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06.07.2015

18:34 Uhr

Ela-Hilfskredite

Griechische Banken am Abgrund

VonGeorgios Kokologiannis

Nach dem Nein im Referendum entscheidet die EZB, ob sie den griechischen Banken weiter hilft. Die Institute sollen nur noch über Reserven von 800 Millionen Euro verfügen. Das reicht nicht mehr lange.

Eine Filiale der Alpha-Bank in Athen. dpa

Capital controls in Greece

Eine Filiale der Alpha-Bank in Athen.

Einen Tag nach dem Referendum in Griechenland richteten sich am Montag alle Blicke auf die Europäische Zentralbank (EZB), in deren Händen das Schicksal des griechischen Finanzsystems liegt. Der Rat der Europäischen Zentralbank wollte sich am frühen Abend in einer Telefonschalte mit der Lage in dem pleitebedrohtem Land befassen. Er muss entscheiden, ob er grünes Licht für weitere Notkredite (Emergency Liquidity Assistance, Ela) der griechischen Notenbank an die Geschäftsbanken gibt.

Von der EZB-Entscheidung abhängig gemacht hatte die griechische Regierung die Ausgestaltung eines neuen Erlasses zu den Banken und den Kapitalverkehrskontrollen, über den ein Gremium am Montagabend beraten sollte. Die bisherigen Regelungen galten nur bis Mitternacht.

Griechenlands Bankenlandschaft

Die wichtigsten Banken

In Griechenland gibt es vier große Geldhäuser - die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Eurobank und die Alpha Bank. Sie stehen für rund 95 Prozent des Marktes. Ihr Börsenwert liegt zusammengefasst bei 8,6 Milliarden Euro. Das entspricht 21 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung an der griechischen Börse. Bank-Aktien haben in Athen seit Jahresbeginn wegen des sich verschärfenden Schuldenstreits mit den internationalen Geldgebern rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Einlagen

Die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen bei griechischen Banken betrugen Ende Februar 140,5 Milliarden Euro - 12,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allein von Dezember bis Februar wurden Guthaben im Volumen von 25,4 Milliarden Euro abgezogen. Wegen der Abflüsse waren die Geldhäuser gezwungen, verstärkt Notfall-Hilfen (ELA) ihrer heimischen Notenbank und direkte Liquiditätsspritzen der EZB in Anspruch zu nehmen.

Finanzierung durch das Eurosystem

Die Finanzierung griechischer Banken durch die EZB, bei der Sicherheiten verlangt werden, hatte Ende März ein Volumen von 38,67 Milliarden Euro. Die ELA-Hilfen durch die Athener Notenbank summierten sich zudem auf 68,6 Milliarden Euro. Hellas-Banken nutzen diesen Weg verstärkt, seitdem die EZB sie ab Mitte Februar von der direkten Finanzierung ausgeschlossen hat. Die EZB hatte damals eine Sonderregel gekippt, die griechischen Banken bis dahin erlaubte, auch bonitätsschwache Staatsanleihen des Landes als Pfand für frisches Zentralbankgeld zu hinterlegen.

Die Versorgung über ELA-Hilfen der Athener Notenbank ist für Banken teurer als die direkte Finanzierung durch die EZB. Zuletzt hatte die EZB eine Aufstockung des ELA-Rahmens um 1,5 Milliarden auf 75,5 Milliarden Euro genehmigt.

Sicherheiten

Griechische Banken setzen bei der Liquiditätsversorgung als Sicherheiten unter anderem Staatsanleihen, kurzfristige Geldmarktpapiere (sogenannte T-Bills), von der Regierung garantierte Bank-Anleihen und Kredite ein. Die Banken besaßen im Februar solche Pfänder im Umfang von zusammen rund 50 Milliarden Euro. Inzwischen ist dieser Puffer auf rund 40 Milliarden Euro gesunken.

Griechische Staatsanleihen

Hellas-Banken haben rund fünf Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen investiert. Das entspricht nur 1,4 Prozent ihrer Bilanzsumme. Darüber hinaus besitzen sie kurzfristige T-Bills im Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro. Aktuell wird für bonitätsschwache griechische Papiere, welche die Banken als Pfänder für ELA-Hilfen einsetzen, nach Angaben von Bankern und Analysten aus Sicherheitsgründen ein Wertabschlag (Haircut) von 32 bis 35 Prozent vorgenommen.

Die griechischen Geldinstitute hängen seit Monaten nur noch am Tropf der Ela-Nothilfen. Die Kredite summieren sich mittlerweile auf 88,6 Milliarden Euro. Das entspricht immerhin fast 50 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Die EZB kann die Nothilfen nach dem „Nein“ der Griechen zu den Sparvorschlägen der Geldgeber nach Einschätzung des Ratsmitglied Ewald Nowotny nicht leichtfertig verlängern. „Die EZB ist hier an Regeln gebunden,“ sagte Nowotny am Montag im ORF-Radio. „Die Entwicklung in Griechenland macht uns das - fürchte ich - leider nicht leichter.“

Die meisten Beobachter rechneten dennoch damit, dass die EZB die Notkredite für Griechenlands taumelnde Finanzhäuser trotzdem aufrechterhalten wird, solange die Verhandlungen auf politischer Ebene fortgesetzt werden. Für Dienstag ist ein Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der 19 Euroländer in Brüssel angesetzt. 

Kommentare (1)

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Herr Omarius M.

06.07.2015, 19:45 Uhr

ohne die bösen terroristen... wären die automaten schon 2010 leer gewesen, eher wahrscheinlich aber schon 2008.... als die target2 zahlen anfingen zu explodieren..^^

nach 5 jahren geeier fällt mir mitleid schwer..^^

Merkel wurde gewählt um D probleme zu lkösen nicht die der GR

hier bleibt alles liegen.....

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