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15.07.2011

12:07 Uhr

Europäische Banken

Nach dem Stresstest ist vor dem Stresstest

VonTill Hoppe

Wie robust sind Europas Banken? Am frühen Abend stellen die Behörden die Ergebnisse des Stresstests vor - das große Zittern beginnt dann aber erst. Von Till Hoppe.

Bankentürme in der Londoner City. Quelle: dpa

Bankentürme in der Londoner City.

DüsseldorfDer Zeitplan ist minutiös geregelt: Um punkt 18 Uhr stellt die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) die Ergebnisse des Stresstests vor, zunächst nur als Zusammenfassung. Gleichzeitig können die 91 überprüften Kreditinstitute selbst mit ihren Ergebnissen an die Öffentlichkeit gehen. Zwischen 18.01 Uhr und 18.29 Uhr haben dann die nationalen Notenbanken Zeit, die detaillierten Resultate ihrer Institute vorzustellen, bevor um 18.30 Uhr wiederum die EBA sämtliche Daten veröffentlicht.

Die Behörden wollen nichts dem Zufall überlassen, schließlich hat der Härtetest für Europas Banken vor allem ein Ziel: die hochnervösen Finanzmärkte zu beruhigen. Diese fürchten, dass zur Krise der Schuldenstaaten auch noch eine Bankenkrise kommen könnte, denn viele Kreditinstitute haben den Wackelkandidaten der Euro-Zone Milliarden geliehen. Sollten die Regierungen für Griechenland einen Schuldenschnitt beschließen, wie er zurzeit diskutiert wird, würden ihre Bilanzen wahrscheinlich stark belastet. Richtig kritisch würde die Lage aber wohl erst, wenn sich in der Folge die Märkte von großen Ländern wie Italien oder Spanien abwenden würden.

Es steht also viel auf dem Spiel, wenn die Bankenaufseher die Ergebnisse des Stresstest präsentieren. Auch der Zeitpunkt ist mit Bedacht gewählt: Die Börsen in Europa bleiben dann bis Montagmorgen geschlossen, die Investoren haben also zunächst keine Gelegenheit zu hektischen Aktienverkäufen, die einzelne Institute in Schwierigkeiten bringen könnten.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Stresstest

Was ist das Ziel des Stresstests?

Der Härtetest soll Schwächen in der europäischen Bankenlandschaft aufdecken und zugleich dabei helfen, diese zu beheben. Durch die verbesserte Transparenz sollen zugleich die Finanzmärkte beruhigt werden, die häufig nur spekulieren können, welche Bank welche Risiken in ihren Büchern hat.

Wer nimmt am Stresstest teil?

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) testet seit März insgesamt 91 große Finanzinstitute aus der gesamten Europäischen Union. Laut der Behörde stehen diese für 65 Prozent des gesamten verwalteten Vermögens in der EU. Deutschland ist mit 13 Instituten vertreten, darunter die großen Privatbanken und die acht Landesbanken.

Was müssen die Banken für den Test aushalten?

Die Aufseher prüfen, welche Folgen eine Reihe von externen Schocks auf die Bilanzen der Banken hätte. Dazu zählt etwa ein Schrumpfen der Wirtschaft in der Euro-Zone um vier Prozent, ein Rückgang der Aktienkurse um 15 Prozent sowie fallende Immobilienpreise.

Wird eine mögliche Staatspleite berücksichtigt?

Nein. Die Aufseher prüfen zwar, wie sich die gesunkenen Kurse der Anleihen von Griechenland oder Portugal auf die Institute auswirken. Sie gehen aber nicht so weit, einen Zahlungsausfall durchzuspielen. Dies wurde offenbar auf der Druck der Regierungen unterlassen, die fürchten, damit ein falsches Signal an die Märkte zu senden.

Wann fällt ein Institut durch den Stresstest durch?

Als Durchfaller zählen Banken, die in dem Härtetest unter die Kapitalschwelle von fünf Prozent rutschen. Dabei zählt das Kernkapital (Tier 1), über dessen Definition es aber viel Streit zwischen EBA und Instituten gab.

Was passiert, wenn eine Bank durchfällt?

Wer den Test nicht besteht, muss sich neues Kapital beschaffen. Bis Ende September müssen sie ihre entsprechenden Pläne den Regulierern präsentieren, bis Ende des Jahres muss das zusätzliche Kapital dann eingesammelt sein. Gelingt ihnen das nicht, sollen die Regierungen einspringen.

Ist der Stresstest glaubwürdig?

Ja und nein. Einerseits hat die EBA die Bedingungen im Vergleich zum ersten Stresstest vor einem Jahr deutlich verschärft, der als viel zu lasch kritisiert worden war. Andererseits wurde die Hauptsorge der Märkte, die Folgen der Schuldenkrise in Europa, nur sehr eingeschränkt berücksichtigt. Deshalb musste die Aufsichtsbehörde erneut viel Kritik einstecken.

Ob all die Vorkehrungen die Banken tatsächlich vor weiteren Unruhen an den Märkten schützen, ist aber dennoch fraglich. Es geht dabei gar nicht so sehr um die Institute, die den Test nicht bestehen - vieles deutet darauf hin, dass es sich dabei vor allem um die üblichen Verdächtigen handeln wird: Mehrere spanische Sparkassen wird es wohl treffen, die schon beim ersten Stresstest im Sommer 2010 schlecht abschnitten, auch Banken aus Griechenland und Irland gelten als mögliche Durchfaller. Die krisengeplagten deutschen Landesbanken werden dagegen wohl die Anforderungen erfüllen, wahrscheinlich mit Ausnahme der Helaba, die sich deswegen heftig mit den Aufsehern zoffte.

Kommentare (2)

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Predominant_Core_Capital

15.07.2011, 13:25 Uhr

Die EBA hat sich doch mit der Helaba-Nummer als völlig inkompetent herausgestellt, wahrscheinlich sitzen da lauter Uniabsolventen die zum ersten mal was von stillen Einlagen gehört haben. Einen Parallelstreit zur Anerkennung von stillen Einlagen und auch Genossenschaftsguthaben (bei VR-Banken) gab es ja auch lange in der inernetionalen Rechnungslegung nach IFRS. Auch hier wollten die anglamerikanisch dominierten Standardsetter lange nicht den Eigenkapitlcharakter anerkennen, was letztendlich aber dann doch geschah. Anscheinend ist die EBA noch nicht auf aktullem Stand oder aber sie fährt wieder eine Attacke auf das deutsche Banknsystem a´la Nelly Kroes.

Account gelöscht!

15.07.2011, 14:11 Uhr

come on hb.die ergebnisse schwirren doch schon seit tagen im netz rum. oder habt ihr eine sperrfrist???

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