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12.08.2015

14:24 Uhr

Europas Banken

Geldhäuser polstern ihr Kapital auf

Europas Banken setzen zunehmend auf dicke Kapitalpolster: Bankenaufseher in Skandinavien und Großbritannien bestehen heute auf hohe Kernkapitalquoten. Auch die Anleger freut's: Sie hoffen so wieder auf höhere Dividenden.

Die Europäische Zentralbank, die die größten 120 Banken in der Euro-Zone beaufsichtigt, hat damit begonnen, jedem Institut ein individuelles Kapitalpolster vorzuschreiben. dpa

Frankfurter Bankenlandschaft

Die Europäische Zentralbank, die die größten 120 Banken in der Euro-Zone beaufsichtigt, hat damit begonnen, jedem Institut ein individuelles Kapitalpolster vorzuschreiben.

LondonSo ändern sich die Zeiten: Vor der Finanzkrise scheuten Europas Banken und ihre Anleger eine dicke Kapitaldecke aus Angst um ihre Renditen wie der Teufel das Weihwasser. Heute kann sie offenbar nicht dick genug sein – denn nur dann dürfen die auf Magerkost gesetzten Aktionäre auf absehbare Zeit wieder auf höhere Dividenden hoffen.

Das zweite Quartal macht ihnen Hoffnung: Die 24 größten Banken in Europa haben ihre harten Kernkapitalquoten im ersten Halbjahr nach Reuters-Berechnungen im Schnitt um fast einen halben Prozentpunkt gesteigert – mehr als in den sechs Monaten vorher und mehr als ihnen Analysten zugetraut hatten.

Die größten Verwalter privater Vermögen

Der Markt für Vermögensverwalter

Der Markt für Verwalter privater Vermögen hat ein Volumen von 20,6 Billionen Dollar.
Die zehn größten Vermögensverwalter beherrschen davon 47 Prozent. Allein die UBS kommt auf einen Marktanteil von 9,9 Prozent.

In diesem Ranking nicht berücksichtigt: Vermögensverwalter, die sich nicht auf vermögende Privatkunden fokussieren, wie Blackrock.

Quelle: Scorpio Partnership

Die dynamischsten Vermögensverwalter

Das schnellste Wachstum unter den Vermögensverwaltern legte die BMO Financial Group aus Kanada hin. Durch Übernahmen wuchs das verwaltete Vermögen um 80 Prozent auf 326,4 Milliarden Dollar.

Unter den Top 10 Vermögensverwaltern wuchs JPMorgan Chase & Co. am schnellsten. Die Amerikanier steigerten das verwaltete Vermögen um 19 Prozent auf 428 Milliarden Euro.

Platz 10

Goldman Sachs, USA
Verwaltetes Vermögen: 363 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 10 Prozent

Platz 9

HSBC, Großbritannien
Verwaltetes Vermögen: 365 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 4,5 Prozent

Platz 8

BNP Paribas, Frankreich
Verwaltetes Vermögen: 371 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 6,2 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 6,3 Prozent

Platz 7

J.P.Morgan Chase & Co., USA
Verwaltetes Vermögen: 428 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 18,6 Prozent

Platz 6

Citi Bank, USA
Verwaltetes Vermögen: 551 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr: Keine Angaben, da die Bank ihre Berechnungsgrundlagen geändert hat.

Platz 5

Royal Bank of Canada, Kanada
Verwaltetes Vermögen: 704 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 4,6 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 13,8 Prozent

Platz 4

Credit Suisse, Schweiz
Verwaltetes Vermögen: 884 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 0,5 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 10,6 Prozent

Platz 3

Bank of America Merill Lynch
Verwaltetes Vermögen: 1,98 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 6,3 Prozent

Platz 2

Morgan Stanley, USA
Verwaltetes Vermögen: 2,03 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 6,1 Prozent

Platz 1

UBS, Schweiz
Verwaltetes Vermögen: 2,04 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 3,5 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 15 Prozent

Quelle: Scorpio Partnership

Goldgeränderte Kapitalpolster reichten inzwischen nicht mehr, sie müssten schon platin-gerändert sein, witzelt Matthew Beesley, der das Europa-Aktiengeschäft des Vermögensverwalters Henderson leitet. Früher empfahlen die Aufseher eine Erhöhung des Kapitals, und die Aktionäre gaben gnädig ihren Segen.

„Heute bestehen die Aufseher darauf, und die Aktionäre sind begeistert“, sagt Beesley. Galt eine harte Kernkapitalquote von zehn Prozent noch vor einem Jahr als ausreichend, dürfen es heute schon elf bis zwölf Prozent sein, wenn es nach Bankern und Analysten geht.

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Den Bankenaufsehern in Skandinavien und Großbritannien ist das noch lange nicht genug. Die schwedische Nordea etwa liegt mit 16 Prozent weit über den Quoten ihrer ausländischen Rivalen – doch sie macht sich Sorgen, dass das nicht ausreichen könnte, wenn die schwedischen Aufseher einen kritischeren Blick auf die Gewichtung der Bilanzrisiken würfen. Der Nordea-Rivale Swedbank hat das schon erlebt: Er kommt auf 22,4 Prozent – das klingt nach viel, doch die Vorgabe der Behörden liegt bei 19,6 Prozent. Und das könnte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Auch die Europäische Zentralbank, die die größten 120 Banken in der Euro-Zone beaufsichtigt, hat damit begonnen, jedem Institut ein individuelles Kapitalpolster vorzuschreiben. Und die Finanzchefs zittern vor dem Schlagwort „Basel IV“, der nächsten Reform des Regelwerks für die Branche, das ihre Freiheiten bei der Berechnung des Eigenkapitals weiter einschränken könnte.

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