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21.11.2013

13:28 Uhr

Ermittlungen

FBI gegen Deutsche Bank

Ein Mitarbeiter der Deutschen Bank zieht die Aufmerksamkeit des FBI auf sich: Der Händler prahlte in einem Chat damit, dass er die Währungsmärkte beeinflussen könne. Für die Ermittler der Anlass für einen Hausbesuch.

Ungewöhnlicher Besuch bei der Deutschen Bank: Das Federal Bureau of Investigation kümmert sich nicht alle Tage um ein Kredit-Institut. dpa

Ungewöhnlicher Besuch bei der Deutschen Bank: Das Federal Bureau of Investigation kümmert sich nicht alle Tage um ein Kredit-Institut.

New York/ FrankfurtBei der Ausweitung der weltweiten Ermittlungen wegen mutmaßlicher Devisenmanipulationen ist ein Mitarbeiter der Deutschen Bank einem Zeitungsbericht zufolge ins Visier der US-Bundespolizei geraten. FBI-Agenten hätten einem New Yorker Devisenhändler des Instituts einen unangekündigten Besuch in dessen Haus abgestattet, schreibt das „Wall Street Journal“. Die Beamten konfrontierten den Mann demnach mit einem Protokoll aus einem Internet-Chat. In diesem soll er behauptet haben, dass er die Währungsmärkte beeinflussen könne. Die Deutsche Bank sieht darin ein Missverständnis. Aus dem Umfeld des Geldhauses hieß es, der Händler habe einen Witz gemacht.

Von

dpa

Kommentare (4)

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P17

21.11.2013, 14:30 Uhr

Natürlich kann ein einzelner Händler den riesigen Devisenmarkt beeinflußen - gibt es da etwa Zweifel?

Einen Markt mit zehntausenden von Teilnehmern, rund um die Uhr; einen Markt mit ungefähr 4,5 Billionen USD Tagesumsatz (4.500 Milliarden USD) !!

Also, so langsam erinnert mich das an die Hexenverfolgung im Mittelalter. Die Hexen hatten ja angeblich auch die Macht den Nachbarn, die Ernte, das Vieh und die Kinder zu verhexen. Leider endeten solche Vorwürfe für die bedauernswerten Frauen meist auf dem Scheiterhaufen. Was wiederum als Beweis anzusehen war, dass es mit ihrer Macht dann doch nicht so weit her war und sie niemals Hexen gewesen waren.

Eine gewisse Einflussname ist unter günstigen Bedingungen (z.B. umsatzarme Marktphasen) gelegentlich möglich bei Referenzkursen oder -sätzen, wie etwa die Libor oder die Referenzkurse für Währungen. Die Spielräume sind jedoch winzig klein; auch entsteht nicht jedem der seine Geschäfte nach diesen Kursen abgerechnet bekommt ein Schaden, die Gewinner und Verlierer, je nachdem ob Käufer oder Verkäufer, dürften sich vermutlich die Waage halten

X-Ray

22.11.2013, 08:20 Uhr

Ich stimme Ihnen zu, dass es wohl eher unwahrscheinlich ist, dass ein einzelner Händler tatsächlich den "riesigen" Devisenmarkt beeinflussen kann. Die ganzen Emails und Chats die im Zuge der diversen Ermittlungen zu Subprime, Libor und jetzt auch Devisen zu Tage kommen, zeigen aber deutlich eine Mentalität der Händler, die gar kein Unrechtsbewusstsein mehr kennen, wenn es um Fragen von Manipulation und letztendlich Betrug geht. Auch Ihre Argumentation geht ja letztendlich in die Richtung, dass ein kleines bisschen Einflussnahme ein Kavaliersdelikt ist. Dem ist aber nicht so. Selbst wenn die Spielräume für diesen Händler noch so klein sind, bleibt es Manipulation, die verfolgt gehört.

Banker_unverdaechtig

22.11.2013, 10:20 Uhr

Hallo X-Ray:
Der Händler hat ggf. nur eine dumme Bemerkung gemacht. Wahrscheinlich wollte er sogar das genaue Gegenteil ausdrücken - dass er eben gerade nicht den Devisenmarkt beeinflussen kann. Um das zu beurteilen, müsste man den kompletten Chat im Zusammenhang kennen.
Es ist ja auch noch nicht mal klar, von wann dieser Chat stammt.
Musste der Händler zu diesem Zeitpunkt schon wissen, dass auf Basis jeder aus dem Zusammenhang gerissenen (scherzhaften / lässigen) Bemerkung inzwischen Hexenjagden gestartet werden (gerade gegen Bankmitarbeiter)? Dann war er zumindest zu diesem Zeitpunkt eher dumm (aber sind wir das nicht alle mal?)
Oder stammt das noch aus einer Zeit, als noch nicht von einer Totalüberwachung auszugehen war, bei der jeder flapsige Kommentar in einem privaten Chat gegen einen verwendet wird?

Mal ganz ehrlich, wenn jeder über sich selbst nach denkt, dann hat fast jeder schon mal eine "blöde" Bemerkung gemacht (z.B. so schöne Bonmots wie "noch so'n Spruch - Kieferbruch", "dafür würde ich Dir am liebsten eine reinhauen"), die einem bei einer lückenlosen Überwachung durch Big Brother, wenn sie denn alle aus dem Zusammenhang gerissen und ernst genommen werden, eine "Untersuchung durch die Polizeibehörden" einbringen könnten.
Stellen Sie sich vor, sie sagen in einer Diskussion über Verkehrsregeln "Klar, ich fahre bei dichtem Nebel immer 200 mit eingeschalteter Nebelschlussleuchte" - um eben gerade zum Ausdruck zu bringen dass Sie nicht so doof sind - un am nächsten Tag steht die Verkehrspolizei vor Ihrer Tür um Sie zu Vernehmen (und damit Sie bis zur vollständigen Klärung keine Dummheiten mit dem Auto machen, nehmen sie vorsichtshalber erst mal Ihren Führerschein mit).
Das ist ungefähr die Situation, in der Bankmitarbeiter jeder Art (und natürlich speziell Händler an irgendwelchen Märkten) derzeit sind, wenn sie sich bei allem, was sie sagen, vorher nicht fünfmal überlegen (und ggf. zuerst die Rechtsabteilung fragen), ob ihnen jemand einen Strick draus dre

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