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14.03.2012

16:43 Uhr

„Es macht mich krank“

Insider rechnet mit Goldman Sachs ab

VonNils Rüdel, Rolf Benders

Es ist eine beispiellose Attacke: Ein scheidender Mitarbeiter von Goldman Sachs rechnet öffentlich mit den Praktiken der Investmentbank ab. Er beschreibt eine Kultur, in der Kunden rücksichtslos abgezockt werden.

Goldman Sachs sieht sich schweren Anschuldigungen ausgesetzt. Reuters

Goldman Sachs sieht sich schweren Anschuldigungen ausgesetzt.

New York/WashingtonDass Goldman Sachs spätestens seit der Finanzkrise ein Imageproblem hat, ist erst einmal nichts Neues. Die sagenumwobene Investmentbank sei raffgierig, so das Klischee, beeinflusse die Politik nach ihren Wünschen und erziele ihre Gewinne nicht selten auf Kosten der eigenen Kunden. „Eine Vampirkrake im Antlitz der Menschheit“, nannte der Journalist Matt Tiabbi das Institut in einem Aufsehen erregenden Artikel. Bislang kam solche Kritik stets von außen, von Regulierern, Kunden, Medien oder aus der Occupy-Bewegung.

Jetzt aber hat erstmals ein Insider öffentlich mit Goldman Sachs abgerechnet – und zwar mit maximaler Wucht. In einem Aufsatz für die „New York Times“ vom Mittwoch prangert ein hochrangiger Angestellter eine „giftige und zerstörerische“ Kultur an, die bei seinem Arbeitgeber herrsche. Es gehe nur noch darum, aus jedem Geschäft so viel Geld wie möglich herauszupressen, ohne Rücksicht auf die Interessen der Kunden, kritisiert Greg Smith, ehemals verantwortlich für das US-Derivategeschäft in Europa, Nahost und Afrika. Er habe deshalb nach zwölf Jahren seine Firma verlassen. Der Vorstand des Unternehmens wies die Vorwürfe in einer E-Mail an die Beschäftigten des Unternehmens zurück.

Goldman Sachs: Blankfein reagiert auf Kritiker

Goldman Sachs

Blankfein reagiert auf Kritiker

In einem in der „New York Times“ veröffentlichen Kündigungsschreiben hatte ein ehemaliger Derivateexperte der Investmentbank Goldman Sachs dem Unternehmen Abzocke vorgeworfen. Firmenchef Lloyd Blankfein hat reagiert.

„Es macht mich krank, wie kaltschnäuzig die Leute darüber sprechen, wie sie ihre Kunden abzocken“, hatte Smith geschrieben. Im vergangenen Jahr habe er es fünf Mal erlebt, dass Goldman-Mitarbeiter ihre Kunden in E-Mails „Muppets“ nannten. „Ich erlebe Meetings, in denen nicht eine einzige Minute lang danach gefragt wird, wie wir Kunden helfen können.“ Interessant sei lediglich, wie man an ihnen das meiste Geld verdienen könne. Schuld daran seien die falschen Anreize: Karriere mache bei Goldman, wer die meisten Schrottpapiere verkaufe – zu möglichst hohen Gewinnen.

US-Banken im Stresstest

Bank of America

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q3 2011)*: 8,7 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)*: 6,2 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)* - ohne Einberechnung geplanter Kapitalmaßnahmen nach Q1 2012: 5,7 Prozent

*Zu erreichender Zielwert unter Stress: >5 Prozent

Kumulierter erwarteter Gewinn/Verlust unter Stressseznario vor Steuern (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): -51,3 Milliarden Dollar

Erwartete Kreditverluste unter Stressszenario (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): 70,1 Milliarden Dollar

Citigroup

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q3 2011)*: 11,7 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)*: 4,9Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)* - ohne Einberechnung geplanter Kapitalmaßnahmen nach Q1 2012: 5,9 Prozent

*Zu erreichender Zielwert unter Stress: >5 Prozent

Kumulierter erwarteter Gewinn/Verlust unter Stressseznario vor Steuern (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): -50,3 Milliarden Dollar

Erwartete Kreditverluste unter Stressszenario (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): 67 Milliarden Dollar

Goldman Sachs

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q3 2011)*: 12,1 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)*: 7,2 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)* - ohne Einberechnung geplanter Kapitalmaßnahmen nach Q1 2012: 5,8 Prozent

*Zu erreichender Zielwert unter Stress: >5 Prozent

Kumulierter erwarteter Gewinn/Verlust unter Stressseznario vor Steuern (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): -21,5 Milliarden Dollar

Erwartete Kreditverluste unter Stressszenario (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): 0,3 Milliarden Dollar

JPMorgan

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q3 2011)*: 9,9 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)*: 5,9 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)* - ohne Einberechnung geplanter Kapitalmaßnahmen nach Q1 2012: 6,3 Prozent

*Zu erreichender Zielwert unter Stress: >5 Prozent

Kumulierter erwarteter Gewinn/Verlust unter Stressszenario vor Steuern (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): -22,9 Milliarden Dollar

Erwartete Kreditverluste unter Stressszenario (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): 55,8 Milliarden Dollar

MetLife

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q3 2011)*: 9,3 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)*: 6,3 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)* - ohne Einberechnung geplanter Kapitalmaßnahmen nach Q1 2012: 5,4 Prozent

*Zu erreichender Zielwert unter Stress: >5 Prozent

Kumulierter erwarteter Gewinn/Verlust unter Stressseznario vor Steuern (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): -10,8 Milliarden Dollar

Erwartete Kreditverluste unter Stressszenario (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): 0,9 Milliarden Dollar

Morgan Stanley

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q3 2011)*: 12 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)*: 7,6 Prozent

Harte Kapitalquote (Tier 1 Common Equity) (Q4 2013)* - ohne Einberechnung geplanter Kapitalmaßnahmen nach Q1 2012: 5,4 Prozent

*Zu erreichender Zielwert unter Stress: >5 Prozent

Kumulierter erwarteter Gewinn/Verlust unter Stressseznario vor Steuern (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): -22,5 Milliarden Dollar

Erwartete Kreditverluste unter Stressszenario (Q4 2011 bis Q4 2013 kumuliert): 0,7 Milliarden Dollar

Die Kritik passt zu den Vorwürfen, Goldman habe Kunden zweifelhafte Produkte als lohnende Investition verkauft und gleichzeitig auf den Wertverfall der Papiere gewettet. In diesem Zusammenhang wurden Manager der Bank vor einen Kongressausschuss zitiert, und es hagelte Klagen gegen die Firma. In einem Vergleich zahlte Goldman vor zwei Jahren mehr als eine halbe Milliarde Dollar.

Kommentare (1)

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B.Giertz

17.03.2012, 12:20 Uhr

Also bei allem Respekt vor dieser Courage.
Das sind doch nun wirklich keine neuen Erkenntnisse .....

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