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28.09.2015

11:54 Uhr

Edelmetall-Handel in der Schweiz

Goldpreis durch Absprachen manipuliert?

Der Handel mit Edelmetallen könnte einigen Großbanken teuer zu stehen kommen – wegen möglicher Preisabsprachen hat eine Behörde nun Untersuchungen eingeleitet. Betroffen sind mehrere internationale Institute.

Auch die UBS aus der Schweiz ist ins Visier der Wettbewerbskommission geraten. Reuters

UBS

Auch die UBS aus der Schweiz ist ins Visier der Wettbewerbskommission geraten.

ZürichWegen möglicher Preisabsprachen beim Handel mit Edelmetallen wie Gold und Silber hat die Schweizer Wettbewerbsbehörde Ermittlungen gegen sieben internationale Großbanken gestartet, unter ihnen die Deutsche Bank.

Die Wettbewerbskommission verfüge über Anhaltspunkte, dass unter den Banken möglicherweise unzulässige Preisabsprachen im Handel mit Edelmetallen getroffen worden seien, teilte sie am Montag in Bern mit. Insbesondere bestehe der Verdacht, dass es Absprachen zu sogenannten Spreads – der Differenz zwischen Nachfrage- und Angebotskurs – gab. Als Edelmetalle gelten dabei laut Weko Gold, Silber, Platin und Palladium.

Die globalen staatlichen Goldreserven

Hintergrund

Die Daten des Internationalen Währungsfonds zeigen die Goldreserven ausgewählter Staaten (in Tonnen) zum Jahresende 2016. Die Statistik legt außerdem offen, wie groß der Anteil des Goldes an den gesamten staatlichen Währungsreserven ist. Viele Länder bunkern neben Gold große Devisenbestände, etwa in US-Dollar oder in Euro.

USA

Bestand: 8133,5 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 73,8 Prozent

Quelle: World Gold Council

Deutschland

Bestand: 3779,9 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 67,6 Prozent

Frankreich

Bestand: 2435,8 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 61,5 Prozent

China

Bestand: 1842,6 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 2,2 Prozent

Schweiz

Bestand: 1040,0 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 5,6 Prozent

Russland

Bestand: 1615,2 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 15,2 Prozent

Indien

Bestand: 557,8 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 5,7 Prozent

Großbritannien

Bestand: 310,3 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 8,5 Prozent

Die anderen Banken im Visier der Schweizer Behörde sind die einheimischen Institute UBS und Julius Bär, die britischen Banken HSBC und Barclays, zudem Morgan Stanley aus den USA und Mitsui aus Japan. Auch in den USA laufen seit Beginn des Jahres Ermittlungen gegen mehrere Großbanken wegen möglicher Preisabsprachen beim Edelmetallhandel.

Medienberichten vom Februar zufolge sind dort zehn Großbanken betroffen. Ihnen wird demnach vorgeworfen, über Jahre in Telefonkonferenzen Referenzpreise für Edelmetalle festgelegt zu haben. Sie sollen beispielsweise vertrauliche Daten über Kauf- und Verkaufsaufträge ihrer Kunden ausgetauscht haben.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Goldnachfrage

Die gesamte Goldnachfrage im ersten Quartal 2015 betrug 1079,3 Tonnen. Damit ist die Nachfrage nur um knapp 11 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 1089,9) gefallen.

Quelle: World Gold Council

Schmucknachfrage

Die weltweite Nachfrage nach Schmuck betrug im ersten Quartal 2015 insgesamt 600,8 Tonnen und ist damit um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 620,2) gefallen.

Industrienachfrage

Die Nachfrage des Technologiesektors belief sich im ersten Quartal 2015 auf 80,4 Tonnen und fiel, verglichen mit den 81,9 Tonnen im ersten Quartal 2014, um zwei Prozent.

Goldbarren- und Münznachfrage

Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist im ersten Quartal 2015 gesunken – auf 253,1 Tonnen. Ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zu 2014 (Q1: 281,5).

EFTs und ähnliche Produkte

Die Nachfrage bei den Gold-EFTs betrug im ersten Quartal 2015 25,7 Tonnen. Im ersten Quartal des Vorjahres wurden noch Abflüsse in Höhe von 13,5 Tonnen verzeichnet.

Notenbanken

Die Nettoeinkäufe von Zentralbanken betrugen im ersten Quartal 2015 119,4 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Wert damit nahezu gleich (Q1'14: 119,8).

Investment gesamt

Die Goldnachfrage im Investment belief sich im ersten Quartal 2015 auf 278,8 Tonnen. Das ist eine Steigerung von vier Prozent, im Vorjahresquartal waren es 268 Tonnen.

Die Deutsche Bank wollte sich zu den Vorwürfen nicht konkret äußern. „Wir kooperieren mit den Behörden“, sagte ein Sprecher in Frankfurt. Deutschlands größtes Geldinstitut hatte den Handel mit Edelmetallen im November 2014 eingestellt. Auch Julius Bär erklärte, mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Morgan Stanley und HSBC wollten die Untersuchung indes nicht kommentieren.

Der Edelmetall-Handel steht auch im Visier von anderen Regulatoren. Zahlreiche Handelsskandale hatten Forderungen nach mehr Aufsicht und Transparenz bei der Ermittlung von Kursen und Preisen laut werden lassen. Bei einigen Edelmetallpreisen wurde inzwischen auf elektronische Systeme umgestellt, die als weniger manipulationsanfällig gelten.

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