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30.01.2008

22:03 Uhr

Erster Verlust in der Unternehmensgeschichte

UBS versinkt im Subprime-Strudel

VonOliver Stock

Die US-Immobilienkrise hat den weltgrößten Vermögensverwalter UBS erstmals in seiner zehnjährigen Geschichte tief in die roten Zahlen getrieben. Der Reinverlust liege bei 4,4 Mrd. Franken (2,6 Mrd. Euro), teilte die größte Schweizer Bank in Zürich überraschend mit.

Das Logo der Schweizer Bank UBS. Foto: dpa

Das Logo der Schweizer Bank UBS. Foto: dpa

ZÜRICH. Allein im vierten Quartal haben sich die Verluste auf 12,5 Mrd. Franken aufgetürmt. 2006 hatte die Bank noch einen Reingewinn von 12,2 Mrd. Franken ausgewiesen. Endgültige Geschäftsergebnisse für 2007 legt die Bank am 14. Februar vor.

Insgesamt musste die UBS wegen der Schieflage auf dem US-Häusermarkt bislang 18,4 Mrd. Dollar (12,46 Mrd. Euro) abschreiben. Im Vergleich zu Mitte Dezember, als die Bank zum letzten Mal Angaben zum Subprime-Debakel gemacht hatte, sind damit noch einmal vier Mrd. Dollar dazugekommen. Das Schweizer Vorzeigeunternehmen ist damit in Europa das mit Abstand größte Opfer der Kreditkrise, die die Banken weltweit bisher 130 Mrd. Doller gekostet hat.

Die Hiobsbotschaft aus der Schweiz verschärft noch einmal die Vertrauenskrise an den Finanzmärkten. Bank-Aktien gaben gestern auf breiter Front nach. Die UBS -Aktie verlor in der Spitze fast vier Prozent, erholte sich später aber deutlich. Auch die französische Großbank BNP Paribas meldete gestern einen Gewinneinbruch. Der Überschuss sei im vergangenen Jahr um 42 Prozent auf eine Mrd. Euro gesunken, teilte das Institut mit. Die Belastungen aus der Immobilienkrise bezifferte die Bank allein im Schlussquartal auf 900 Mill. Euro. Zuvor hatten Spekulationen über Milliardenabschreibungen bei der japanischen Großbank Mizuho Financial auf die Stimmung gedrückt. Die Verluste aus Hypotheken-Geschäften könnten auf 1,9 Mrd. Euro ansteigen und das Geldhaus zu einer erneuten Gewinnwarnung zwingen, berichtete die Zeitung "Nikkei". Mizuho-Aktien verloren gestern 1,6 Prozent, BNP gab in der Spitze zwei Prozent nach.

Das Vertrauen in die Banken sei angekratzt, sagte die Vorstandssprecherin der staatseigenen KfW Bankengruppe, Ingrid Matthäus-Maier. Sie verlangte mehr Transparenz. "Nur wenn klar ist, welche Risiken sich bei wem, wann und wo befinden, kehrt das Vertrauen zurück", sagte Matthäus-Maier. Auch die KfW ist indirekt Opfer der Kreditkrise. Die Mittelstandsbank IKB, an der die KfW mit knapp 38 Prozent beteiligt ist, hatte sich mit Subprime-Produkten verspekuliert und musste mit Milliardenhilfen gerettet werden.

Dass die Banken aber tatsächlich reinen Tisch machen, daran zweifeln die Experten. Analysten erwarten, dass die UBS auch nach den jüngsten Abschreibungen noch Subprime-Verpflichtungen von 25 Mrd. Dollar in ihren Büchern hat. Die zusätzlichen Abschreibungen von vier Mrd. Dollar könnten nicht ausreichen, warnen Analysten der Citigroup.

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