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02.01.2007

13:30 Uhr

Einführung eigentlich zum 1.1.

Banken vertagen Basel II

VonChristian Potthoff

Die neuen Kapitalregeln für Banken (Basel II) werden nur schleppend eingeführt. Obwohl der 1. Januar der offizielle Starttermin war, „wird kaum eine Bank Anfang 2007 mit Basel II beginnen“, sagt Christian Heitmann, bei der Unternehmensberatung Zeb für Basel II zuständig.

FRANKFURT. Die meisten Häuser, darunter praktisch alle Sparkassen und Volksbanken, vertagen die Einführung von Basel II auf Anfang 2008 – eine Möglichkeit, die ihnen der Gesetzgeber im Zuge einer Übergangsfrist zugesteht.

Mit Basel II soll eine Modernisierung der Risikosysteme der Banken erreicht werden. Ein Eckpfeiler ist, dass die Kapitalunterlegung von Krediten künftig von der Bonität der Kunden abhängt. Bisher waren pauschal acht Prozent der Kreditsumme fällig. Politische Auseinandersetzungen verzögerten den Starttermin um mehrere Jahre. Wie eng es auch am Schluss noch wurde, zeigt sich daran, dass die „Solvabilitätsverordnung“, mit der Basel II in deutsches Recht umgesetzt wird, erst in der Woche vor Weihnachten verabschiedet wurde – dies ist ein Grund dafür, dass die meisten Banken den Start auf 2008 verschoben haben.

Dabei hatte sich gerade die deutsche Bankenaufsicht auf internationaler Ebene für Basel II stark gemacht. Umso betrüblicher muss es den Aufsehern erscheinen, dass die Banken den „Standardansatz“ bevorzugen. Dieser ist das einfachste der drei Basel-II-Verfahren und trägt am wenigsten zur Verbesserung der Risikosysteme bei. Die Aufsicht hatte ursprünglich erwartet, dass 800 Banken die beiden komplexeren „internen“ Ansätze nutzen. Doch daraus wird nichts. „Die Hoffnungen der Aufsicht auf eine flächendeckende Einführung der internen Verfahren für bankaufsichtliche Zwecke haben sich nicht erfüllt“, sagt Ulrich von Kenne, Geschäftsführer beim Bundesverband deutscher Banken (BdB).

Experten schätzen, dass nicht einmal 60 Banken die internen Ansätze anwenden werden, bei denen die Institute stärker als beim Standardansatz auf eigene Daten zurückgreifen. Die Bundesbank, die sich mit der BaFin die Bankenaufsicht teilt, will aber von einem Fehlstart nichts wissen. „Ich bin mit dem Start zufrieden, vor allem, weil fast alle großen Banken den internen Ansatz wählen“, sagt Bundesbankvorstand Edgar Meister dem Handelsblatt. Die Banken, die die internen Verfahren nutzten, machten zusammen rund 60 Prozent der Bilanzaktiva des Kreditgewerbes aus. Meister glaubt zudem, „dass eine Vielzahl von Sparkassen und Volksbanken in den nächsten zwei, drei Jahren in den internen Ansatz wechseln wird.“

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