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05.01.2004

06:01 Uhr

Banken

„Es gibt keine Kredite mehr“

Der Privatbankier Friedrich von Metzler zu den Versäumnissen der Großbanken, zum Börsengeschäft und zum Selbstverständnis der Branche.

Handelsblatt: Herr von Metzler, die Zahl der Privatbanken sinkt und sinkt. Zuletzt wurden Bethmann und Delbrück übernommen, beide von der niederländischen Finanzgruppe ABN Amro. Was ist das Geheimnis der Unabhängigkeit Ihres Hauses?

Metzler: Das Bankhaus Metzler gibt es nun seit 330 Jahren. Wir sind damit die älteste deutsche Privatbank im ununterbrochenen Familienbesitz. Und wir haben die Absicht, diese Unabhängigkeit zu behalten. Das haben wir in den letzten 30 Jahren vor allem deswegen geschafft, weil wir uns konsequent auf die Bereiche des Bankgeschäfts konzentriert haben, die wir besonders gut beherrschen, die zu unserer Struktur passen und für die das Bilanzvolumen nicht relevant ist.

Sie gelten als kleines deutsches Pendant der US-Investmentbank Morgan Stanley. Trifft dieser Vergleich zu?

Naja, die Richtung stimmt. Ich war ja selbst in den sechziger Jahren in London, Paris und New York. Im Ausland habe ich viele innovative Banksegmente und Kapitalmarktprodukte kennen gelernt, die es in Deutschland damals noch nicht gab. Das Bankhaus Metzler hat sich in den siebziger und achtziger Jahren auf das außerbilanzielle Geschäft beschränkt. Wir verzichten auf das traditionelle Kredit- und Einlagengeschäft, da die Streuung des Risikos nicht groß genug wäre und weil wir kein Filialnetz wie Großbanken und Sparkassen besitzen. Unsere Hauptgeschäftsfelder sind das Investment-Banking und die Vermögensverwaltung für besonders anspruchsvolle Privatkunden und institutionelle Investoren.

Andere Privatbanken wie Sal. Oppenheim haben auch kein Kreditgeschäft mehr. Die Großbanken fahren die Kreditvergabe seit einigen Jahren ebenfalls zurück. Der Mittelstand schlägt Alarm . . .

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