Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2011

16:16 Uhr

„Ende einer Ära“

Die Investmentbanken müssen radikal sparen

VonRobert Landgraf, Christian Panster

Die alten Zeiten sind vorbei: Nach der Finanzkrise sieht sich die Branche der Investmentbanken einer neuen Wirklichkeit gegenüber. Um trotz aller Regulierungsanforderungen noch passable Renditen abzuliefern, hilft nur ein drastischer Sparkurs.

JP Morgan-Zentrale in New York: In den USA wird über das neue Regelwerk zur Regulierung noch heftig diskutiert. ap

JP Morgan-Zentrale in New York: In den USA wird über das neue Regelwerk zur Regulierung noch heftig diskutiert.

FRANKFURT. Große Sprüche sind Klaus Diederichs' Sache nicht. Seit 30 Jahren ist er mittlerweile im Investment-Banking-Geschäft tätig, heute als Chairman bei JP Morgan, einer der größten und bekanntesten Banken an der New Yorker Wall Street. Diederichs hat vieles erlebt – kleine und große Krisen. Den Oktober-Crash 1987, den Zusammenbruch der Sowjetunion, die Dotcom-Blase, den Fall der asiatischen Tiger.

Am Ende der Krisen stand seine Branche meist besser da als jemals zuvor. Doch dieses Mal, sagt Diederichs auf dem „Handelsblatt Kapitalmarktforum“ in der Frankfurter Villa Kennedy, dieses Mal sei alles anders. Eine Rückkehr zur Normalität werde es nach der Finanzkrise nicht geben. „Es ist das Ende einer Ära.“

Den Investmentbankern weht ein eisiger Wind ins Gesicht. Künftig muss die Branche wegen der neuen Regulierungsanforderungen nach Basel III deutlich mehr Eigenkapital einbehalten als in den „goldenen“ Zeiten. Obendrein wird ein größerer Teil von Verbriefungen – also Krediten, die in Wertpapiere verpackt wurden – in den eigenen Büchern gehalten. Nach Berechnungen von JP Morgan wird das Volumen der sogenannten risikogewichteten Aktiva in den Bankbilanzen um rund 65 Prozent steigen.

Die Branche wird „wesentlich technologieintensiver“

In den USA, dem Mutterland des schnell verdienten Geldes, wird zudem der risikoreiche Eigenhandel mit Wertpapieren begrenzt; das sogenannte Dodd-Frank-Gesetz soll Anfang 2013 in Kraft treten. Zwar wird in Washington über das Regelwerk noch heftig gestritten. Fest steht aber, dass es in Zukunft nicht gerade einfacher wird für die Investmentbanken. „Unsere Geschäfte werden künftig weniger riskant sein, aber auch weniger profitabel“, sagt Diederichs. Die Zeiten, als die Eigenkapitalrenditen bei 20 und mehr Prozent lagen, seien endgültig vorbei, meint auch Samir Assaf, oberster Investmentbanker bei der britischen Großbank HSBC.

Wer in den kommenden Jahren trotzdem einigermaßen passable Renditen abliefern will, muss vor allem eines: sparen. Die Branche werde wesentlich technologieintensiver, sagt Diederichs. Letztlich bedeutet das nichts anderes, als dass mancher Investmentbanker bald seine Koffer packen und sich einen neuen Job suchen darf oder deutlich weniger Boni einstreichen könnte als in der Vergangenheit. Die Boni in der Bankerwelt dürften künftig niedriger ausfallen, ist Assaf überzeugt

Druck könnten vor allem die eigenen Aktionäre machen. Sie sind verwöhnt. In den zehn Jahren vor Ausbruch der Finanzkrise hatten sich die Erträge im Investment-Banking fast verdreifacht. Besonders gut lief das Anleihegeschäft; in diesem Bereich hatten sich die Erträge seit 1999 sogar fast verfünffacht. Für die Banker bedeutete das hohe Boni, für die Aktionäre äußerst üppige Dividendenausschüttungen.

Die Analysten von JP Morgan haben durchgerechnet, wo und wie viel gespart werden muss, um die verwöhnten Aktionäre mit ähnlich hohen Ausschüttungen dauerhaft bei Laune zu halten. Demnach müssen Investmentbanken, die ihren Eignern künftig eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent präsentieren und eine entsprechend hohe Dividende ausschütten wollen, die Gehälter der Mitarbeiter um durchschnittlich 32 Prozent zusammenstreichen.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Libor

03.02.2011, 21:11 Uhr

Wer leiht den sog. Schattenbanken denn das Geld ?
Die Schattenbanken Diskussion erschliesst sich mir leider noch nicht. Wenn diese Fonds zwar Kredite für investitionen erhalten, aber selbst kein Geld verleihen, sind sie doch keine banken, oder ? Warum heissen sie dennoch Schattenbanken ? Das Risiko liegt doch nur beim Kapital und beim Kreditgeber. Prüft der das nicht ? ist der Leverage so hoch ?? Die Kreditgeber sollten hier gründlicher arbeiten !

AUAle

04.02.2011, 12:23 Uhr

Das tut mir aber echt weh! Die investmentbanke(r)n müssen sparen! Aua - wird wohl nichts aus dem nächsten Porsche.

Meiner Ansicht nach könnte man diese Gesellschaften, inklusive der Manager, sowieso abschaffen. Die bereichern sich doch nur alle selbst - den Knochen wirft man dann dem Kleinanleger hin.

ich fordere deshalb den Kleinanleger auf:

Mehr Eigenverantwortung fürs schwer ersparte Vermögen zu übernehmen!

Werft euer Geld doch nicht einfach diesen Cost-Average-Schwaflern hin, sondern macht euch doch selbst mal etwas fachkundig.

Schmeißt das beraterprotokoll weg, oder unterschreibt es zumindestens nicht; Vertrauen ist der falsche Ratgeber.

Übrigens: ein investment in einen Fonds kostet ca. 4% Aufschlag - von der jährlichen Gebühr gar nicht gesprochen. Zwischenzeitlich kassieren die Fonds doch sogar bei den Gewinnen ab. Fair wäre, wenn sie sich auch an den Verlusten beteiligen würden.


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×