Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.03.2014

12:38 Uhr

EU-Kommission

„Banken tun alles, um Gehaltsregeln zu umgehen“

„Wachsam bleiben“ will EU-Kommission Michel Barnier bei der Durchsetzung von Bonus-Begrenzungen für Banker. Die Institute wehren sich aber noch – mit allen Mitteln: Sie suchen stets neue Schlupflöcher.

Die Deutsche Bank will Medienberichten zufolge ihre Hauptversammlung im Mai um die Genehmigung für höhere Boni bitten. Reuters

Die Deutsche Bank will Medienberichten zufolge ihre Hauptversammlung im Mai um die Genehmigung für höhere Boni bitten.

BrüsselBanken und ihre bestbezahlten Mitarbeiter sollen sich nach dem Willen der EU-Kommission nur schwer um die Bonus-Begrenzungen für die Branche drücken können. „Einige Banken tun alles, um die Gehaltsregeln zu umgehen“, kritisierte EU-Finanzmarktkommissar Michel Barnier am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Standards in Brüssel. Die europäische Regulierungsbehörde EBA hatte festgelegt, für welche Banker die Vorschriften gelten, die EU muss die Regelungen nun noch bestätigen. „Die Kommission wird wachsam bleiben und sicherstellen, dass die neuen Regeln voll umgesetzt werden“, warnte Barnier.

Grundsätzlich dürfen leistungsabhängige Sonderzahlungen für Banker in Europa seit dem Jahresbeginn maximal so hoch sein wie das jährliche Grundgehalt. Nur wenn die Eigentümer des Instituts zustimmen, können sie doppelt so hoch ausfallen. Bisher liegen die Boni zum Teil beim Vier- oder Fünffachen des Grundgehalts. Vor allem britische Banken suchen derzeit nach Möglichkeiten, ihre Top-Investmentbanker trotzdem bei der Stange zu halten, etwa indem sie ihnen andere Vergünstigungen versprechen, die nicht unter die Bonus-Regeln fallen.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat bereits einen harten Kurs dagegen angekündigt. Sie will solche Schlupflöcher nicht zulassen. Während die Deutsche Bank Medienberichten zufolge die Hauptversammlung im Mai um die Genehmigung für höhere Boni bitten will, will die Commerzbank darauf verzichten.

Statistik der Finanzaufsicht: Über 200 Einkommensmillionäre bei deutschen Banken

Statistik der Finanzaufsicht

Über 200 Einkommensmillionäre bei deutschen Banken

Es ist eine Folge der Finanzkrise: Großbanken müssen ihre Einkommensmillionäre der europäischen Bankenaufsicht melden. Die Zahl der Großverdiener kletterte 2012. Die hohen Bonuszahlungen sind dabei ein Problem.

Die Bonus-Begrenzungen gelten für alle Verantwortlichen einer Bank, deren Entscheidungen erheblichen Einfluss auf die Risiken haben, die das Institut eingeht. Grundsätzlich gelten sie für alle Banker mit einem Jahresgehalt - einschließlich Boni - von mindestens 500.000 Euro im Jahr, für die 0,3 Prozent Top-Verdiener und für alle, die mindestens so viel verdienen wie ein Vorstand oder wie andere „Risikoträger“. Hält eine Bank einen Mitarbeiter, der diese finanziellen Kriterien erfüllt, trotzdem nicht für einen "Risikoträger", muss sie das gegenüber den Aufsichtsbehörden begründen - je höher das Gehalt, desto höher sind dafür die Hürden. Liegt das Gehalt über einer Million Euro, muss die Londoner EBA selbst darüber entscheiden.

Bis zu 12.000 Banker in Europa fallen derzeit unter diese Bestimmungen, die meisten davon in Großbritannien. In der EU verdienten 2012 nach EBA-Daten mehr als 3500 Banker über eine Million Euro, mehr als drei Viertel davon arbeiteten in London. In Deutschland sind es 211. Viele große deutsche Kreditinstitute haben ihre Investmentbanker - traditionell die Top-Verdiener unter ihren Mitarbeitern - in London angestellt. Großbritannien klagt vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen die Bonus-Obergrenzen.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

05.03.2014, 19:44 Uhr

"Banken und ihre bestbezahlten Mitarbeiter sollen sich nach dem Willen der EU-Kommission nur schwer um die Bonus-Begrenzungen für die Branche drücken können"

Gehgälter, Diäten und Pensionen der EU sollten ebenso auf den Prüfstand - brutto und netto!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×