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24.05.2017

15:47 Uhr

Euro-Zone

EZB lenkt Blick auf Schuldenrisiken

Die EZB sieht in den Schulden mancher Euro-Staaten ein Risiko, das sich wieder vergrößert habe. Dennoch erhole sich der Wirtschaftsraum. Die Schuldentragfähigkeit einzelner Länder könnte aber leiden.

Die Notenbank weist auf die Gefahr hin, dass es zu starken Kursbewegungen am Anleihemarkt kommen könnte. dpa

EZB-Gebäude in Frankfurt

Die Notenbank weist auf die Gefahr hin, dass es zu starken Kursbewegungen am Anleihemarkt kommen könnte.

FrankfurtDie EZB blickt mit mehr Sorge auf die Schuldenberge einzelner Euro-Länder. In den vergangenen sechs Monaten habe die Gefahr zugenommen, dass dieses Thema wieder verstärkt in den Fokus der Märkte rücken könnten, erklärte die Euro-Notenbank in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Bericht zur Finanzstabilität.

Zwar habe sich der Währungsraum wirtschaftlich weiter erholt. Andauernde politische Unsicherheiten könnten aber das Wachstum dämpfen und zu höheren Risikoprämien führen. „Das würde die Finanzierungskosten erhöhen und könnte Sorgen um die Schuldentragfähigkeit in einigen Ländern auslösen“, warnte die Europäische Zentralbank (EZB). Konkrete Staaten nannte sie nicht.

In ihrem Bericht betonen die Euro-Wächter insbesondere die Gefahr starker Kursbewegungen am Markt für Staatsanleihen, die weiterhin erheblich sei. Nach der Präsidentenwahl in Frankreich hätten dort die Rendite-Unterschiede aber wieder etwas abgenommen. Auch seien die derzeitigen Risiken nicht mit denen zum Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise vergleichbar.

Im Jahr 2012 waren die Risikoaufschläge der Anleihen Spaniens, Portugals und Italiens kräftig nach oben geschossen – zeitweise drohte sogar ein Auseinanderbrechen Euro-Zone. Aktuell macht Volkswirten vor allem Italien Sorge. Dessen hohe Staatsverschuldung von rund 133 Prozent der Wirtschaftsleistung wird im Währungsgebiet momentan nur noch von Griechenland übertroffen. An der Börse wirft zur Zeit die zehnjährige Bundesanleihe eine Rendite von 0,39 Prozent ab. Im Falle Spaniens liegt der Wert derzeit bei 1,57 Prozent, im Falle Italiens bei 2,1 Prozent.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Generell haben sich allerdings laut EZB in den vergangenen sechs Monaten die Stressfaktoren für das Finanzsystem der Euro-Zone nicht erhöht. Der Druck der Finanzmärkte auf die Banken im Währungsraum habe sogar abgenommen, die Börsenkurse der Geldhäuser seien deutlich gestiegen. Trotzdem bleiben nach Einschätzung der Währungshüter die Institute anfällig, da unter anderem das Niedrigzinsumfeld auf die Gewinne drücke.

In puncto Gewinne sei im vierten Quartal 2016 womöglich der Tiefpunkt erreicht worden, sagte EZB-Vize Vitor Constancio am Mittwoch in Frankfurt. Er erwarte, dass die Ertragskraft der Institute im laufenden Jahr zunehme. Der EZB-Vizepräsident äußerte sich auch zur Entwicklung der Immobilienmärkte im Währungsraum. Eine generelle Überhitzung sei hier zwar nicht abzusehen. Es gebe aber Bereiche, in denen die Preise nach oben schießen – insbesondere in großen Städten. Dies solle genau beobachtet werden. Die Bundesbank hatte unlängst vor dem Entstehen einer gefährlichen Immobilienblase in Deutschland gewarnt. In den Großstädten seien die Preise für Immobilien seit 2010 zum Teil um mehr als 60 Prozent gestiegen.

Dagegen birgt nach Ansicht der EZB-Experten der geplante Ausstieg Großbritanniens aus der EU keine große Gefahr für die Finanzstabilität. „Der Brexit-Prozess selbst stellt gegenwärtig keine der Hauptbefürchtungen für die Finanzstabilität der Euro-Zone dar“, konstatieren die Fachleute. Die EZB veröffentlicht einmal im Halbjahr einen Bericht, in dem sie das Finanzsystem im Währungsraum auf Schwachstellen und mögliche Gefahren hin abklopft.

Von

rtr

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