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06.04.2006

07:33 Uhr

Einigung in Polen

Unicredit nimmt die letzte Hürde bei HVB

VonKatharina Kort und Reinhold Vetter

Mit dem Kompromiss im Polen-Geschäft kann sich die italienische Großbank Unicredit wieder auf die Integration der Hypo-Vereinsbank (HVB) konzentrieren. Der Widerstand der polnischen Regierung gegen die Fusion der dortigen Konzerntochtergesellschaften war das letzte große Problem, das die Italiener bei der Übernahme der HVB noch hatten lösen müssen.

Das Logo der fusionierten Bank.

Das Logo der fusionierten Bank.

MAILAND/WARSCHAU. Die Regierung in Warschau hatte sich noch bis Anfang dieser Woche vehement gegen die Fusion der HVB- und Unicredit-Tochterinstitute BPH und Bank Pekao gestemmt. Am Mittwoch kam die Einigung. Insgesamt muss Unicredit nun 200 der 460 Zweigstellen der BPH veräußern und einen Teil des Fondsgeschäfts abgeben. Die verbleibenden 260 BPH-Filialen darf Unicredit mit den rund 700 der Bank Pekao verschmelzen. Die Marke BPH wird dagegen verkauft. Außerdem haben sich die Italiener verpflichtet, bis zum März 2008 keine Mitarbeiter der Bank Pekao sowie der BPH zu entlassen.

„Diese Einigung ist positiv für Polen, für unsere Kunden, unsere Angestellten und für Unicredit“, sagte Vorstandschef Alessandro Profumo gestern nach der Einigung. Auch Polens Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz bezeichnete den Kompromiss als „nützlich für beide Seiten“. Mit dem Abkommen habe man erreicht, dass der freie Wettbewerb auf dem polnischem Markt erhalten bleibe und Arbeitsplätze gesichert würden, sagte Marcinkiewicz. Mit der Fusion aus Bank Pekao und BPH entsteht die größte Bank in Polen. Zurzeit liegt die mehrheitlich staatliche Bank PKO BP auf Platz eins, Pekao und BPH auf den Plätzen zwei und drei.

„Für Unicredit ist das ein gutes Abkommen“, kommentierte Carlo Digrandi, Banken-Analyst von HSBC in London den Kompromiss. „Wichtig ist, dass man überhaupt zu einer Einigung gelangt ist und jetzt mit der Integration anfangen kann“, sagte die Analystin Manuela Meroni von der italienischen Investmentbank Caboto. Natürlich würden die Kostensynergien nun geringer ausfallen, da sich Unicredit verpflichtet habe, zwei Jahre lang keine Mitarbeiter zu entlassen. Aber es gebe auch andere Einsparmöglichkeiten. „Die Ziele von Unicredit für die Synergien in Osteuropa sind nicht besonders aggressiv, und ich bin überzeugt, dass die Bank sie einhalten wird“, sagte die Analystin. Bei der Ankündigung der Fusion im Juli 2005 hatte Unicredit für Osteuropa insgesamt 165 Mill. Euro an Kostensynergien bis 2008 prognostiziert.

Für die zum Verkauf stehenden 200 BPH-Filialen ist eine internationale Ausschreibung geplant. Regierungschef Marcinkiewicz geht davon aus, dass es auf dem internationalen Bankenmarkt eine ganze Reihe potentieller Käufer gibt.

Als Interessenten werden die Banken HSBC und die Raiffeisen Zentralbank gehandelt. Offenbar gibt es aber auch in Polen Interessenten. Genannt wird vor allem die Getin Bank des Finanzinvestors Leszek Czarnecki, die gegenwärtig mit einem Eigenkapital von gut 400 Mill. Zloty (rund 100 Mill. Euro) auf Platz 19 der Branche liegt. Marcinkiewicz kündigte an, der Staat werde sich nicht an der Ausschreibung für BPH beteiligen.

Am Mittwochabend billigte dann auch die polnische Bankenaufsicht die Übernahme von BPH durch Unicredit. „Die Entscheidung ist zugunsten von Unicredit ausgefallen“, sagte ein Mitglied der Bankenaufsicht. Die polnische Regierung hatte die Bankenaufsicht in den letzten Wochen von einer entsprechenden Entscheidung abhalten wollen. In einem letzten Schritt muss die Bankenaufsicht der Fusion von BPH und Bank Pekao noch zustimmen.

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