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05.11.2013

16:06 Uhr

Euribor-Manipulation

Deutscher Bank droht dreistellige Millionenstrafe

Einem Bericht zufolge verhängt die EU-Kommission wegen Zinssatz-Manipulationen Millionenstrafen gegen die Deutsche Bank und fünf weitere Großbanken. Allerdings sind die Frankfurter auf derlei Fälle vorbereitet.

Schwerer Rückschlag

„Kaum Skandale, wo die Deutsche Bank nicht involviert ist“

Schwerer Rückschlag : „Kaum Skandale, wo die Deutsche Bank nicht involviert ist“

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Brüssel/FrankfurtDie EU-Kommission wird Insidern zufolge gegen sechs Banken millionenschwere Strafen wegen Manipulationen bei der Berechnung des Euribor-Zinssatzes verhängen. Neben der Deutschen Bank seien die Royal Bank of Scotland, JP Morgan sowie Credit Agricole, Societe Generale und HSBC betroffen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Dienstag. Barclays hingegen werde nicht bestraft, da das Geldhaus die EU-Ermittler auf den Fall aufmerksam gemacht habe. Erste Entscheidungen würden im Dezember erwartet. Die Deutsche Bank wollte sich zunächst nicht dazu äußern.

Die Geldhäuser dürften sich wohl auf Strafzahlungen im mittleren dreistelligen Millionenbereich einstellen. Deutschlands größte Bank hat allerdings erst jüngst bei der Veröffentlichung der Unternehmensergebnisse für das dritte Quartal angekündigt, mehr als eine Milliarde Euro als Rückstellung für Zahlungen aus juristischen Auseinandersetzungen zurückzustellen.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Die Deutsche Bank vertiefte unlängst ihre internen Untersuchungen in der Affäre um manipulierte Zinssätze. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf Finanzkreise berichtete, wurden rund 50 Mitarbeiter des größten deutschen Geldhauses zu Gesprächen eingeladen. Die Deutsche Bank wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. In Finanzkreisen hieß es, man wolle sicherstellen, dass man möglichst alles erfasst habe.

Seit Monaten untersucht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (früher Ernst & Young) E-Mails und elektronische Chats innerhalb des Instituts, um mögliche Unregelmäßigkeiten aufzudecken. Dem Bericht zufolge geht die Ausweitung der Untersuchung auf die Ergebnisse der Prüfung zurück. Das Institut hat sich im Zuge des Skandals von sieben Mitarbeitern getrennt.

Weltweit gehen Aufsichtsbehörden dem Verdacht nach, dass Händler von gut einem Dutzend Banken Referenzzinsen wie den Libor oder den Euribor manipuliert haben. Bislang verhängten die Aufseher gegen die Banken Barclays, Royal Bank of Scotland (RBS) und UBS Geldstrafen von zusammen gut 2,5 Milliarden Dollar.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

05.11.2013, 16:31 Uhr

Wissen Sie, was ich glaube..?
Ich glaube, dass die Gauner-Strafen eine kleine Untermenge der Gauner-Gewinne sind - eine Art Zahlung aus der Porto-Kasse..!

Gesetze_nicht_fuer_mich

05.11.2013, 17:00 Uhr

Der wirkliche Skandal ist, dass all diese Banken nicht ihre Lizenz verlieren, sondern munter weiter machen duerfen. DIES ist ungeheuerlich. Unternehmen sind wohl eine Rechtspersoenlichkeit mit rechtlosen Eigenschaften - dies ist der wahre Skandal. Aber wenn man weiter denkt - Lobbys und deren Gehilfen..

Account gelöscht!

05.11.2013, 17:09 Uhr

und ich frage mich für was die Mitarbeiter von all diesen Aufsichtsbehörden in der ganzen Welt jahrelang bezaht wurden

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