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12.04.2006

12:40 Uhr

Euronext und Deutsche Börse

Pariser Finanzwelt stemmt sich gegen Börsenfusion

VonHolger Alich und Rolf Benders

Das Werben von Börsenchef Reto Francioni um die französisch dominierte Vierländerbörse Euronext trifft am Finanzplatz Paris auf wenig Gegenliebe. Unerwartet deutlich weisen die Franzosen die Bedingungen für eine Fusion, darunter der Verbleib des Managementsitzes in Frankfurt, zurück.

PARIS / FRANKFURT. "Wir sind nicht gegen eine Fusion von Euronext und Deutscher Börse, aber die notwendigen Bedingungen sind dafür nicht erfüllt, wir sind weit davon entfernt", sagte Gerard Mestrallet, Chef des Versorgers Suez und Präsident der französischen Finanzplatz-Lobby Europlace der Zeitung "Les Echos".

Er betonte, dass die Vertreter des Finanzplatzes Paris einer Fusion nur ihren Segen geben würden, wenn das Geschäftsmodell von Euronext gewahrt bliebe. "Das Modell funktioniert. Dank der Schaffung von Euronext sind die Kosten um 30 Prozent gesunken", sagte der Europlace-Präsident.

Während die Euronext sich weitgehend auf den Handel beschränkt, hat die Deutsche Börse auch die Abrechnungs- und Abwicklungsfunktionen integriert. Mestrallet wehrt sich gegen die von Frankfurt geforderte Beibehaltung dieses Prinzips. Eine Fusion mit der Deutschen Börse setze "eine Reform des deutschen Modells" voraus, sagte er. Die Vertreter des Finanzplatzes Paris beharrten auf einer offenen Plattform mit Wettbewerb bei der Wertpapierabwicklung. Das heißt, bei einer möglichen Fusion von Euronext und Deutscher Börse soll die Börsen-Tochter Clearstream außen vor bleiben. Ferner will Mestrallet nichts von einer Konzentration der Marktaktivitäten an einem Standort wissen.

Mit diesen Bedingungen stehen die Vertreter des Finanzplatzes Paris in direktem Widerspruch zu den Konditionen, zu denen die Deutsche Börse über eine Fusion reden will. Gegenüber dem Handelsblatt hatte Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni bekräftigt, dass er den Abwickler Clearstream nicht herauslösen will. Und er beharrt auf Frankfurt als neuem Konzernsitz.

Euronext-Chef Jean-Fran ois Theodore steht unter dem Druck von Hedge-Fonds im Aktionärskreis wie TCI und Atticus, schnell eine Fusion mit der Deutschen Börse einzufädeln, da sie millionenschwere Synergien verspricht. Um den Fonds etwas entgegenzusetzen, haben einige Europlace-Mitglieder ihre Euronext-Anteile gebündelt. Gemeinsam halten sie knapp fünf Prozent. Zu den Mitgliedern dieses Kunden-Aktionärsblocks zählen unter anderem Suez, Air Liquide, Schneider Electric und France Telecom.

Auch Frankreichs Banken arbeiten daran, ihre Euronext-Anteile in einen Verbund einzubringen. "Davon hört man seit Wochen, aber bis heute habe ich keine konkreten Berichte, dass dieser Verbund wirklich steht", sagt ein französischer Banker genervt. Sollten die Banken ihre Anteile auch in einen Verbund einbringen, so käme der Block des Finanzplatzes Paris auf einen Anteil an Euronext von rund zehn Prozent. Allein TCI und Atticus kommen jedoch gemeinsam auf 18 Prozent der Stimmen.

Bei der Hauptversammlung am 23. Mai will das Euronext-Management gegenüber seinen Aktionären eine Empfehlung für ein Fusionsprojekt aussprechen. Es ist kein Geheimnis, dass die Vertreter des Finanzplatzes Paris einen Zusammenschluss mit der LSE lieber sähen, da die Londoner Börse leichter in das Modell der Euronext zu integrieren wäre. Einige Firmen, etwa der Glaskonzern Saint-Gobain warnen nach Informationen der Zeitung "La Tribune" aber auch davor. Sie fürchten eine Verlagerung des Handels und eine Entwertung des Standortes Paris.

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