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02.05.2012

20:25 Uhr

Ex-Bankier Hauck

„Das Derivatewesen ist ein Krebsgeschwür“

VonRobert Landgraf

ExklusivDer Bankier Michael Hauck kritisiert den Derivatehandel im Interview scharf. Der ehemalige Gesellschafter der Bank Hauck & Aufhäuser rät der Finanzaufsicht, dieses „Krebsgeschwür“ im Auge zu behalten.

Derivate-Händler auf dem Parkett. APN

Derivate-Händler auf dem Parkett.

FrankfurtDie Probleme des Euro seien nur schwer zu reparieren. Zwar hätten die Politiker die Schwierigkeiten erkannt und versuchten nun, wirtschaftliches Fehlverhalten einzelner Mitgliedsstaaten zu sanktionieren, sagt Michael Hauck, einer der großen Frankfurter Bankiers dem Handelsblatt. „Ob Strafen das richtige Mittel sind, möchte ich allerdings bezweifeln“, urteilt der ehemalige persönlich haftende Gesellschafter des Bankhauses Hauck & Aufhäuser.

Er glaubt nicht, dass das im Fall Griechenlands funktionieren kann. Trotzdem ist der 85-Jährige ein Freund des Euro. Er plädiert allerdings dafür, einzelnen Mitgliedsstaaten den Austritt aus dem Währungsverbund zu ermöglichen, falls das nötig sei. „Den betroffenen Volkswirtschaften würde es leichter fallen, sich über eine Wechselkursanpassung selbst zu helfen und wieder wettbewerbsfähig zu werden“, sagt Hauck. Im engen Korsett des Euro sei das schwerlich möglich. Die D-Mark wünscht sich der Bankier alter Schule trotz allem nicht zurück.

Von dem Boom bei Derivaten hält Hauck nicht viel: „Das Derivatewesen ist - überspitzt gesagt - wie ein Krebsgeschwür, das wuchert.“ Den Finanzaufsehern rät er, genauer hinzuschauen. Der Derviatemarkt sei ein Faszinosum, bei dem nicht erkennbar sei, warum die Banken so hohe Margen kassierten. Vermutlich wüssten die meisten Anleger nicht , was sie kauften.

„Offensichtlich haben die Investoren während der Finanzkrise noch nicht genug Geld damit verloren. Denn wenn sie es hätten, würden sie die Finger von diesen Papieren lassen“, betont Hauck. Derivate, darunter Zertifikate, seien aber so gefragt wie eh und je.

 

Kommentare (12)

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fondsberater

02.05.2012, 20:45 Uhr

ach ja - endlich verstanden? Ich glaube nicht! Moderne Fonds und sehr gute Portfoliomanager ziehen ihre Performance aus long und short und schaffen einen Mehrwert für den Anleger. Darauf und nur darauf kommt es an. Wer da nicht mithalten kann, ist von gestern.

smarty_32

02.05.2012, 20:51 Uhr

"Derivate" was für ein nobel klingender Name für ein Finanzprodukt. Im Grunde ist es schlimmer als ein verbracuhter Klostein, ohne Nutzen ohne wertscvhöpfung, ohne Nachhaltigkeit. Es ist ein schockgefrorener Gierfaktor für eine Wettsumme X um X*X% zu erhalten. Man muss nur Dumme in diesem pervertiertem Hüttchenspielertrick-System finden.
Die BAFIN sollte sich auflösen und den letzten Funken Restmoral damit zeigen, solche Machenschaften zu tolerieren ist einfach widerlich! Die gesamte fianzwirtschaft ist in Wahrheit das Geschwür und frisst den gesunden Körper Schritt für Schritt auf bis dieser zusammenbricht! Aber wehe wenn der Körper fällt, er reisst alle mit letzer Kraft und mit letztem Atemzug mit runter und begräbt unter seinem Kadaver die Finanzparasiten.

Tacheles

02.05.2012, 21:23 Uhr

Wir brauchen die Banken. Sie erfüllen eine wichtige Funktion in unserer Volkswirtschaft. "Wetten dass - Produkte" gehören jedoch in das Repertoir von Spielbanken, die wir in unserer Volkswirtschaft nicht brauchen, sondern allenfalls tolerieren können. Was wir auf keinen Fall brauchen und auch nicht tolerieren sollten, ist eine Vermischung aus Banken und Spielbanken, wo mit (sicheren) Spareinlagen der Kunden Spielbank gespielt und darauf vertraut wird, notfalls vom Steuerzahler gerettet zu werden. Eine klare Trennung von Banken und Investmentbanken ist daher mehr als überfällig. Danach könnte sich das BAFIN auf die Banken konzentrieren und die Zocker dem freien Spiel der Spielbanken überlasssen.

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