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01.06.2015

17:37 Uhr

Erste Group und Co.

Österreichs Banken brauchen mehr Geld

Österreichs Banken brauchen mehr Kapital. Ein Risikopuffer soll künftige Krisen vermeiden und vorbeugen. Einem Insiderbericht zufolge beabsichtigt die Erste Group sich von faule Krediten in Milliardenhöhe zu trennen.

Regen- statt Rettungsschirm: Die österreichischen Banken sollen künftig selbst Risiken tragen. Reuters

Bank der Erste Group in Wien

Regen- statt Rettungsschirm: Die österreichischen Banken sollen künftig selbst Risiken tragen.

Wien/BudapestFür die stark in Osteuropa engagierten Großbanken aus Österreich gelten künftig strengere Kapitalvorschriften. Um für Krisen besser gerüstet zu sein, sollen die größten Institute mit einer Übergangszeit bis Mitte 2017 einen zusätzlichen Risikokapitalpuffer vorhalten. Das schlug ein dafür zuständiges Gremium aus Bankaufsehern, dem Finanzministerium und Schuldenberatern der Republik am Montag vor. Betroffen sind in erster Linie Erste Group, Raiffeisen Zentralbank, Raiffeisen Bank International und UniCredit Bank Austria: Sie benötigen in knapp zwei Jahren elf Prozent hartes Kernkapital statt bislang acht Prozent. Für kleinere Banken wie die Bawag, sowie die Raiffeisenlandesbanken in Oberösterreich und Niederösterreich gilt ein Puffer von einem Prozent.

Hintergrund für die strengeren Vorschriften ist unter anderem das große Engagement der Institute in Zentral- und Osteuropa. Österreichische Banken zählen dort zu den größten Kreditgebern. Bank Austria und Raiffeisen etwa sind mit Töchtern in der kriselnden Ukraine und in Russland vertreten. Mit den strengeren Vorschriften wollen die Behörden die Banken weniger anfällig für künftige Krisen machen.

Bislang galt für die größten österreichischen Institute eine Untergrenze von acht Prozent an hartem Kernkapital im Vergleich zu ihren Risikoaktiva. Ab Mitte 2016 steigt diese Mindestanforderung für die vier Großbanken nun auf zehn Prozent und ab Mitte 2017 auf elf Prozent.

Ob und in welchem Umfang sich die Banken nun zusätzliches Kapital beschaffen müssen, um die neuen Regeln zu erfüllen, ist noch nicht klar: Die Raiffeisen Zentralbank kam zuletzt auf eine harte Kernkapitalquote von 8,5 Prozent, ihre Osteuropatochter RBI auf 9,9 Prozent. Die RBI hat bereits einen massiven Schrumpfkurs angekündigt, um die harte Kernkapitalquote bis Ende 2017 auf zwölf Prozent zu steigern.

Die Erste Group brachte es zuletzt auf eine harte Kernkapitalquote von 10,2. Die Bank Austria erreichte ebenfalls 10,2 Prozent, wendet bei ihrer Berechnung allerdings die strengen Richtlinien nach Basel 3 nicht komplett an. Raiffeisen, Erste Group und UniCredit Bank Austria wollten sich zunächst nicht dazu äußern.

Die Vorschläge des Gremiums gehen nun an die Finanzmarktaufsicht, die einen formellen Bescheid über die neuen Regeln ausstellt. Neben den vier Großbanken kommt auf acht weitere Banken ein Risikopuffer von einem Prozent zu: die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien, Bawag, Hypo Niederösterreich, Hypo Vorarlberg, Hypo Tirol, die Landesbank Oberösterreich sowie die österreichische Tochter der russischen Sberbank.

Die Erste Group will sich Insidern zufolge in Rumänien von faulen Krediten in Milliardenhöhe trennen. Die rumänische Tochter BCR plant den Verkauf solcher Darlehen in Höhe von rund zwei Milliarden Euro, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Erste Group hat laut Aktionärsbericht zum ersten Quartal insgesamt über 2,1 Milliarden Euro an notleidenden Krediten in Rumänien ausständig. Im vergangenen Jahr hatte die österreichische Bank gruppenweit rund 1,1 Milliarden dieser Darlehen verkauft – einen großen Teil davon in Rumänien. Ende März lag der Anteil der notleidenden Kredite am Gesamtportfolio bei 8,1 Prozent. Das Institut erwarte für 2015 weiterhin einen Rückgang der Risikovorsorgen für faule Kredite um etwa die Hälfte auf eine bis 1,2 Milliarden Euro, sagte die Sprecherin.

Von

rtr

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