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30.01.2009

13:03 Uhr

Ermittlungen

Madoff-Partner unter Druck

VonRolf Benders und Anne Grüttner

Der Skandal um Star-Banker Berhard Madoff und sein betrügerisches Schneeballsystem zieht weitere Kreise. US-Behörden überprüfen nun auch die Vermittler der faulen Papiere. Die spanische Großbank Santander bietet ihren Kunden, die auf den Betrug reingefallen sind, nun offenbar Entschädigung an.

Berhard Madoff und die Folgen: Die Ermittlungen werden ausgeweitet. Foto: AP ap

Berhard Madoff und die Folgen: Die Ermittlungen werden ausgeweitet. Foto: AP

NEW YORK/MADRID. Die Untersuchungen und Klagen im Skandalfall Bernard Madoff weiten sich immer mehr auf Geschäftspartner und mögliche Mitwisser aus. Eine Gruppe chilenischer und venezolanischer Geschädigter des geständigen Wall-Street-Betrügers hat gestern die spanische Großbank Santander in den USA auf Schadenersatz verklagt, weil sie ihnen zu Investitionen in von Madoff geführte Fonds geraten hatte.

Dies könnte nur der Beginn einer riesigen Klagewelle gegen Kundenvermittler sein. Denn wie gestern bekannt wurde, verlangt die Finanzmarktaufsicht Finra detaillierte Informationen von den US-Brokern, die Madoff Investoren zugeführt haben. Sie müssen darüber Auskunft geben, was sie an Provisionen erhalten haben und ob sie das Geschäftsgebaren des Schwindlers ausreichend geprüft haben, um so ihre Kunden zu schützen. Die Finra beaufsichtigt 5 000 Finanzvermittler. Wie viele davon ein Schreiben erhalten haben, wollte die Behörde nicht preisgeben. Die Betroffenen müssen bis zum 6. Februar antworten. Experten rechnen damit, dass die Ermittlungsergebnisse zu ähnlichen Klagen wie gegen Santander führen werden.

Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" bietet Santander ihren geschädigten Privatkunden im Betrugsfall Madoff eine Entschädigung an. Die spanische Bank habe insgesamt 1,38 Mrd. Euro offeriert, hieß es unter Berufung auf ein Schreiben der Bank. Noch vor Wochen hatte das Institut etwaige Entschädigungen ausgeschlossen. Santander selbst äußerte sich nicht.

Ein Investor aus Texas hat gestern Klage gegen den Wirtschaftsprüfer von Madoff, Pricewaterhouse Coopers (PWC), eingereicht. An dem in der Klage gegen PWC genannten Standort des Konzerns im kanadischen Ontario war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Madoff hatte im Dezember gestanden, Kundengeld in Milliardenhöhe für eine angeblich sichere Anlage angenommen zu haben. Tatsächlich erhielten Bestandskunden die versprochene Rendite ihrer Investments aus den Einlagen neuer Madoff-Klienten. Als dieses Schnellballsystem im Dezember 2008 kollabierte, stellte sich Madoff den Behörden. Er gestand, seinen Kunden 50 Mrd. Dollar an Verlusten bereitet zu haben. Seither steht er in seinem Apartment an der noblen New Yorker Upper Eastside unter Arrest und wird von einem Wachdienst rund um die Uhr beaufsichtigt.

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