mehrere Beteiligte von Zahlungsverkehrsdienstleistern, Branchenverbänden und einzelnen Banken bestätigten, dass mittlerweile zur Behebung der Panne auch ein Austausch von Karten diskutiert wird. Würden alle rund 30 Millionen fehlerhaften Karten ersetzt, käme auf die deutschen Banken in Summe vermutlich ein dreistelliger Millionenbetrag zu - möglicherweise mehr als eine Viertelmilliarde Euro.

"Der Austausch von Karten ist derzeit im Gespräch", sagte ein Insider. Noch gebe es aber keine Entscheidung. Es werde versucht, eine alternative Lösung zu finden. Auch sei denkbar, nur einen Teil der Karten auszutauschen. Längerfristig betroffen seien vermutlich ausschließlich jene Kunden, die EC- oder Kreditkarten im Ausland einsetzten. "Hier haben wir ein Riesenthema", hieß es bei einem großen Kreditinstitut. Der Sparkassenverband DSGV als Hauptbetroffener erklärte, in weiten Teilen des Auslands sei die Zahlung mit Karten eingeschränkt.

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