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03.04.2017

16:19 Uhr

„Ende der Umsonstkultur“

Gebühren fürs Geldabheben werden zur Regel

VonFelix Holtermann

Immer mehr Banken erheben Gebühren fürs Geldabheben. Der Trend dürfte sich fortsetzen: Die Bundesbank rechnet mit einem Ende der kostenlosen Automatennutzung. Verbraucherschützer warnen vor Gebühren von bis zu 9,90 Euro.

Orange by Handelsblatt bei der Sparkasse

So erklärt ein Sparkassen-Boss die Gebühren fürs Geldabheben

Orange by Handelsblatt bei der Sparkasse: So erklärt ein Sparkassen-Boss die Gebühren fürs Geldabheben

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DüsseldorfEs war der Aufreger der vergangenen Tage: Rund 40 von 400 deutschen Sparkassen verlangen – je nach Kontomodell – Gebühren fürs Geldabheben. Und auch bei den Volksbanken drohen für immer mehr Kunden Entgelte am Automaten. Laut dem Internet-Finanzportal biallo.de haben bereits mehr als 150 von rund 1.000 deutschen Genossenschaftsbanken Kontomodelle mit Automatengebühren eingeführt.

Viele Bankkunden sind verunsichert. So hatte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon noch im Herbst gegenüber der „Bild“-Zeitung erklärt: „Abhebungen an unseren Geldautomaten sind für Sparkassenkunden kostenlos – und das wird auch so bleiben.“ Jetzt muss sein Verband zurückrudern. Auf Twitter erklärt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband: „Je nach Kontomodell können bei einzelnen (Sparkassen) Entgelte bei Überschreitung einer (bestimmten) Anzahl an Buchungsvorgängen entstehen.“ Das wiederum geht bei günstigen Kontomodellen sehr schnell.

Der Bundesverband der Genossenschaftsbanken BVR verteidigte die Abhebegebühren am Montag gegenüber dem Handelsblatt: „Banken bieten unterschiedliche Kontomodelle an. Für Kunden, die sich bewusst für ein preiswertes Kontomodell entschieden haben, das zum Beispiel ein monatliches Limit an Freiabhebungen am Geldautomaten vorsieht, kann diese Entscheidung durchaus lohnend sein.“

Gebühren am Automaten: Auch Volksbanken verteuern das Geldabheben

Gebühren am Automaten

Auch Volksbanken verteuern das Geldabheben

Tausende Kunden sind alarmiert: Rund 40 Sparkassen haben Gebühren für das Geldabheben eingeführt. Jetzt ziehen die Genossenschaftsbanken nach. Auch für viele Volks- und Raiffeisenbank-Kunden wird es teuer am Automaten.

Beobachter glauben, dass Gebühren fürs Geldabheben in Deutschland von der Ausnahme zur Regel werden könnten. So rechnet Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret mit steigenden Bankgebühren. „Wir sehen ein Ende der Umsonstkultur“, sagte er der Zeitung „Die Welt“, gibt aber zu bedenken: „Allerdings müssen diese Produkte auch attraktiv sein, sonst werden Banken und Sparkassen dafür diese Preise nicht am Markt durchsetzen können“.

Ursprünglich hätten die Banken und Sparkassen an den Kundenguthaben Geld verdient – allein durch die Unterschiede zwischen kurz- und langfristigen Zinsen. Doch das sei heute nicht mehr möglich: „Der Bankensektor kann da nur Kosten senken oder Provisionen und Gebühren erhöhen“, sagte Dombret, im Bundesbank-Vorstand für die Bankenaufsicht zuständig. Ob die Gebühren mit steigenden Zinsen auch wieder verschwinden würden, sei offen. „Das ist eine Frage des Wettbewerbs.“

Die profitabelsten und unprofitabelsten Sparkassen-Regionen 2016

Sparkassen-Verbände

Die mehr als 400 Sparkassen in Deutschland sind in 12 regionalen Verbänden organisiert. Eine viel beachtete Messgröße für die Profitabilität der Sparkassen ist das Betriebsergebnis vor Ergebnis im Verhältnis zur Bilanzsumme. Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hat über die erwarteten Gewinne im Jahr 2016 diverser Verbände informiert.

Platz 1

Ostdeutscher Sparkassenverband

Bilanzsumme 2015:
112 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
1,04 Prozent (Vorjahr: 1,15 Prozent)

Quelle: SVWL, OSV

Platz 2

Sparkassenverband Westfalen-Lippe

Bilanzsumme der Mitglieder 30.6.2016:
126 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,95 Prozent (Vorjahr: 1,08 Prozent)

Quelle: SVWL

Platz 3

Sparkassenverband Schleswig-Holstein

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
37,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,88 Prozent (2014: 0,89 Prozent)

Quelle: SVWL, SGVSH

Platz 4

Sparkassenverband Baden-Württemberg

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
178,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,84 Prozent (2015: 0,97 Prozent)

Quelle: SVWL, SVBW

Platz 5

Bayerischer Sparkassenverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
193 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,82 Prozent (2015: 0,95 Prozent)

Quelle: SVWL, SVB

Platz 11

Rheinischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
154 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,69 Prozent

Quelle: SVWL, SVB

Platz 12

Hanseatischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
54 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,65 Prozent

Quelle: SVWL, DSGV

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat höhere Gebühren gegenüber dem Handelsblatt schon befürwortet: „Über Girokonten, Depots oder Kreditkarten zum Nulltarif mögen sich Kunden freuen. Mangels alternativer Ertragsquellen lässt sich dieses Angebot aber nicht auf die Dauer aufrechterhalten“, urteilte Bafin-Präsident Felix Hufeld bereits Ende vergangenen Jahres.

Professor Dirk Schiereck, Bankenprofessor an der Technischen Universität Darmstadt, rechnet mit weiteren Nachahmern. Ihm zufolge drohen den Bankkunden auf breiter Front neue Gebühren am Automaten – auch, um das Bezahlen per Bargeld zu verteuern: „Geldauszahlungen sind teuer aus Sicht der Banken. Deshalb ist es für sie attraktiv, die Kunden dazu zu bewegen, mehr mit Karte oder online zu zahlen.“ Das Handelsblatt hat bereits Ende 2016 über die Praxis berichtet, dass das Abheben am Automaten immer häufiger Geld kostet – nicht mehr nur bei reinen Onlinebanken wie N26, sondern auch an Automaten der Hausbank oder einer Bankengruppe.

Kommentare (9)

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Herr Thomas Behrends

03.04.2017, 13:57 Uhr

Dafür, dass wir Bankkunden alle möglichen Einstellungen wie Lastschrifteinzüge, Überweisungen etc. selbst übernehmen "dürfen" und die Automaten in den Bankfilialen längst abgeschrieben sind und weiterhin werden, somit also auch kein Kundendienst mehr in den Banken vorhanden ist, ist es eine Frechheit, dass Banken überhaupt Gebühren nehmen.

Wir Bankkunden können nichts für deren Gezocke an den internationalen Börsen und den Zusammenbruch des US-Immobiliensystems, wodurch die Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst wurde.

Hätten sich die Akteure an die unausgesprochenen Regeln der Banken gehalten gehalten, wäre das Ganze nicht passiert.

Herr Max Nolte

03.04.2017, 14:02 Uhr

Affentanz und wir tanzen alle mit. Im übrigen passt die Überschrift "Umsonstkultur" mal überhaupt nicht. Jeder muss ein Konto haben und leiht der Bank noch sein Geld, dafür dürfen wir dann jetzt auch noch zahlen... an Dreistigkeit nicht zu überbieten! Aber wir spielen das Spiel ja einfach mal mit, anstatt den Banken die Scheiben einzuschmeißen, besser noch die EZB anzünden! Einfach nur widerlich...

Genau wie mit nem Pass...MUSS jeder haben und MUSS jeder selber bezahlen, eigentlich auch ein Unding..

G. Nampf

03.04.2017, 14:23 Uhr

"Ihm zufolge drohen den Bankkunden auf breiter Front neue Gebühren am Automaten – auch, um das Bezahlen per Bargeld zu verteuern: „Geldauszahlungen sind teuer aus Sicht der Banken. Deshalb ist es für sie attraktiv, die Kunden dazu zu bewegen, mehr mit Karte oder online zu zahlen.“"

Statt das Bargeld abzuschaffen wäre es besser, das BankUNwesen radikal zurechtzustutzen.

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