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26.01.2012

06:23 Uhr

Einkaufstour

Lehman-Nachfolger sichert sich Mehrheit an Archstone

VonRolf Benders, Reiner Reichel

Die Nachfolgegesellschaft der insolventen Investmentbank Lehman Brothers hat sich für einen Milliardenbetrag die Mehrheit am Wohnimmobilienunternehmen Archstone gesichert.

Pleite und trotzdem auf Einkaufstour: die Lehman Brothers Holding. ap

Pleite und trotzdem auf Einkaufstour: die Lehman Brothers Holding.

New York/DüsseldorfWer Pleite ist, muss verkaufen, was er hat. Doch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten beweist die insolvente Lehman Brothers Holding gerade, dass es auch anders geht. Die Nachfolgerin der ehemaligen Investmentbank hat für 1,33 Milliarden Dollar einen Anteil von 26,5 Prozent am Wohnimmobilienunternehmen Archstone von den Kreditinstituten Bank of America und Barclays übernommen. Damit gehören Lehman nun 73,5 Prozent der als attraktiv geltenden Immobilienfirma, wie aus einer Pflichtmitteilung vom Wochenbeginn hervorgeht.

Lehman war 2008 unter der Last der Finanzkrise zusammengebrochen und hatte damit die Weltwirtschaft an den Rand des Ruins geführt. Die Pleitebank einigte sich vor kurzem mit ihren Gläubigern darauf, diesen gut 21 Prozent ihrer Forderungen auszuzahlen. Im ersten Quartal will die Bank, die noch auf Vermögenswerten von 65 Milliarden Dollar sitzt, die ersten Gläubiger bedienen.

Allerdings wird sich der Abbau der Vermögenswerte und die Begleichung der Gläubigerforderung wohl noch über Jahre hinziehen. In dieser Zeit arbeitet Lehman mit den Beständen. Eine Sprecherin von Lehman wollte sich zu der aktuellen Transaktion nicht äußern. Sie betonte jedoch, es sei das Ziel der Firma, den Wert ihrer Beteiligungen zum Wohl der Gläubiger zu mehren. Diese hätten dem Archstone-Deal zugestimmt.

Lehman hatte die nun zurückgekauften 26,5 Prozent an Archstone in der Krise an die beiden Banken verloren, die ursprünglich Kreditgeber im zweitgrößten Immobiliendeal der USA waren. Lehman hatte gemeinsam mit Tishman Speyer auf dem Höhepunkt der Immobilienblase im Jahr 2007 den Immobilientrust Archstone mit seinen damals 86.000 Wohnungen für 22,5 Milliarden Dollar gekauft und anschließend von der Börse genommen.

Lehman bremste mit dem Rückkauf den amerikanischen Immobilienunternehmer Sam Zell mit seiner Wohnimmobilienfirma Equity Residential aus, der Medienberichten zufolge ebenfalls ein Angebot für die Archstone-Anteile vorgelegt hatte. Experten schätzen den Wert von Archstone, deren heute noch 70.000 Wohnungen in Ballungsgebieten mehrerer Bundesstaaten stehen, auf bis zu 17 Milliarden Dollar. Die Gesellschaft soll elf Milliarden Dollar Schulden haben.

Der Rückkauf kann durchaus Sinn haben. Denn der US-Wohnimmobilienmarkt ist attraktiv geworden. Der Leerstand von Apartments in den USA ist zum Jahresende auf 5,2 Prozent gefallen. Dies sei der niedrigste Stand in den vergangenen zehn Jahren, stellt Grubb & Ellis fest. Der US-Immobiliendienstleister geht davon aus, dass sich der Leerstand in diesem Jahr noch weiter verringern wird und Wohnungen in den nächsten beiden Jahren knapp bleiben werden.

Letztendlich sorgte der Zusammenbruch des Häusermarktes vor gut drei Jahren für die hohe Nachfrage nach Mietwohnungen. Überschuldete Amerikaner mussten ihre Häuser verkaufen und Wohnungen mieten. Das hilft Archstone und nun Lehman.

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