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29.04.2013

08:09 Uhr

EU-Auflagen

Bank of Cyprus zwingt Sparern eigene Anteile auf

Eine umstrittene Auflage des EU-Rettungspakets für Zypern ist in die Tat umgesetzt: Die Bank of Cyprus hat Einlagen von Sparern in Anteile an dem Institut umgewandelt. Doch damit ist das Ende noch nicht erreicht.

Bank of Cyprus-Filiale in Nikosia: Wer dort über 100.000 Euro liegen hat, wird zur Kasse gebeten. ap

Bank of Cyprus-Filiale in Nikosia: Wer dort über 100.000 Euro liegen hat, wird zur Kasse gebeten.

NikosiaDie zyprische Geschäftsbank Bank of Cyprus hat Einlagen ihrer Sparer in Eigenkapital umgewandelt. Damit kommt das Institut einer Auflage der Europäischen Union nach. Die EU hatte ein milliardenschweres Hilfspaket aufgelegt, um den Bankrott des Inselstaats abzuwenden. Die Beteiligung der Sparer war einer der umstrittensten Bestandteile.

Wie das Finanzinstitut am Sonntag mitteilte, seien zunächst 37,5 Prozent der Sparguthaben über 100.000 Euro in Aktien umgewandelt worden. Damit sind die Kontoinhaber aber noch nicht vollständig aus dem Schneider. Denn weitere 22,5 Prozent der Guthaben hält die Bank weiter zurück, um sie möglicherweise auch in Anteile umzuwandeln.

Derzeit wird noch der Kapitalbedarf der Bank ermittelt, um die endgültige Beteiligungshöhe festzulegen. Die Ergebnisse sollen Ende Juni vorliegen. Auch auf die restlichen 30 Prozent über 100.000 Euro dürfen die Sparer noch nicht zugreifen, die Einlagen sind eingefroren.

Wie die Laiki-Bank abgewickelt wird

Einlagen eingefroren

Die Laiki Bank wird sofort abgewickelt – und zu Teilen der Bank of Cyprus zugeschlagen.. Einlagen über 100.000 Euro und Mittel aus Aktien und Anleihen werden dabei eingezogen. Nur die unversicherten Einlagen über 100.000 Euro werden eingefroren, bis eine Rekapitalisierung erreicht wurde.

Bad Bank

Laiki wird in eine "Bad Bank" und eine "Good Bank" aufgeteilt. Die "Bad Bank" wird langfristig abgewickelt. Die "Good Bank" wird Teil der Bank of Cyprus (BoC). Dabei werden neun Milliarden Euro an offenen Notkrediten bei der Zentralbank eingebracht.

EZB

Die EZB wird der BoC Liquidität bereitstellen.

Rekapitalisierung

Die Rekapitalisierung der BoC erfolgt durch eine Umwandlung der Einlagen über 100.000 Euro in Aktien. Dabei werden die bisherigen Aktionäre und Anleihen-Besitzer voll einbezogen.

Umwandlung

Die Umwandlung erfolgt in der Form, dass bis zum Ende des Programms eine Eigenkapitalquote von neun Prozent erreicht wird.

Versicherte Einlagen

Alle versicherten Einlagen in allen Banken genießen den vollen Schutz der entsprechenden EU-Richtlinien.

Hilfsgelder

Die Hilfsgelder von bis zu zehn Milliarden Euro werden nicht verwendet werden, um die Laiki Bank und die BoC zu rekapitalisieren.

Die zyprischen Banken hatten Milliarden von Euro in griechische Staatsanleihen investiert und waren durch den Schuldenschnitt des Landes heftig in Mitleidenschaft gezogen worden. Als Auflage der EU für die Rettung wird unter anderem die zyprische Laiki Bank abgewickelt.

Ein Sprecher der Bank wollte nicht sagen, welchen Umfang die bisherige Wandlung hat. Eine erste Tranche des Hilfspakets für Zypern soll im Mai fließen.

Eckpunkte des Zypern-Hilfspakets

Finanzbedarf

Hier gab es zuletzt Irritationen. Im Juni vergangenen Jahres hatte Zypern Hilfen von gut 17 Milliarden Euro beantragt. Nach langen Verhandlungen steht nun fest, dass die internationalen Geldgeber „nur“ bis zu zehn Milliarden Euro Hilfskredite bereitstellen werden bis zum ersten Quartal 2016. Bis zu neun Milliarden kommen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM, eine Milliarde will der Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Verfügung stellen.

Beitrag der Banken

Eigentümer und andere Gläubiger zyprischer Banken und deren Anleger mit Guthaben über 100.000 Euro werden zur Kasse gebeten. Die Laiki Bank wird abgewickelt, die Bank of Cyprus saniert. Allein über die Beteiligung ungesicherter Einlagen beider Banken sollen zur Rekapitalisierung schätzungsweise 8,3 Milliarden zusammenkommen. Der endgültige Betrag ist aber noch offen.

Weitere Einnahmen und Reformen

Die Unternehmens- und Zinsertragsteuer in Zypern steigen, Betriebe sollen privatisiert und Gold verkauft werden. Inländische Anleger sollen zu längeren Laufzeiten bei den von ihnen gehaltenen Staatsanleihen bewegt werden. Gefordert sind ferner auch eine Rentenreform, ein höheres Pensionsalter, Einschnitte beim Renteneintrittsalter und Kürzungen im Gesundheitssystem. Zypern soll zudem den Kampf gegen Geldwäsche verstärken.

Wirtschaftswachstum

Unterstellt wird, dass die zyprische Wirtschaft ab 2015 wieder mit positiven Wachstumsraten anzieht – nach einem Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt um 8,7 Prozent in diesem und 3,9 Prozent im nächsten Jahr.

Schuldenabbau und Etatsanierung

Der Schuldenstand wird nach fast 87 Prozent der Wirtschaftsleistung nach der Projektion bis zum Jahr 2015 auf den Spitzenwert von 126 Prozent klettern. Danach soll er sinken – auf 122 Prozent bis Ende 2016 und 2020 auf 104 Prozent.

Haftungsanpassung

Deutschland muss etwas mehr beim auslaufenden Rettungsfonds EFSF absichern. Zypern hatte beantragt, bei den Garantieleistungen für den EFSF entlastet zu werden. So ein „Stepping Out“ wurde auch anderen Ländern gewährt. Der deutsche Haftungsanteil erhöht sich damit von 29,07 auf 29,13 Prozent.

Portugal und Irland

Die Laufzeiten der Hilfskredite an beide Länder sollen um sieben Jahre verlängert werden. Das mindert Ansteckungsgefahren. Volumen und Auflagen ändern sich nicht.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

29.04.2013, 08:26 Uhr

Wie im Mittelalter, ich hoffe aber dass die Völker ebenso wie im Mittelalter dann bald Schwerter und Fackel zücken!!!

Account gelöscht!

29.04.2013, 08:33 Uhr

ein Unding...um es hanseatisch auszudrücken.Diese Entscheidung stellt aber auch m.E.n. die letztendliche Hilflosigkeit der EZB dar; da kommt noch was auf die Leute zu....

kraehendienst

29.04.2013, 09:19 Uhr

...ja, kaufmännisch-hanseatisch ala Buddenbrocks zu denken ja zu handeln, hilft dann auch nichts mehr. Eigentum ist eine Illusion.

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