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20.12.2012

13:59 Uhr

Ermittlungen

Auch Hong Kong nimmt die UBS ins Visier

Die UBS hat eine Milliardenstrafe wegen der Manipulation des Libor-Satzes gezahlt. Doch damit ist die Schweizer Großbank nicht überall auf der Welt aus dem Schneider. Auch in Hong Kong wird gegen das Institut ermittelt.

Die Finanzaufsicht von Hong Kong ermittelt gegen die UBS. Reuters

Die Finanzaufsicht von Hong Kong ermittelt gegen die UBS.

Hong KongNach den mit einer Milliardenstrafe abgeschlossenen Libor-Untersuchungen in den USA, Großbritannien und der Schweiz haben nun auch die Behörden in Hongkong die Schweizer Großbank UBS ins Visier genommen. Die Hong Kong Monetary Authority (HKMA) teilte am Donnerstag mit, sie gehe dem Verdacht nach, dass es bei UBS Fehlverhalten bei der Festlegung des Referenzzinssatzes Hibor (Hong Kong Interbank Offered Rate) und anderer in der Region bedeutsamen Referenzsätze gegeben habe. Entsprechende Hinweise seien ihr von ausländischen Aufsichtsbehörden übergeben worden.

Am Mittwoch hatte UBS zugegeben, dass Dutzende ihrer Mitarbeiter über Jahre an Manipulationen des Londoner Referenz-Zinssatzes Libor beteiligt waren. Die Bank akzeptierte eine Geldstrafe über insgesamt 1,4 Milliarden Franken, von denen ein großer Teil an die USA geht. Die Schweizer Bankenaufsicht FINMA zog Gewinne über 59 Millionen Franken ein.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Auch die Aufsichtsbehörden in Singapur gehen der Frage nach, wie Referenzzinssätze und Referenzwechselkurse in der Vergangenheit zustande kamen. Ein Sprecher der Monetary Authority of Singapur (MAS) sagte, die an der Festlegung der Sätze beteiligten Banken - darunter UBS - seien dabei, das eigenen Vorgehen zu überprüfen. Referenzsätze wie Libor kommen dadurch zustande, dass Banken einer zentralen Stelle melden, zu welchen Sätzen sie anderen Banken Geld leihen wollen.

Milliardenstrafe im Libor-Skandal: UBS zahlte sogar Schmiergelder

Milliardenstrafe im Libor-Skandal

UBS zahlte sogar Schmiergelder

Die Schweizer UBS muss für ihre Rolle im Libor-Skandal mit der zweithöchsten Geldstrafe der Banken-Geschichte büßen. Die Ermittlungsergebnisse zeichnen ein geradezu erschütterndes Bild vom Kontrollsystem des Instituts.

Die Untersuchungen gegen UBS zeigten, dass Händler die Sätze zu hoch oder zu tief angaben, je nachdem, wie es ihnen bei ihren Geschäften nützte. Als treibende Kraft bei UBS gilt ein Händler, der früher in Tokio für die Schweizer Bank arbeitete. Gegen den Mann, der in England lebt, wurde am Mittwoch in den USA ein Strafverfahren eröffnet.

Banken die in den Libor-Skandal verwickelt sind

16 Großbanken beteiligt

Die Affäre um Zinsmanipulationen durch Großbanken hat die Ermittler in Europa, Japan und den USA auf den Plan gerufen. Insgesamt werden derzeit mehr als ein Dutzend Institute durchleuchtet. Ihnen wird vorgeworfen, beim Libor-Zinssatz getrickst zu haben. Der einmal täglich in London ermittelte Libor zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen und dient damit als Referenz für billionenschwere Kreditgeschäfte mit Kunden rund um den Globus.

Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf das Jahr 2008, als sich die Finanzkrise zuspitzte. Damals trugen 16 Großbanken zur Festsetzung des Libor bei. Im Folgenden einige Informationen zu diesen Instituten (in alphabetischer Reihenfolge):

Bank of America

Das US-Institut ist von den Ermittlungen betroffen, wie die Nachrichtenagentur Reuters von einem Insider erfahren hatte. In ihrem Geschäftsbericht 2011 hat sich die Bank zur Sache aber nicht geäußert. Wegen Libor wurde die Bank vom Brokerhaus Charles Schwab verklagt.

Barclays

Die britische Großbank hat ein Fehlverhalten einiger Händler beim Libor eingeräumt und wurde zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Die Führungsspitze muss gehen. Ein Untersuchungsausschuss des Parlaments in London befasst sich mit der Aufklärung des Skandals und der Frage, wie viel die Aufseher von den Zinsmanipulationen wussten.

BTMU

Im Februar 2012 wurde bekannt, dass die Schweizer Behörden unter anderem gegen das japanische Geldhaus Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ wegen mutmaßlicher Zinsmanipulationen ermitteln. Die Bank machte dazu in ihrem Geschäftsbericht 2011 keinerlei Angaben. Zwei in London ansässige Händler wurden wegen Manipulationsvorwürfen beurlaubt - nach offiziellen Angaben hatte das aber nichts mit ihrer Arbeit bei BTMU zu tun.

Citigroup

Die US-Bank hat eingeräumt, dass Töchter von den Ermittlungen betroffen sind und ihre Kooperation bei der Aushändigung von Informationen angekündigt. In den USA ist die Bank auch von Libor-Klagen betroffen. In Japan wurde einigen Citi-Mitarbeitern auch die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Tibor vorgeworfen.

Credit Suisse

Die Schweizer Bank wird von den heimischen Behörden durchleuchtet. Sie werfen dem Institut als einem von insgesamt zwölf Häusern vor, Libor und Tibor manipuliert zu haben sowie damit zusammenhängende Derivate. Die Bank hat ihre Kooperation bei der Aufklärung der Vorwürfe zugesichert.

Deutsche Bank

Der deutsche Branchenprimus kooperiert mit den Ermittlern in den USA und Europa, die Untersuchungen drehen sich um den Zeitraum 2005 bis 2011. Wegen Libor gibt es in den USA bereits Klagen gegen das Geldhaus. In Deutschland hat die Bankenaufsicht Bafin Kreisen zufolge eine Sonderprüfung eingeleitet, die Ergebnisse stehen noch aus. Zwei Mitarbeiter hat das Geldhaus Finanzkreisen zufolge bereits suspendiert.

HBOS

Die inzwischen zu Lloyds gehörende Bank taucht ebenfalls in Klageschriften in den USA auf. Im Geschäftsbericht 2011 teilte HBOS mit, die Auswirkungen und das Ergebnis der Ermittlungen und Prozesse seien nicht abzuschätzen. Die Bank arbeite mit den Behörden zusammen.

HSBC

Die Bank hat erklärt, die Aufseher hätten sie um Informationen im Zusammenhang mit den Libor-Ermittlungen gebeten und man kooperiere. In den USA tauchte die HSBC auch in Klageschriften im Zusammenhang mit Libor auf. Im Geschäftsbericht 2011 hieß es, das Ergebnis der Ermittlungen und Prozesse sei nicht abzuschätzen.

JP Morgan

Die Bank hat erklärt, sie arbeite mit den Ermittlern zum Thema Libor, Euribor und Tibor zusammen, das betreffe vor allem die Zeiträume 2007 und 2008. Die Bank taucht auch als Beschuldigte in US-Klagen auf.

Lloyds

Auch Lloyds hat eine Zusammenarbeit mit den Ermittlern zugesagt und taucht in US-Klagen zu Libor auf. Im Geschäftsbericht 2011 erklärte die Bank wie die anderen Institute, der Ausgang der Ermittlungen sei offen.

Norinchuckin

Die japanische Bank hat die Libor-Ermittlungen in ihrem Geschäftsbericht 2011 nicht erwähnt. Im April 2011 war das Institut eines von zwölf, die vom Vermögensverwalter FTC Capital wegen mutmaßlicher Zinsmanipulationen verklagt worden waren.

Rabobank

Das niederländische Geldhaus, ebenfalls in einigen US-Klagen beschuldigt, arbeitet nach eigenem Bekunden mit den Ermittlern bei Libor zusammen. Die Bank hat erklärt, sie halte die Klagen für unbegründet und werde sich gegen die Vorwürfe entsprechend verteidigen.

RBC

Kanadas größte Bank machte in ihrem Geschäftsbericht 2011 keinerlei Angaben dazu, ob sie von Ermittlungen wegen mutmaßlichen Zinsmanipulationen betroffen ist.

Royal Bank of Scotland

Die britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) hatte erklärt, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. Mehreren Mitarbeitern wurde Fehlverhalten vorgeworfen. Das Institut zahlt eine Strafe in Höhe von 615 Millionen Dollar an britische und US-Behörden.

UBS

Die Schweizer Bank hoffte als Kronzeuge bei den Libor-Ermittlungen darauf, dass die Behörden etwa in den USA und der Schweiz Milde walten lassen. Doch die Strafe fiel hoch aus: 1,16 Milliarden Euro zahlt die Bank wegen des Libor-Skandals.

WestLB

Aus Finanzkreisen wurde bereits im März vergangenen Jahres bekannt, dass die WestLB zu den untersuchten Instituten zählt. In ihrem Geschäftsbericht 2011 ging die Bank auf die Libor-Ermittlungen nicht ein. Allerdings zog sich das Haus schon im Juli 2011 aus dem Kreise jener Banken zurück, die den Dollar-Libor festsetzen. Die Landesbank ist inzwischen aufgelöst und kam damit den EU-Auflagen nach.

Von

rtr

Kommentare (4)

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WortBildKuenstler

20.12.2012, 14:49 Uhr

Hallo Redaktion,
ich bin Wort-Bild-Künstler und habe u.a. zu dem Libor-Skandal ein Kunstwerk geschaffen im Format 90 x 10 cm. Auf eine Leinwand ist Klopapier aufgeklebt, das mit € 200 Scheinen bedruckt ist. Dann darauf verteilt die Logos der Banken, deren Beteiligung schon vor ca. 6 Monaten bekannt waren: Barclays, RBS, City, HSBC, DB und UBS. Titel "Shit Houses Papers". Falls Sie Bilder haben wollen, können Sie mich gerne anmailen,

Beste Grüße und guen Rutsch
Michael Feyer, Paderborn
05251 2842666
michaelfreyer3@t-online.de

Account gelöscht!

20.12.2012, 15:14 Uhr

Die Banken haben aus der Finanzkrise keine Lehren gezogen …
Was immer befürchtet wurde ist eingetroffen. Die Finanzbranche macht so weiter wie wenn nichts geschehen wäre. Was da global abläuft ist wie eine Sucht mit Computerspielen. Es wird mit fremdem Geld gedealt und gepokert. Die Systeme sind weg von der Realität. Das schlimme ist, dass diesen Aktivisten nichts geschieht. Es ist ihr Beruf der zum täglichen Business geworden ist. Deshalb hat Thomas Minder recht. Die Aktionäre müssen über wichtige Entscheide befinden können. Die Verwaltungsräte werden stets in den eigenen Reihen erkoren und an der GV sind diese Vorschläge nur eine Formsache. Deshalb müssen diese Seilschaften entflochten werden. Das Schweizervolk hat es in der Hand, im März 2013 mit der Abzockerinitiative Veränderungen herbei zu führen welche diese Machenschaften zukünftig erschweren. Auch die Gesetzte müssen für solche Delikte so angepasst werden, dass solche Akteure wie kriminelle hinter Schloss und Riegel kommen. Der Reputationsschaden welcher durch die Finanzbranche verursacht wurde betrifft uns alle. Die Schweiz ist zum sizilianischen Mafiagebiet geworden. Unser Ruf ist weltweit angeschlagen. Deshalb wird rings um uns mit den Fingern gezeigt und der politische sowie der wirtschaftliche Druck werden noch steigen. Die Leute von economiesuisse und avenir suisse sollten mal mit dem Besen in ihren eigenen Reihen sauber machen. So wird die freie Marktwirtschaft zum Selbstbedienungsladen für kriminelle.

Mazi

21.12.2012, 13:11 Uhr

Betrachtet man den LIBOR-Skandal, dann muss doch festgestellt werden, dass weder in den Banken noch außerhalb, also bei den Aufsichtsbehörden, tatsächlich Kontrollen durchgeführt werden.

Und dann versucht man solche Inkompetenz auch noch auf eine europäische Bankenaufsicht hochzuagregieren?

Diese Vorgänge erscheinen, einschließlich des Vertrages zum ESM äußerst suspekt, um nicht zu sagen höchst kriminell.

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