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12.04.2006

07:37 Uhr

Einstieg bei LSE

Nasdaq macht Nägel mit Köpfen

VonTobias Moerschen und Rolf Benders

Seit Jahren diskutieren die großen Börsenbetreiber über Fusionen, ohne dass letztlich etwas geschehen ist. Jetzt ist es gerade die junge US-Technologiebörse Nasdaq, die mit ihrem Einstieg bei der altehrwürdigen Londoner Börse den ersten Schritt macht. Eine Komplettübernahme ist wahrscheinlich. Das könnte die Euronext in die Arme der Deutschen Börse treiben.

Die Nasdaq ist mit 14,99 Prozent bei der LSE eingestiegen. Foto: AP

Die Nasdaq ist mit 14,99 Prozent bei der LSE eingestiegen. Foto: AP

NEW YORK/FRANKFURT. Nasdaq, der zweitgrößte US-Aktienmarkt mit vielen Technologiefirmen, gab am Dienstagabend den Erwerb von 14,99 Prozent der Aktien der London Stock Exchange (LSE) zum Preis von 11,75 britischen Pfund je Aktie bekannt. Den größten Teil der insgesamt 447,7 Mill. Pfund teuren LSE-Aktien übernahm Nasdaq vom Fondshaus Threadneedle. Die Nasdaq-Aktie reagierte mit einem Kurssprung. Sie drehte von minus 3 auf plus 3 Prozent.

Erst am 30. März hatte die Nasdaq offiziell den Versuch abgebrochen, die LSE für 9,50 Pfund je Aktie komplett zu übernehmen. Nach dem britischen Übernahmekodex durfte Nasdaq nach dem abgebrochenen Kaufversuch nicht mehr als 15 Prozent in einer so genannten „Morgengrauen-Attacke“ erwerben. Vor einer neuen Offerte für die gesamte LSE muss Nasdaq sechs Monate warten – ausgenommen, die Briten versuchen, sich durch eine Fusion mit einer anderen Börse, zum Beispiel Euronext, zu retten.

„Nasdaq hat einen stolzen Preis für das LSE-Aktienpaket gezahlt und damit die Messlatte für andere Interessenten hoch gelegt“, sagte Benn Steil, Kapitalmarktexperte des New Yorker Council on Foreign Relations. Laut Steil dürfte Euronext-Chef Jean-François Théodore Probleme haben, die Nasdaq im Rennen um die LSE auszustechen. Théodore hatte zuletzt Interesse an Europas größtem Aktienmarkt signalisiert.

Ein Nasdaq-Sprecher sagte: „Dies ist ein strategisch wichtiger Kauf für uns“, lehnte jedoch weitere Kommentare ab. Die Deutsche Börse, die 2005 selbst vergeblich versucht hatte, die LSE zu übernehmen, wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Die LSE reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

Durch den Einstieg der Nasdaq bei der LSE wächst der Druck auf Euronext und Deutsche Börse, die sich seit langem dahinschleppenden Fusionsverhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen. Dies scheiterte bislang an der deutschen Forderung nach der Beibehaltung von Frankfurt als Managementsitz. „Die Euronext wird sich jetzt wohl auf Frankfurt zu bewegen müssen“, sagte ein Analyst einer großen deutschen Bank, der nicht namentlich genannt werden wollte.

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