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28.01.2006

18:14 Uhr

Erfolg der HSBC

Im beständigen Wandel

VonFelix Schönauer

Langeweile kann Vorteile bringen. Die britisch-chinesische Hongkong and Shanghai Bank Corporation, kurz HSBC, ist die drittgrößte Bank der Welt. Kreditinstitute dieser Größenordnung beliefern die Öffentlichkeit oftmals mit internen Machtkämpfen, fragwürdigen Deals und spektakulären Abwanderungen auf höchster Ebene. Nicht so HSBC. Es wirkt beinahe, als hätten sich die Manager dort dem seit Generationen geltenden Motto der Währungshüter der Bank von England verschrieben: Langeweile als Maßstab für erfolgreiche Geschäftspolitik.

Foto: dpa

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HB LONDON. Und Erfolge haben die Männer um Executive Chairman Sir John Bond in den vergangenen Jahren einfahren können: Die Bank ist in 77 Ländern vertreten, am stärksten in der Region Asien, Nord- und Südamerika. Sie fährt seit Jahren einen Rekordgewinn nach dem anderen ein, im jüngsten Halbjahr allein mehr als 10,5 Mrd. Dollar. HSBC gilt als eines der am besten kapitalisierten Kreditinstitute. Der an der Börse notierte Marktwert liegt mit fast 110 Mrd. Pfund (gut 160 Mrd. Euro) knapp 15 Prozent über dem Vorjahr – und erreicht beinahe die Sphären zu Boomzeiten vor fünf Jahren. Das Logo – ein rotweißes Hexagon, dessen Form der schottischen Fahne nachempfunden ist – gehört zu den wertvollsten Marken der Welt.

Die Bank besetzt vier strategische Geschäftsfelder. Hinter Personal Financial Services verbirgt sich das klassische Privatkundengeschäft. Der Sektor trägt nach der Übernahme des US-Konsumfinanzierers Household fast die Hälfte des Gewinns. Das Firmenkundengeschäft und Investment-Banking ist der nächste wichtige Bereich. Traditionell kommen hier die Gewinne zu weiten Teilen aus dem Handel und der Finanzierung. Hier und im klassischen Mittelstandsgeschäft (Commercial Banking) als nächster Säule profitiert HSBC von seinem weit verzweigten Kundennetz. Am stärksten wächst derzeit der kleinste Bereich, das Geschäft mit den wohlhabenden Privatkunden.

Zwar lässt sich so oder ähnlich auch das Geschäftsmodell bei vielen anderen Großbank beschreiben. Der einzigartige Vorteil für HSBC besteht jedoch in langjährigen Beziehungen in den einzelnen Regionen. Während andere nur davon reden, trifft dies bei HSBC zu.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1865 in Hongkong ist die Bank in den Ländern des asiatisch-pazifischen Raumes verwurzelt. Der schottische Gründervater Thomas Sutherland etablierte HSBC als lokale Bank für europäische Kaufleute. Schnell zeigte sich, wie groß der Finanzierungs-Bedarf für den Handel zwischen Indien, China und Europa ist. Filiale um Filiale eröffnete, und bis zum Ende des Jahrhunderts hatte sich die Bank zum bekanntesten Finanzinstitut in Asien entwickelt.

In einigen Ländern nahm HSBC über die Jahre Funktionen einer Zentralbank wahr. So druckte die Bank Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Geldnoten in Thailand. In Japan berieten HSBC-Manager die Regierung in Währungsfragen und in China legten das Institut die ersten Staatsanleihen auf.

Im zweiten Weltkrieg durchlief das Institut eine jahrelange Durststrecke. Die japanische Invasion quer durch Asien führte beinahe dazu, dass die Bank schließen musste. Nach dem Krieg nahm sie jedoch schnell die angestammte Rolle wieder ein. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitete sich der Geschäftsraum weiter aus, immer wieder kaufte HSBC zu. Als größte und bis dato wichtigste Akquisition nahm sie in den 80er Jahren die britische Marine Midland Bank ins Portfolio auf.

Seit der Gründung herrscht ein corpsähnlicher Geist unter den Spitzen-Managern (siehe „Vier Fragen an...“). Der strahlt auf das Image des gesamten Instituts ab. Misstöne dringen so gut wie nie nach außen. Regulierer äußern sich positiv über die Bank. Nachfolgen in der HSBC-Chefetage – wie im kommenden Mai von John Bond zu Stephen Green – wirken, als seien sie von langer Hand geplant.

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