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21.03.2012

13:26 Uhr

Ende einer Ära

„Ein schmerzhafter Tag für die WestLB“

VonTino Andresen

Die Zeit der einst größten Landesbank läuft ab. Ende Juni wird die WestLB verschwinden. Heute hat sie ihre letzte Bilanz präsentiert – und den neuen Namen.

Der Vorstandsvorsitzende der Westdeutschen Landesbank WestLB, Dietrich Voigtlaender. dapd

Der Vorstandsvorsitzende der Westdeutschen Landesbank WestLB, Dietrich Voigtlaender.

DüsseldorfAls die vier Vorstandsmitglieder der WestLB den Saal betreten, müssen sie zunächst minutenlang für die Fotografen auf der Bühne vor dem Schriftzug „Bilanzpressekonferenz, 21. März 2012“ posieren. Es sind historische Bilder, die da entstehen. Denn es ist die letzte Bilanzpressekonferenz von Deutschlands einst größter Landesbank, die Ende Juni zerschlagen werden soll.

Vorstandschef Dietrich Voigtländer sieht blass aus, der Seitenscheitel sitzt akkurat. Im dunklen Anzug mit dunkler Krawatte wäre er passend für jede Beerdigung gekleidet. Und gleich zu Beginn sagt er auch offen: „Es ist ein schmerzhafter Tag für mich und meine Vorstandskollegen, weil damit eine Epoche zu Ende geht.“

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Deutlich wird aber auch, dass er den Tag mit Anstand hinter sich bringen will. Er nutzt die Gelegenheit, um sich bei vielen zu bedanken, auch bei Kunden und Mitarbeitern. „Meine Hochachtung gilt dieser tollen Mannschaft.“ Sie ist im vergangen Jahr um fast 300 auf noch knapp 4200 Stellen geschrumpft.

Verkleinert hat sich vieles: Der Vorstand hatte vor einem Jahr noch sechs Mitglieder, die Bilanzsumme hat sich im gleichen Zeitraum um rund ein Achtel auf 168 Milliarden Euro verringert. Auf einem Vorsteuerverlust von 133 Millionen Euro ist ein Gewinn von 37 Millionen geworden. „Auf das leicht positive Ergebnis vor Steuern sind wir stolz“, sagt Voigtländer. Unter dem Strich steht aber ein Minus von 48 Millionen Euro. Der Abschluss nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) fällt mit einem Verlust von 572 Millionen Euro noch deutlich negativer aus.

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Nach der Entscheidung für vorgezogene Neuwahlen in Nordrhein-Westfalen dängt jetzt besonders die Frage, ob sie das Abwicklungskonzept für die WestLB gefährdet. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia beobachtet die Folgen ganz genau, denn: „Es war vereinbart, dass das Land Nordrhein-Westfalen im Zusammenhang mit dem Transfer von Vermögen der WestLB eine Milliarde Euro (…) zahlt, und zwar bis 30. Juni 2012“, wie er der „Süddeutschen Zeitung“ sagte. Er hoffe sehr, dass die neue Regierung als eine der ersten Amtshandlungen das Gesetz beschließen werde, das die Zahlung ermöglicht. „Wenn das nicht klappt, müssen wir uns in Brüssel wieder damit beschäftigen.“

Kommentare (4)

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FHegmanns

21.03.2012, 14:56 Uhr

Dies ist ein trauriges Ende für die WestLB; insbesondere jedoch für all diejenigen traurig, die jahrzentelang bei und für diese Bank gearbeitet und sich mit ihr zu einem hohen Grad identifiziert haben...

Account gelöscht!

21.03.2012, 15:00 Uhr

Der Abgesang des HB unterschlägt die jahrzehntelangen serienweisen schweren Fehler des Managements und der Politik. Von den horrenden Gehältern, im Durchschnitt waren es vor der Krise 178.000 € je Mitarbeiter. Ein gigantischer Betrag!

Das war nicht der "Lieblingsgegner" der EU, sondern ein großer Hassadeur des Finanzwesens. In diese Richtung gesteuert von verantwortungslosen, ahnungslosen ehemaligen SPD-Politikern (Rau, Schleußer, Neuber).

Sie zitieren mal wieder die BaFin, vergessen aber deren Totalversagen vor und in der Krise. Die Abwicklung der BaFin war auch schon mal so gut wie beschlossen. Leider ruht das Projekt wieder.

Ausgerechnet einen der wichtigsten Hassadeure, Poullain, nun mit den heuchlerischen Worten zu zitieren "Das Ende der West LB war konsequent " spottet jedem seriösen Journalismus Hohn. Einer der Täter (Poullain) will sich so vom Desatser, für das er itverantwortlich ist, distanzieren.

Account gelöscht!

21.03.2012, 15:09 Uhr

@ FHegmanns

Wen meinen Sie? Rau, Schleußer, Neuber, Poullain, Steinbrück, Clemens oder die unzähligen Hassadeure, die weltweit von renomierten Tradern als Dummköpfe angesehen wurden? "Crazy silly Landesbanks" war ein geflügeltes Wort in NY. Die kauften jeden Schrott zusammen.

Für das, was über Jahrzehnte geleistet worden ist, wurden fürstliche Gehälter gezahlt - das sogar für erheblich mehr Monate als das Jahr hat. Spitzenzahlungen durch alle Gehaltsgruppen müssen "Schmerzensgeld" genug sein. Gezahlt per Saldo zum Großteil aus Staatsknete (Staatsverschuldung.) Für Mitleid im Einzelfall vielleicht, aber keinesfalls über alle Köpfe. Dafür gibt es keinen Grund. Wer seine bisherigen Gehälter wirklich "verdient" hat, wird wird einen neuen Job finden.

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