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15.03.2006

13:40 Uhr

Einigung mit Bankentochter

Profumo lässt in Wien Federn

VonChristoph Hardt und Katharina Kort

Die italienische Großbank Unicredito ist bei der Neuordnung ihres Osteuropa-Geschäfts einen großen Schritt weiter, hat dafür aber einen hohen Preis bezahlen müssen.

MÜNCHEN / MAILAND. Wie Unicredito und ihre österreichische Tochter Austria-Creditanstalt (BA-CA) am Dienstag bekannt gaben, hat sich die italienische Konzernführung mit dem mächtigen Betriebsrat der österreichischen Bank auf einen zehn Jahre laufenden Vertrag geeinigt, der den Wienern im Rahmen des Gesamtkonzerns weit reichende Sonderrechte belässt.

So wird die BA-CA eine Art „Sub-Holding“ für das Osteuropageschäft, dafür erhält Unicredito die Verantwortung für Polen. Im Gegenzug verzichtet Unicredito-Chef Alessandro Profumo zumindest mittelfristig auf die von ihm geforderte Ausgliederung des Österreich-Geschäfts in eine eigene Landesgesellschaft, die in der Logik des Konzernaufbaus gelegen hätte.

„Ein konstruktives Abkommen zwischen den Aktionären, das die Struktur von Bank Austria aufwertet“, kommentierte Unicredito die Einigung, um die seit Monaten gerungen wurde. Auch Hedwig Fuhrmann, Chefin des Betriebsrates der BA-CA, sprach von einer „ordentlichen Lösung für beide Seiten“ bei der es weder Sieger noch Verlierer gegeben habe. Finanzkreise in Wien und München sind sich indessen einig, dass sich der mit einer Art goldenen Aktie ausgestattete österreichische Betriebsrat in hohem Maß gegen Profumo durchgesetzt hat. Demnach hat Profumo kurz vor Präsentation seiner Jahresbilanz zumindest eine seiner großen Baustellen im Konzern still legen wollen. Außerdem hat er nun zumindest intern freie Hand in Polen, wo er sich massivem politischen Widerstand gegenübersieht. Die neue polnische Rechtsregierung versucht die von Profumo angestrebte Fusion der Bank Pekao und der bisherigen BA-CA-Tochter BPH zu blockieren.

Doch nicht nur Unicredito hat an der Einigung zu knabbern, für die Münchener Hypovereinsbank bedeutet sie den endgültigen Verlust ihres internationalen Geschäfts. Denn die Verantwortung für das Baltikum, für Russland und die Ukraine gehen definitiv an die BA-CA. Bisher hatte die von Unicredito übernommene HVB die Länder von München aus gesteuert. Unicredito aber verzichtet in Österreich auf die im Konzern übliche Aufteilung. Daher werde vor allem die Personalpolitik entscheiden, ob es Profumo noch gelinge, die Österreicher eng genug an Mailand anzubinden, hieß es aus Bankenkreisen.

Nach Ansicht von HVB-Chef Wolfgang Sprißler macht der Fusionsprozess in Deutschland trotz aller „Nebengeräusche“ Fortschritte. Sprißler bestritt, dass die HVB wegen der Personalquerelen nach der Übernahme Probleme mit der Kundschaft habe. Die Bank habe sogar Privatkunden gewonnen, bei Firmenkunden sei die Lage stabil.

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