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24.08.2016

15:41 Uhr

Ende des Gratis-Kontos?

Konto bei ING-DiBa bleibt kostenlos

Während die Postbank ein neues Gebührenmodell einführt, hält die deutsche Direktbank ING-DiBa an ihren kostenlosen Girokonten fest. Die geringen Erträge ließen sich nicht mit Gebührenerhöhungen wettmachen.

Als eine von wenigen Banken zahlt die ING-DiBa derzeit noch Zinsen auf Sparguthaben. Reuters

ING-Zentrale in Amsterdam

Als eine von wenigen Banken zahlt die ING-DiBa derzeit noch Zinsen auf Sparguthaben.

BonnTrotz der anhaltenden Niedrigzinsen hält die größte deutsche Direktbank ING-DiBa an ihren kostenlosen Girokonten fest. „Derzeit gibt es keine Pläne, sie für Privatkunden abzuschaffen“, sagte der Vizechef der niederländischen Mutter ING, Koos Timmermans, der Nachrichtenagentur Reuters. Bei der Deutschen Postbank müssen mehrere Millionen Kunden ab November Gebühren für ihr Girokonto zahlen.

Der ING-Vorstand sagte, die meisten Geldhäuser legten die niedrigen Zinsen schon auf die eine oder andere Weise auf die Kunden um - sei es über Gebühren oder über Strafzinsen. Auch bei der ING gebe es sie längst für extrem große Einlagen von Firmenkunden, aber auch für Fremdwährungskonten. „Negativzinsen kommen tröpfchenweise“, sagte Timmermans.

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Die größte Privatkundenbank Deutschlands ändert ihr Geschäftsmodell: Deutlich weniger Kunden der Postbank wird künftig ein kostenloses Girokonto angeboten. Welches Entgelt fällig wird und für wen es Ausnahmen gibt.

Die deutsche Tochter ING-DiBa, die ohne eigenes Filialnetz auskommt, zahlt als eine von wenigen Banken noch Zinsen auf Sparguthaben: 0,35 Prozent bis 100.000 Euro. Bei Sparkonten habe sie noch Spielraum, die Zinsen zu senken, sagte Timmermans. „Das ist derzeit nicht dringlich. Doch sollte das Niedrigzinsumfeld wirklich lange anhalten, werden Maßnahmen unausweichlich werden.“

Die kleine bayerische Raiffeisenbank Gmund hatte aufhorchen lassen, weil sie von September an von einigen Privatkunden mit großen Summen auf dem Konto einen Strafzins verlangt. Die Banken selbst müssen bereits seit 2014 Zinsen zahlen, wenn sie über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld parken. Damit will sie die Banken dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben und weniger Geld zu horten, um die Wirtschaft im Euro-Raum anzukurbeln.

Wie Banken im Ausland mit Minuszinsen umgehen

Frankreich

Der Fall der Strafzinsen der Tegernseer Bank hat im Nachbarland ein großes Echo hervorgerufen. Dort gibt es Strafzinsen für Privatkunden bisher nicht. Die Bankgebühren sind zuletzt aber nach zwei Jahren Rückgang wieder gestiegen, wie eine Auswertung des Vergleichsportals panorabanques.com ergab. Minuszinsen drohen nur Unternehmen in Einzelfällen, etwa wenn sie sehr große Summen auf Bankkonten horten.

Dänemark

Zwar verlangt die dänische Zentralbank dort noch höhere Strafzinsen von Banken als die EZB. Doch Geldhäuser geben diese laut der Danske Bank, der größten des Landes, nicht an Privatkunden weiter. Die Institute verdienen gut an Gebühren. Bei Wohnungskrediten erhöhen einige Geldhäuser gerade die Zinsen. Das ärgert die Kunden, aber ein Sturm der Entrüstung blieb bisher aus.

Italien

Negativzinsen und steigende Gebühren beschäftigen Sparer nicht. Sie treibt eher die Krise der heimischen Banken um, die sie ihr Erspartes kosten könnte. Viele Kleinsparer haben den Banken Geld geliehen. Doch die stehen unter Druck, da sie faule Kredite in Höhe von 360 Milliarden Euro in ihren Bilanzen haben. Die Regierung in Rom verhandelt mit Brüssel, inwieweit die Banken gestützt werden können.

Großbritannien

Nach dem Brexit-Votum hat die Bank of England den Leitzins zwar auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Damit liegt der Zinssatz aber immer noch über dem Wert in der Eurozone. Auch erhebt die Notenbank keine Strafzinsen von Banken. Privatkunden bleiben daher von verschont, sagt Mike Peacock, Sprecher der Bank of England. „Uns ist keine Bank bekannt, insbesondere keine der wichtigen, die derartige Gebühren erheben.“

Schweiz

Auch dort verzichten Banken auf Negativzinsen für Privatkunden - mit einer Ausnahme: Seit Jahresbeginn berechnet die vergleichsweise kleine Alternative Bank Schweiz (ABS) mit Sitz in Olten (Kanton Solothurn) auf Girokonten Minuszinsen von 0,125 Prozent. Trotzdem konnte die Bank neue Kunden gewinnen. Die ABS gilt indes mit ihren oft gesellschaftlich engagierten Kunden als Sonderfall. Statt Gewinnmaximierung ist ihr erklärtes Ziel die Förderung umweltfreundlicher und sozialer Projekte.

Spanien

Die Bank BBVA hat begonnen, in speziellen Fällen Einlagen von Unternehmenskunden mit Negativzinsen zu belegen. Die Zeitung „El Diario“ schrieb, sie habe damit „eine Pandora-Büchse geöffnet“. Negativzinsen für Privatkunden sind für spanische Banken (noch) kein Thema. Laut Medienberichten erheben aber ausländische Banken wie BNP Paribas, HSBC und Julius Bär Strafzinsen für Privatkunden.

Japan

Auch in Fernost sind die Zinsen drastisch gefallen. Im Zuge der „Abenomics“, der Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe, wurde die Geldpolitik stark gelockert, um die schwächelnde Konjunktur anzukurbeln. Seit diesem Januar müssen auch dort Banken Negativzinsen zahlen für einige Gelder, die sie bei der Zentralbank horten. Minuszinsen für Sparer sind dort trotzdem nicht verbreitet.

USA

Die Vereinigten Staaten tanzen aus der Reihe. Dort denkt die Notenbank eher über eine Anhebung der Leitzinsen nach. Dennoch bürden Banken Kunden teils hohe versteckte Gebühren auf. Der Zahlungsverkehr ist mit dem innereuropäischen System nicht vergleichbar. Auf Papier gedruckte und per Post verschickte Schecks sind noch immer die Regel. Kunden müssen etwa für ihr Scheckheft bezahlen. Wessen Kontostand unter einen bestimmten Mindestbetrag fällt - etwa 1500 Dollar - muss Kontogebühren bezahlen. Relativ hohe Beträge werden auch für Transaktionen ins Ausland, speziell in Fremdwährungen fällig.

Mit Gebührenerhöhungen lasse sich das Problem aber nicht lösen, meint Timmermans. „Die Gebühren können ein bisschen nach oben gehen, aber man kann die negativen Margen damit nicht vollständig wettmachen.“ Die Banken müssten auch Kosten senken.

Er erwarte deshalb, dass es verstärkt zu Zusammenschlüssen von deutschen Banken kommen wird und viele Geldhäuser ihre Präsenz vor Ort verringern werden - auch weil viele Kunden ihre alltäglichen Bankgeschäfte online abwickeln.

Von

rtr

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