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06.02.2006

10:38 Uhr

Ende der Traditionsbank

HVB löst Westfalenbank auf

VonCaspar Dohmen

Das Ende der des bochumer Traditionshauses Westfalenbank naht: Die Hypo-Vereinsbank übernimmt das Firmenkundengeschäft ihrer Tochter, ein britischer Investor will den Rest kaufen.

DÜSSELDORF. Die Hypo-Vereinsbank (HVB) übernimmt das komplette Firmenkundengeschäft ihrer Tochter Westfalenbank. Darauf hätten sich beide Unternehmen verständigt, sagte Joachim Paulus, Vorstandsmitglied der Westfalenbank dem Handelsblatt. Das Wachstum der HVB in Nordrhein-Westfalen sei ein erklärtes Ziel der Unicredito, ergänzte Johann Berger, bei der HVB für das Firmenkundengeschäft verantwortlich. Die italienische Bank hatte jüngst die HVB geschluckt.

Jetzt naht der Schlussakkord bei der Bochumer Traditionsbank. Zuletzt hatte das Institut sich bereits vom Asset-Management getrennt. Käufer war der belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis. Das Privatkundengeschäft übernahm wenig später die Münchener Privatbank Merck & Finck. Nun geht das Firmenkundengeschäft mit 1 500 Adressen, einem Kreditvolumen von einer Mrd. Euro und Einlagen von 400 Mill. Euro an die HVB. Teams aus Mitarbeitern beider Banken sollen einen reibungslosen Übergang für die Kunden gewährleisten, der bis Mitte des Jahres abgeschlossen werden soll. Von der Westfalenbank bleibt dann nur noch wenig übrig.

Interesse am Rest – insbesondere am Erwerb der Banklizenz hat der britische Investor Crown Mortgage Management (CMM). Derzeit gebe es vielversprechende Verhandlungen, sagt Paulus. Bis Ende März solle eine Einigung mit dem Investor erzielt werden. Dadurch könnte in Bochum der Kern für eine zukunftsfähige Bank entstehen, die sich auf einzelne Bankdienstleistungen spezialisiere, hofft Paulus.

CMM verfügt aufgrund langjähriger Tätigkeit in den USA und Großbritannien über große Erfahrung im Bereich der Beratung, der Strukturierung, Bearbeitung und Platzierung von Kreditportfolios.

Schon heute arbeiteten Westfalenbank und CMM bei der Bearbeitung notleidender Kredite zusammen, sagte Westfalenbank-Vorstand Christian von Villiez. Erst jüngst hatten die Bochumer von der Credit Suisse ein 300 Mill. Euro umfassendes Portfolio der DG Hyp zur Betreuung erhalten. Im deutschen Markt für notleidende Kredite engagieren sich vielfach ausländische Investoren, die für die Abwicklung Dienstleister suchen.

Schon länger hatte die HVB eine Lösung für die Westfalenbank gesucht, die sie selbst von der in die Pleite geratenen Falke-Bank zurückgekauft hatte. Doch für eine Bank dieser Größenordnung bei gleichzeitig schwierigem wirtschaftlichen Umfeld taten sich die Münchener schwer.

Zuletzt hatte die HVB einen Käufer für die Westfalenbank als reine Firmenkundenbank gesucht. Gespräche mit Interessenten scheiterten, zuletzt mit der WGZ-Bank, die nur das Kreditportfolio wollte, aber keine Beschäftigten. Derzeit gibt es noch 85 Mitarbeiter, nachdem sich Management und Betriebsrat Ende 2005 mit 115 Mitarbeitern auf Aufhebungsverträge geeinigt hatten.

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