Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.05.2016

15:40 Uhr

Europas Bankerin des Jahres

Diese Frau nahm Spaniens Top-Bankern den Chauffeur weg

VonSandra Louven

Ana Botín, Chefin der spanischen Banco Santander, greift hart durch. Sie streicht Stellen, schließt Filialen und senkt Kosten. Jetzt ist sie als beste Bankerin Europas ausgezeichnet worden.

Sie gilt als eine der weltweit einflussreichsten Frauen der Finanzbranche. Reuters

Anna Botin, Chefin der spanischen Banco Santander

Sie gilt als eine der weltweit einflussreichsten Frauen der Finanzbranche.

MadridAna Botín steht noch keine zwei Jahre an der Spitze der Santander-Bank, da haben internationale Wirtschafts- und Finanzjournalisten ihr bereits die Auszeichnung „European Banker of the Year 2015“ verliehen.

„Die Banco Santander zeigt unter Frau Botíns Führung, dass trotz des aktuellen Umfelds eine große Bank erfolgreich sein kann, auch wenn sie überwiegend auf das Retail-Geschäft ausgerichtet ist“, hieß es in der Begründung der Jury, die dem Handelsblatt vorab vorliegt. Im Vorjahr hatte Axel Weber, Chef der Schweizer Großbank UBS, die Auszeichnung erhalten.

Botín, die Santander seit September 2014 leitet, gilt als eine der weltweit einflussreichsten Frauen der Finanzbranche. Ihre Herkunft hat ihr den Eintritt in die männerdominierte Branche wohl erleichtert. Denn Botín stammt aus einer Familie, die schon in der vierten Generation die Banco Santander leitet.

Stellenabbau-Pläne europäischer Großbanken

Barclays

Derzeit: 132.300 Mitarbeiter

Abgebaut werden: 19.000 Stellen bis 2016

Bei Barclays waren zunächst 30.000 Stellen im Gespräch, die wurden jedoch nicht bestätigt. Der Plan sieht vor 19.000 Stellen bis 2016 zu streichen.

Credit Suisse

Derzeit: 140.000 Stellen

Abgebaut werden: 19.000 Stellen

Deutsche Bank

Derzeit: 103.000 (nach geplanter Festeinstellung externer Kräften)

Abgebaut werden: 26.000 Stellen (ein Großteil durch Verkauf der Postbank)

HSBC

Derzeit: 259.834 Mitarbeiter

Abgebaut werden: 50.000 Stellen bis 2017

Standard Chartered

Derzeit: 84.000 Mitarbeiter

abgebaut werden: 15.000 Stellen

Unicredit

Derzeit: 146.600 Mitarbeiter

Abgebaut werden: 18.200 Stellen, 6.000 davon durch die Abspaltung der Fondsgesellschaft Pioneer und den Verkauf der Ukraine-Tochter

Doch die 55-Jährige hat innerhalb kurzer Zeit bereits bewiesen, dass sie ungeachtet ihrer Herkunft eine gute Besetzung ist. Nachdem ihr Vater und bis dato Santander-Chef Emilio Botín im September 2014 plötzlich an einem Herzanfall gestorben war, übernahm sie das Amt und verordnete der Bank knapp ein Jahr später eine neue Strategie.

Die ist den veränderten Zeiten nach der Finanzkrise geschuldet, in denen die Banken mit Nullzinsen und strengen Regulierungsauflagen klar kommen müssen. Während ihr Vater Emilio Botín die Bank durch weltweite Zukäufe von der fünftgrößten Bank Spaniens zur nach Marktkapitalisierung größten Bank der Eurozone machte, setzt seine Tochter nun verstärkt auf organisches Wachstum und die Verbesserung der Kerneigenschaften der Bank.

Botín strich ein Drittel der organisatorischen Einheiten, kürzte die Dividende von 60 auf 20 Cent und erhöhte das Kapital um 7,5 Milliarden Euro. Damit beruhigte sie Kritiker, die sich daran stören, dass die Kernkapitalquote von Santander deutlich niedriger ist als die der Rest der Branche.

Kern ihrer neuen Strategie ist, den Kunden stärker als bisher in den Mittelpunkt zu rücken. Santander hat sich stets vom riskanten Investmentbanking fern gehalten und erzielt zwei Drittel des Gewinns mit Privatkunden. Botín will die bestehenden 117 Millionen Kunden zu „loyalen Kunden“ machen, die nicht nur ein Produkt kaufen, sondern ihr Hauptkonto bei Santander haben.

„Wir waren eine Bank der Produkte“, sagte Botín kürzlich in einem Interview mit der spanischen Tageszeitung El País. „Jetzt will ich, dass wir eine wirkliche Bank der Kunden werden.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×