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12.02.2013

11:51 Uhr

Entlassungswelle bei Geldhäusern

Arbeitslose Banker gehören bald zum Alltag

VonThorsten Giersch

Barclays rüttelt die Bankenbranche auf: Das britische Institut streicht 3700 Stellen – viel mehr als erwartet. Doch es passt in den Trend: Immer mehr Banker müssen sich nach neuen Jobs umschauen – auch in Deutschland.

Finanzviertel Canary Wharf in London: Die Boom-Zeit für Banker ist vorbei. dapd

Finanzviertel Canary Wharf in London: Die Boom-Zeit für Banker ist vorbei.

DüsseldorfJahrelang war der Beruf des Bankers bei den besten Absolventen angesehener Universitäten der beliebteste Jobwunsch. Das hat sich dramatisch geändert. Selten ist ein Berufszweig so schnell so stark in der Beliebtheit gefallen – und das hat bei weitem nicht nur mit dem Image zu tun.

Stellenabbau im Investment-Banking

Royal Bank of Canada

Die Royal Bank of Canada ist eines der wenigen Geldhäuser, welches das Investment-Banking ausbaut. Die Zahl der Mitarbeiter steigt von Ende 2011 bis Jahresende 2012 um 0,7 Prozent.

Goldman Sachs

Die US-Großbank Goldman Sachs reduzierte 2012 die Zahl der Mitarbeiter im Investment-Banking um 2,7 Prozent.

JP Morgan

Die Wall-Street-Bank reduziert ihr Investment-Banking um 3,1 Prozent.

Credit Suisse

Die Schweizer Credit Suisse kappt die Zahl der Mitarbeiter im Investment-Banking um 4,3 Prozent.

Morgan Stanley

Die US-Bank Morgan Stanley streicht die Mitarbeiterzahl um 8,5 Prozent zusammen.

Deutsche Bank

Der deutsche Primus streicht das Investment-Banking radikal zusammen: Die Deutsche Bank kappt die Zahl der Mitarbeiter in diesem Bereich um 13,3 Prozent.

Quelle: Bloomberg, Ende 2012 im Vergleich zu Ende 2011

Weltweit haben allein in den vergangenen beiden Jahren die 30 größten Banken der Welt mehr als 160.000 Mitarbeiter entlassen. Ein Ende der Stellenstreichungen ist nicht abzusehen. Am stärksten von Entlassungen betroffen ist nach wie vor Europa. Das liegt vor allem an London. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der offenen Stellen in der City um mehr als ein Drittel eingebrochen, meldet der Personalberater Astbury Marsden.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Die Experten der Denkfabrik Centre for Economics and Business Research (CEBR) warnen in einer Studie, dass durch den Strukturwandel in der Branche 2013 noch einmal 13.000 Stellen verschwinden werden. Behält das CEBR recht, dann fällt die Zahl der Arbeitsplätze in der City mit 237.000 auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren.

Die heutigen Nachrichten sind ein Indiz, dass die schlimmsten Schätzungen womöglich noch übertroffen werden könnten: Barclays wird im laufenden Jahr mindestens 3700 Stellen abbauen. Das britische Finanzinstitut plant, 1800 Arbeitsplätze im Investmentbereich und 1900 im europäischen Privat- und Geschäftskundensegment zu streichen.

Im Zusammenhang mit dem Abbau rechnet die Bank mit Kosten in Höhe von etwa 500 Millionen Pfund im ersten Quartal. Die Kürzungen sollen dazu beitragen, die jährlichen Ausgaben um 1,7 Milliarden Pfund zu senken. Der Jobabbau an sich kam nicht überraschend – allerdings waren die Experten von rund 2000 Stellen ausgegangen, die wegfallen.

Auch die Royal Bank of Scotland (RBS) legt die Axt an: Die Investmentbank des Geldhauses soll massiv schrumpfen. Anfang des Jahres hatte die RBS den Abbau von rund 4000 Arbeitsplätzen angekündigt. Die Bank zog sich aus großen Teilen des Aktiengeschäfts und einigen anderen Bereichen zurück und verkaufte den traditionsreichen Broker Hoare Govett.

Kommentare (30)

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Account gelöscht!

12.02.2013, 12:05 Uhr

Man kann halt nicht die Banken verteufeln, regulieren und bluten lassen und dann glauben, das bliebe ohne Auswirkungen auf die Arbeitsplätze.

Der einzige der das glaubt sind unsere Planwirtschaftsbonzen im Zentralkomitee der EUdssr in Brüssel.

DEUFRA2011

12.02.2013, 12:17 Uhr

Jeder Einzelne wird wahrscheinlich seine Unschuld beteuern. Vielleicht konnte man von den Bankern bei der tollen Ausbildung und bei den Vergütungen aber etwas mehr Anstand verlangen. In den Boomjahren hätte man es sich doch leisten können einmal den Mund aufzumachen oder bestimmte Praktiken nicht mitzumachen. Aber Alle haben vor Geilheit auf den nächsten Boni den Gaul geritten bis er zusammenbrach. Die Arroganz und Selbstverständlichkeit mit der von dieser Branche dann auch noch Steurgelder zur Rettung in Anspruch genommen wurden das hat schon einen Hautgout hinterlasse. Wer wußte besser als diese Leute dass es nicht ewig gutgehen konnte? Viel Mitleid kann da irgendwie nicht aufkommen.

merlot-56

12.02.2013, 12:27 Uhr

Meit Mitleid hält sich in Grenzen.

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