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12.01.2011

07:01 Uhr

Ernst & Young-Studie

Bankmanager sprühen vor Optimismus

VonPeter Köhler, Torsten Riecke

Anfang der Woche warnte der private Bankenverband BdB noch eindringlich vor milliardenschweren Belastungen durch neue Vorschriften für die Kreditwirtschaft. Doch eine aktuelle Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young gibt Entwarnung: Banken-Vorstände erwarten ein gutes Geschäft und nehmen die anstehende Regulierung gelassen.

Frankfurter Finanzviertel: Die Bankerzunft blickt voller Zuversicht in die Zukunft. Quelle: dpa

Frankfurter Finanzviertel: Die Bankerzunft blickt voller Zuversicht in die Zukunft.

FRANKFURT/ZÜRICH. Die befragten Führungskräfte von 120 Banken sehen die Lage entspannt. Die Zustimmung zur Regulierung sei "überraschend groß", heißt es in der Studie. Dabei handelt es sich vor allem um höhere Kapitalanforderungen und schärfere Vergütungsregeln. Jeweils 53 Prozent der Befragten sehen positive Auswirkungen für die Volkswirtschaft und sogar auch für das eigene Geschäft.

Überhaupt ist von Pessimismus derzeit wenig zu spüren. Fast jede vierte Bank berichtet über eine sehr positive Geschäftslage, weitere 75 Prozent äußern sich eher zufrieden. Und 93 Prozent der Institute erwarten eine positive Entwicklung in den kommenden sechs Monaten. Selbst die Turbulenzen in der Euro-Zone können die Bankmanager nicht schocken: Zwar erwartet jeder zweite Banker den Ausfall eines europäischen Staatsschuldners; nur jeder vierte befürchtet aber negative Konsequenzen für das eigene Institut.

Keine Angst vor Turbulenzen

"Die große Mehrheit der befragten Banken dürfte kaum oder keine Papiere der wackelnden Staaten halten und hat daher auch keine direkten Ausfälle zu befürchten", stellt Claus-Peter Wagner, Leiter des Bereichs Financial Services bei Ernst & Young, fest. Sollte es aber zur Zahlungsunfähigkeit eines Staats kommen, hätte dies "katastrophale Folgen", die alle Marktteilnehmer zu spüren bekämen, warnt Wagner. "Sollten massive Abschreibungen bei einigen großen Häusern nötig werden, würde dies zu erneuten Turbulenzen im gesamten Wertpapiermarkt führen."

Auch die Schweizer Banken blicken optimistisch in die Zukunft. Mehr als 90 Prozent der befragten 60 Institute beurteilen ihre Geschäftsaussichten in den kommenden sechs Monaten positiv oder "eher positiv". Deutlich skeptischer sehen die Eidgenossen die neuen Regulierungen für die Banken. Während in Deutschland eine Mehrheit die neuen Regeln als nützlich erachtet, sieht die Hälfte der Schweizer Institute keinen volkswirtschaftlichen Sinn in den Auflagen. "Die Schweizer Banken sind traditionell gut kapitalisiert und sorgen sich um die zusätzlichen Kosten", begründet Iqbal Khan, Leiter Banking und Capital Markets bei Ernst & Young, den Unterschied. Fast alle Institute in der Alpenrepublik rechnen damit, dass die Regulierungsdichte zunehmen wird.

Die Furcht vor einer Kostenlawine zeigt sich auch darin, dass die helvetischen Institute von der geplanten Abgeltungssteuer für Steuerausländer und den neuen Informationsanforderungen (Fatca) der US-Steuerbehörden einen höheren Aufwand erwarten als von der Umsetzung der neuen Kapitalvorschriften (Basel III). Die Banker gehen nicht davon aus, dass sie alle Kosten auf die Kunden abwälzen können, sondern befürchten, dass der Regulierungsaufwand die Gewinne und Ausschüttungen für die Aktionäre drücken wird. Interessant ist auch, dass die Schweizer Banken die Risiken einer plötzliche Zinserhöhung höher einschätzen als das Risiko von Kreditausfällen.

Diese Gelassenheit im Hinblick auf Kreditrisiken scheint zumindest im Hypothekengeschäft fehl am Platz zu sein. Räumen doch 58 Prozent der Befragten ein, dass die Banken derzeit vermehrt Hypothekendarlehen vergeben, die ihren eigenen Kreditstandards nicht genügen. Auf diese Schwachstelle hatte zuletzt die Schweizer Nationalbank hingewiesen und vor einer Immobilienblase in einigen Regionen wie Zürich oder Genf gewarnt. Mehr als die Hälfte der Institute teilt diese Befürchtung der Notenbanker. Eine Schweizer Besonderheit ist der hohe Konsolidierungsdruck. 2010 hatte es unter den Auslandsbanken eine Reihe von Übernahmen gegeben. 80 Prozent der befragten Banker rechnen damit, dass die Konsolidierungswelle anhält.

Auch im Lager der Analysten war am Dienstag eine positive Stimme zur zukünftigen Ertragslage der Deutschen Bank zu vernehmen. Barclays Capital rechnet mit positiven Effekten für das größte deutsche Geldhaus aus der Postbank-Übernahme. Der Abbau von Randbereichen bei der Postbank könne die Kapitalquoten erhöhen; gleichzeitig gewinne das Institut im Investment-Banking Marktanteile hinzu.

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