Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.03.2017

13:21 Uhr

EU untersagt Börsenfusion

„Die Börse kann gut auf eigenen Beinen stehen“

VonMichael Brächer

Für Aktionäre ist die gescheiterte Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange eine schlechte Nachricht, sagt der Analyst Philipp Häßler von Equinet. Doch die Frankfurter Börse müsse die Zukunft nicht fürchten.

Die Pläne für eine Fusion mit London sind gescheitert. dpa

Hauptquartier der Deutschen Börse in Eschborn

Die Pläne für eine Fusion mit London sind gescheitert.

FrankfurtPhilipp Häßler hat schon einmal miterlebt, wie die Deutsche Börse mit einem Fusionsversuch gescheitert ist. Damals wollte der Handelsplatzbetreiber mit der New York Stock Exchange zusammengehen. Nun wiederholt sich die Geschichte: Auch der Zusammenschluss mit der London Stock Exchange ist gescheitert. Im Interview erklärt der Analyst der Frankfurter Investmentbank Equinet, was Börsenchef Kengeter falsch gemacht hat – und was er jetzt tun muss.

Herr Häßler, die Fusionspläne der Deutschen Börse stehen vor dem Aus. Was heißt das für Anleger?
Aus Aktionärssicht ist es bedauerlich, dass der Zusammenschluss nicht gelingt. Denn die Fusion hatte durchaus ihren Charme. Aktionäre hätten dabei vor allem von Skaleneffekten profitiert: Je mehr über eine Plattform gehandelt wird, desto höher sind die Gewinne. Aber die Deutsche Börse steht auch auf eigenen Beinen gut da, sie ist ein hochprofitables Unternehmen.

Trotzdem hat sich der Konzern einen Einstellungsstopp verordnet und will die Kosten senken. Ist das ein Alarmsignal?
Das glaube ich nicht. Es stimmt zwar, dass die Handelsumsätze in den ersten beiden Monaten etwas schwächer ausfielen. Das betrifft vor allem die Derivatesparte Eurex und den Kassamarkt. Aber ich vermute, dass der Konzern mit diesen Sparmaßnahmen in erster Linie auf die gescheiterten Fusionspläne reagiert. In der jetzigen Phase gilt es, die Aktionäre bei Laune zu halten.

Manche Anleger hoffen auf eine Sonderdividende als Trostpflaster dafür, dass es mit der Fusion nicht geklappt hat…
… und dafür gibt es einen Präzedenzfall: Als vor fünf Jahren die Fusion mit der New York Stock Exchange scheiterte, kündigte die Deutsche Börse eine Sonderdividende von einem Euro und ein Aktienrückkaufprogramm an. Mit einer solchen Maßnahme könnte man die Aktionäre gnädig stimmen.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Die Börse hat leidvolle Erfahrung mit geplatzten Fusionen gemacht.
Das kann man so sagen. Aber jetzt gilt es, den Blick nach vorne zu richten. Das Management muss die Kostendisziplin wahren und zugleich eine neue Wachstumsgeschichte erzählen.

Könnte sich der Konzern mit einer anderen europäischen Börse wie der französischen Euronext zusammentun?
Das dürfte schwierig werden. Der gescheiterte Anlauf mit London zeigt einmal mehr, dass grenzüberschreitende Zusammenschlüsse von Börsenbetreibern sehr schwierig sind, weil die Politik dabei stets mitzureden hat. Wahrscheinlich würden wir dann darüber diskutieren, ob das Hauptquartier in Frankfurt oder Paris liegen soll.

Welche Optionen bleiben Börsenchef Kengeter dann?
Ich denke, dass wir kleine und mittlere Übernahmen in Bereichen sehen werden, die bislang nicht unbedingt zum Kerngeschäft der Börse zählen.

Deutsche Börse und LSE: EU untersagt Börsenhochzeit

Deutsche Börse und LSE

EU untersagt Börsenhochzeit

Der geplante Zusammenschluss von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE) ist endgültig abgeblasen. Die EU-Kommission untersagte die gut 25 Milliarden Euro schwere Fusion.

Das klingt eher nach einer Politik der kleinen Schritte statt nach dem großen Wurf.
Stimmt, aber das muss ja nicht schlimm sein. Kurz nach dem Amtsantritt von Carsten Kengeter übernahm die Börse die Devisenplattform 360T und erschloss sich damit ein neues Geschäftsfeld. Vielleicht sehen wir weitere Übernahmen in dieser Größenordnung, etwa im Energiegeschäft oder im Marktdatenbereich.

Welches Zeugnis stellen Sie Herrn Kengeter aus?
Er hat bei dem Deal eine etwas unglückliche Figur gemacht, insbesondere hat er den politischen Aspekt einer solchen Transaktion unterschätzt. Aber bei aller Kritik kann man ihm auf jeden Fall zugutehalten, dass er frischen Wind in den Konzern gebracht hat.

Herr Häßler, wir danken für das Gespräch.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Marc Hofmann

29.03.2017, 14:03 Uhr

Die Börse ist nur so gut, so gut die Volkswirtschaft ist auf deren Basis diese Börse aufgebaut ist...Deutschland wird in Zukunft CO2 frei, mit illegalen Einwanderer überschwemmt, mit Gendergaga statt Bildung und mit einen Währungs-EURO System in dem zum Schluss der Deutsche Steuerzahler (über die Target II Salden), den schönen Exportprofit der Deutschen Unternehmen zu bezahlen hat.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×