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21.02.2012

22:15 Uhr

Essay-Sammlung

Banken auf der Suche nach Vertrauen

VonSimon Lewis

Das größte Problem der Finanzindustrie ist der zunehmende Vertrauensverlust. Zu dem Schluss kommt die jetzt herausgegebene Essay-Sammlung „Investing in Change“, die zugleich Lösungsansätze liefert.

Paul Tucker, Deputy Governor der Bank of England und FSB-Mitglied, sieht vor allem in puncto Systemrelevanz von Geldinstituten Handlungsbedarf dpa

Paul Tucker, Deputy Governor der Bank of England und FSB-Mitglied, sieht vor allem in puncto Systemrelevanz von Geldinstituten Handlungsbedarf

LondonFür einige prominente Politiker ist die Finanzwelt der Feind, der „erobert“ werden muss. Aus Brüssel und aus anderen Hauptstädten kommen immer neue Regulierungswellen, die der Finanzindustrie Schwierigkeiten bereiten, liquide zu bleiben. Berlin und Paris versuchen weiterhin, eine Transaktionssteuer einzuführen. Das sind Symptome für das Grundproblem, das die europäische Finanzindustrie und die Teilnehmer des Kapitalmarktes haben: der große und andauernde Vertrauensverlust.

Der Ruf aller Institutionen hat gelitten, seit die Krise 2008 ausbrach. Investmentbanken und Ratingagenturen waren betroffen, am meisten aber die Bankindustrie. Und es gibt Anzeichen dafür, dass es noch schlimmer wird.

Doch ein flüssiger Kapitalmarkt und ein gut funktionierendes Bankensystem sind das Herz jeder modernen Wirtschaft. Ohne Vertrauen in das Finanzsystem wird es schwierig werden, zurück zu mehr ökonomischer Zuversicht zu kommen und damit zu einem dauerhaften Aufschwung.

In den Essays dieses soeben erschienenen Buches, herausgegeben von der Afme (Association for Financial Markets in Europe), werden das Ausmaß des Problems und die Elemente einer Lösung behandelt. Das Fazit: Um das Vertrauen wieder herzustellen, müssen die politischen Entscheidungsträger ein stabiles und nachhaltiges neues Regelwerk etablieren. Die Banker wiederum müssen die fehlerhaften Aktionen von Regierungen und Management in der Vergangenheit zur Sprache bringen.

Dieser Prozess wird lange dauern, und obwohl seit 2008 schon signifikante Veränderungen stattgefunden haben, muss noch mehr kommen.

Beispiel Regulierungen: Paul Tucker, Deputy Governor der Bank of England und führendes Mitglied des FSB, schreibt, dass das Problem „too big to fail“ angegangen werden muss, das systemische Risiko, dass führende Banken in mehreren Ländern von den Steuerzahlern gerettet werden müssen.

Nach einer Zeit, in der Investmentbanken in der boomenden Wirtschaft eine äußerst prominente Rolle gespielt haben, ist es nun an der Zeit, dahin zurückzukehren, dass Banker nicht länger als „Meister des Universums“ gesehen werden, sondern als Diener der Realwirtschaft.

Investing in Change. The Reform of Europe's Financial Markets Profile, London 2012, 156 Seiten, 10 brit. Pfund

Kommentare (4)

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Wutbuerger

21.02.2012, 22:47 Uhr

Essays liest kaum niemand. Wie wäre es mit Gedichten? Lyrik, die jedes Frauenherz höher schlagen läßt?

"Vom Eise befreit sind CoBa und DePfa
durch des Draghis holden belebenden Blick
Im Hellas grünet Hoffnungsblick"

und sowas? Macht mal ran.

mono

22.02.2012, 00:46 Uhr

Es wird noch schlimmer kommen. Das Vertrauen kann nicht wieder hergestellt werden, weil die Inflation einsetzen wird. Die Bevölkerung wird leiden.
Die Politik hat mit Ihrer Fehlentscheidung "für die Banken" zu handeln, automatisch entschieden "gegen die Interessen der Bevölkerung" zu agieren.

Wachstum wird es nur noch nominell geben und die Preise für Energie und Rohstoffe werden sprunghaft steigen. Die heutigen "Höchstpreise" für Benzin werden die billigsten der nächsten 20 Jahre sein.

Wartturm

22.02.2012, 00:57 Uhr

Liebe Freunde, ich habe am 1. April 1966 eine Banklehre angefangen, erfolgreich abgeschlossen und das nur mit Volksschulbildung (8 Jahre). Damals hatte man uns eingebleut:"Ihr seid das Rückgrat der Gesellschaft! Ihr dürft keine Fehler machen! Seid euch eurer Verantwortung für die Gesellschaft bewusst! Ja, wir hatten verstanden und verstehen es auch heute noch. Aber die neue Generation der Banker heute hat es nicht verstanden. Sie haben sich gegenseitig betrogen und verarscht. Jetzt jammern sie, aber über ihre eigene Dummheit. Wenn es nicht so trautig wäre, müsste ich lachen. Und die Politiker sind zu dumm, um richtige Lösungen zu schaffen. Das Ganze wird den Bach runter gehen - müssen-. Wenn erst der Mob merkt wie übel ihm mitgespielt wurde, dann wird es wirklich übel. Geschichte wiederholt sich doch. Warum? Weil die Menschen dumm sind und faul. Denkt bitte mal an 1933. Ich habe ihn nicht gewählt.

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