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22.02.2016

15:47 Uhr

EFG kauft BSI

Milliardendeal in der Schweizer Bankbranche

Für 1,33 Milliarden Franken hat die Schweizer Privatbank BSI den Besitzer gewechselt. Mit der Übernahme steigt die Konkurrentin EFG International in die Liga von Pictet oder Safra Sarasin auf. Das kostet.

Mit der Übernahme der ähnlich großen BSI steigt die EFG in die nächsthöhere Bankenliga auf. Reuters

Aufsteiger

Mit der Übernahme der ähnlich großen BSI steigt die EFG in die nächsthöhere Bankenliga auf.

ZürichDie Schweizer Privatbank EFG International schiebt mit der Übernahme der Konkurrentin BSI die Fusionswelle unter den Vermögensverwaltern des Landes an. EFG kauft die etwa gleich große Tessiner Bank für rund 1,33 Milliarden Franken. Gemeinsam kommen die beiden Institute auf ein verwaltetes Vermögen von gut 170 Milliarden Franken und steigen zur Nummer fünf auf dem umkämpften Schweizer Markt auf. Damit spielt die fusionierte Bank künftig in einer Liga mit Wettbewerbern wie Pictet oder Safra Sarasin, deutlich größer sind nur die Branchenführer UBS, Credit Suisse und Julius Bär. „Wir dringen auf die nächste Stufe vor“, sagte EFG-Chef Joachim Straehle am Montag.

Die Übernahme hatte sich bereits abgezeichnet: Zwar hatte der Verkäufer – die brasilianische Investmentbank BTG Pactual – BSI selbst erst vor wenigen Monaten gekauft. Doch die Bank geriet nach der Verhaftung ihres Gründers Andre Esteves im November inmitten einer Korruptionsaffäre in Turbulenzen und musste den Weiterverkauf einleiten. Vergangene Woche hatten EFG und BTG Pactual schließlich exklusive Verhandlungen über die Tessiner Privatbank bestätigt. Bei den EFG-Anlegern kamen die Pläne nicht gut an: Die Aktie verlor fünf Prozent.

Die großen Rechtsrisiken der Investmentbanken (laut Moody's)

Barclays

Kapitalerhöhung 2008: Es geht um Ungereimtheiten bei der Kapitalerhöhung durch Investoren aus dem Nahen Osten, genauer um die Frage, ob gezahlte Gebühren korrekt veröffentlicht wurden. Altaktionäre blieben bei der Transaktion außen vor. Es ermitteln die britische Finanzaufsicht FCA, US-Justizministerium, SEC, und die britische Behörde für schwere Wirtschaftskriminalität SFO.

Handelssysteme: Hochfrequenzhändler sollen Einblicke in eigentlich anonyme Handelspositionen von anderen Kunden erhalten haben. Es ermitteln die US-Börsenaufsicht SEC und die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft.

HSBC

Geldwäsche: Geldwäsche-Vorwürfe und damit verbundene Sanktionsverstöße hält Moody`s für ein hohes Risiko für das britische Institut.

RBS

Verkauf toxischer US-Hypotheken: Die Royal Bank of Scotland hat dafür bereits 2,5 Milliarden Dollar zurückgelegt, Moody's hält aber eine endgültige Strafzahlung für wahrscheinlich, die „ein Vielfaches“ davon beträgt.

Deutsche Bank

Devisen: Es geht um Kursmanipulationen

Russlandgeschäft: Kunden sollen über die Russland-Tochter der Bank Schwarzgeld gewachsen haben.

Credit Suisse

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

UBS

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

Goldman Sachs

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

Grund dafür ist Händlern zufolge auch die 500 Millionen Franken schwere Kapitalerhöhung, mit der EFG den Kauf finanzieren will. Zudem plant EFG Ergänzungskapital (Additional Tier 1) im Umfang von 250 Millionen Franken aufzunehmen, um die geplante Barzahlung von 975 Millionen Franken zu begleichen. Den Rest der Übernahme finanziert EFG mit der Ausgabe eigener Aktien: Die brasilianische BTG Pactual wird im Zuge dessen zum EFG-Großaktionär mit einem Anteil rund 20 Prozent. Wichtigster Aktionär bleibt jedoch die griechisch-schweizerische Reeder-Familie Latsis mit künftig rund 35 Prozent. Für den Fall, dass EFG angesichts des schwierigen Börsenumfelds nicht genügend frisches Kapital aufnehmen könnte, haben die Familie Latsis und BTG weitere Geldspritzen in Aussicht gestellt.

Mit dem Zusammenschluss hoffen die beiden Banken, sich im internationalen Wettbewerb um die zumeist vermögende Kundschaft künftig besser behaupten zu können. Vor allem kleinere Privatbanken suchen ihr Heil daher in Zusammenschlüssen, um ihre Ausgaben etwa für IT auf mehr Kunden zu verteilen.

EFG und BSI wollen ihre Kosten im Zuge der Fusion bis Ende 2018 um 185 Million Franken vor Steuern drücken. Doch zunächst verschlingt der Umbau im selben Zeitraum 200 Millionen Franken. Zum EFG-Gewinn werde der Zukauf ab 2018 beitragen. Wie viele Stellen im Zuge der Fusion gestrichen werden ließ EFG-Chef Straehle offen.

Läuft alles nach Plan, soll der Deal bis zum Jahresende über die Bühne gehen. Die Verwicklung von BSI-Managern in den Finanzskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB scheint EFG dabei kein Kopfzerbrechen zu machen. EFG habe sich die Rechtsfälle angesehen und könne damit umgehen, sagte Straehle.

Von

rtr

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