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29.01.2008

11:40 Uhr

Einstieg bei Großinstituten

Katar investiert in Banken

VonOliver Stock

Der Trend, Geld nicht nur zur Bank zu bringen, um es für sich arbeiten zu lassen, geht weiter: Das Emirat Katar plant über Staatsfonds eine Beteiligung an der Schweizer Großbank Credit Suisse. Für das eidgenössische Institut wäre dies bereits der zweite Teilhaber aus dem Nahen Osten.

ZÜRICH. Bei der Schweizer Großbank Credit Suisse steigt möglicherweise ein zweiter Großaktionär aus dem Nahen Osten ein. Laut britischen Zeitungsmeldungen, die von der Bank am Montag nicht kommentiert wurden, soll das Emirat Katar mit Hilfe seines Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) eine Beteiligung von rund fünf Prozent an der Schweizer Bank aufbauen. Dazu müsste der Fonds umgerechnet rund 2,2 Mrd. Euro ausgeben.

Katars Premierminister Hamad bin Jassim Al Thani, der auch Chef der staatlichen Investitionsbank ist, würde so Ankündigungen in die Tat umsetzen, die er in der vergangenen Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos gemacht hatte. "Wir versuchen, Anteile an zehn bis zwölf führenden Banken zu erwerben. Aber wir werden klein anfangen", hatte er in einem Interview gesagt. Bei der QIA war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Kommt der Kauf in einer Größenordnung von mehr als drei Prozent der Credit-Suisse-Anteile zustande, muss der Käufer nach den Regeln der Schweizer Börse sein Engagement innerhalb von drei Börsentagen melden.

Der Staatsfonds verfügt derzeit über 60 Mrd. Dollar Anlagevolumen. Die Summe soll wegen der stark steigenden Einkünfte Katars aus dem Öl- und Gasexport bis zum Jahr 2010 verdoppelt werden. Die QIA sorgte im Sommer 2007 für Schlagzeilen, als sie in den Bieterwettbewerb um die skandinavisch-baltische Börse OMX einstieg. Sie gab das Interesse jedoch weitgehend auf, nachdem sich Dubais Börse und die amerikanische Nasdaq auf eine gemeinsame Akquisition geeinigt hatten. Seither ist die QIA als großer, aber nicht entscheidender Aktionär bei der OMX und bei der Londoner Börse vertreten.

Die Credit Suisse hat seit knapp zwei Jahren eine Bankenlizenz in Katar. Größter Eigentümer unter den Aktionären der Bank ist der französische Versicherungskonzern Axa, der über knapp acht Prozent des Aktienkapitals verfügt. Axa hat durch den Kauf des Schweizer Versicherers Winterthur, der zuvor der Credit Suisse gehörte, seine Beteiligung noch erhöhen können.

An zweiter Stelle unter den Einzelinvestoren im Eigentümerkreis der Bank steht bislang die Olayan-Gruppe aus Saudi-Arabien, die ihren Anteil noch nicht gemeldet hat, sich damit allerdings nach einer Änderung bei den Schweizer Börsenvorschriften auch noch Zeit bis Februar lassen kann. Die Olayan-Gruppe stellt mit ihrem Chef Aziz Syriani auch ein Mitglied im Verwaltungsrat der Schweizer Bank. Als Vorsitzender jenes Ausschusses, der über die Bezahlung der Topmanager bei der Credit Suisse entscheidet, spielt Syriani eine herausragende Rolle.

Der möglicherweise bevorstehende Einstieg des zweiten Geldgebers aus dem Nahen Osten unterstreicht die Strategie dieser Investoren: Sie nutzen die Krise an den Finanzmärkten, um sich günstig bei europäischen und US-amerikanischen Banken einzukaufen. Beim Konkurrenten UBS wollen zwei Investoren aus Singapur und Saudi-Arabien mit rund 11,5 Mrd. Dollar ebenso einsteigen wie bei der Citigroup, bei der sich Singapur, Kuwait und Abu Dhabi mit insgesamt 22 Mrd. Dollar beteiligen wollen. In beiden Fällen ist jedoch eine durch die Finanzkrise angeschlagene Eigenkapitalausstattung das Motiv hinter dem Investment. Dies ist bei Credit Suisse anders.

Die Schweizer Bank musste bisher deutlich geringere Abschreibungen als die Konkurrenz bekanntgeben und dürfte auch in der übernächsten Woche, wenn sie als eines der ersten europäischen Geldinstitute ihre Jahreszahlen veröffentlicht, zumindest nicht mit außergewöhnlich schlechten Nachrichten aufwarten. Ihrem gebeutelten Aktienkurs gab das bislang allerdings wenig Auftrieb, so dass die QIA diese Situation jetzt nutzen kann, um günstig zum Zug zu kommen.

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