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16.04.2015

14:04 Uhr

Erste Abwicklungsanstalt

Bad Bank der WestLB hofft auf eine „schwarze Null“

Einst war die West LB eine der mächtigsten Landesbanken Deutschlands. Doch mittlerweile geht es nur noch um die Abwicklung. Die Bad Bank machte zuletzt Gewinn, doch das könnt sich schon bald wieder ändern.

Der Vorstand der Ersten Abwicklungsanstalt der WestLB, Matthias Wargers, ist für die Abwicklung der Bad Bank verantwortlich. dpa

Matthias Wargers

Der Vorstand der Ersten Abwicklungsanstalt der WestLB, Matthias Wargers, ist für die Abwicklung der Bad Bank verantwortlich.

DüsseldorfDer Bad Bank der ehemaligen WestLB drohen nach zuletzt drei Gewinnjahren wieder Verluste. „Es wird so sein, dass wir zwischenzeitlich auch Verluste machen - dafür haben wir aber Kapital mitbekommen“, sagte der Vorstandssprecher der Ersten Abwicklungsanstalt (EAA), Matthias Wargers, am Donnerstag in Düsseldorf.

Grund für mögliche rote Zahlen sei auch der Erfolg bei der Abwicklung der in der Finanzkrise gescheiterten WestLB. Denn mit dem Abbau der WestLB-Milliarden schrumpfen auch die Erträge - und die EAA darf bei einer stabilen Kostenbasis kein Neugeschäft machen. Wargers gab sich aber erneut optimistisch, das Erbe des einstigen Flaggschiffs der Landesbanken ohne neue Belastungen für den Steuerzahler abzuwickeln. Ziel sei weiter eine „schwarze Null“.

2014 hatte die EAA einen Gewinn von 62,5 (Vorjahr: 59) Millionen Euro eingefahren, Bankbuch und Handelsbestand konnten gleichzeitig reduziert werden. Die Bilanzsumme belief sich zum Jahresende auf 79,5 Milliarden Euro. Das Eigenkapital blieb konstant bei rund 600 Millionen - hier haben die Risiko-Portfolios aber Spuren hinterlassen. Denn die EAA war mit einem Eigenkapital von rund drei Milliarden Euro an den Start gegangen.

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Rund 400 Kunstwerke befinden sich im Besitz der ehemaligen WestLB, darunter eine Stradivari. Stargeiger Frank Peter Zimmermann, der das Instrument seit Jahren spielt, soll nun dafür zahlen. Der Preis sorgt für Zündstoff.

Im vergangenen Jahr hatte sich die EAA unter anderem von der Immobilienbank Westimmo getrennt, Käufer war nach langen Verhandlungen die Wiesbadener Aareal. Sie übernahm den kleineren Konkurrenten für rund 350 Millionen Euro. Die Transaktion wird erst im Mai abgeschlossen - und dürfte der EAA damit 2015 Rückenwind geben.

Die EAA war im Dezember 2009 eingerichtet worden, um Giftpapiere der WestLB - der heutigen Portigon - zu verwerten, etwa Risiko-Kredite oder problematische Staatsanleihen. Insgesamt übernahm die EAA Bestände im Volumen von rund 200 Milliarden Euro. Das Schrumpfen des WestLB-Erbes ist auch für den Abbau der deutschen Staatsschulden von Bedeutung - die Bilanzsumme der EAA fließt in den Schuldenstand der Bundesrepublik mit ein.

Mittelbar profitiere die EAA auch vom Öffnen der Geldschleusen durch die EZB und die niedrigen Zinsen beim Verkauf der WestLB-Papiere, sagte Wargers. „Jeder sucht Rendite“, sagte er: „Wenn ich mehr Rendite will, muss ich mehr ins Risiko.“ Risiken für EAA selbst bestehen aber auch durch Klagen von Kommunen gegen Zinsgeschäfte mit der ehemaligen WestLB. Sieben Fälle liegen bereits beim Bundesgerichtshof, insgesamt muss sich die EAA mit fast 70 Verfahren auseinandersetzen. Zudem steht die EAA auch mit einem Volumen von rund 70 Millionen Euro bei der österreichischen Hypo-Bad-Bank Heta im Feuer. Würden die Verbindlichkeiten nicht bedient, werde die EAA voraussichtlich klagen, kündigte Wargers an.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Von

rtr

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