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12.12.2011

13:56 Uhr

Ex-BayernLB-Vorstand

Anwälte wollen Gribkowsky-Prozess aussetzen

Im Prozess gegen den Ex-Bankvorstand Gerhard Gribkowsky fordern die Anwälte eine Aussetzung des Verfahrens. Den Verteidigern zufolge haben es die Richter zu eilig - das gefährde die Aufklärung und schade dem Angeklagten.

Der wegen Bestechlichkeit und Untreue angeklagte Ex-Vorstand der BayernLB, Gerhard Gribkowsky (r.), unterhält sich am Montag im Landgericht München mit seinem Anwalt Dirk Petri. dapd

Der wegen Bestechlichkeit und Untreue angeklagte Ex-Vorstand der BayernLB, Gerhard Gribkowsky (r.), unterhält sich am Montag im Landgericht München mit seinem Anwalt Dirk Petri.

MünchenIm Prozess um dubiose Millionenzahlungen beim Verkauf der Formel 1 haben die Verteidiger des angeklagten Ex-Bankvorstandes Gerhard Gribkowsky dem Gericht schwere Vorwürfe gemacht und eine Aussetzung des Verfahrens beantragt. Weil der Angeklagte schon seit fast einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, drückten die Richter zu sehr aufs Tempo und befassten sich nicht gründlich mit der Aufklärung der Vorwürfe, sagte Rechtsanwalt Rainer Brüssow am Montag vor dem Landgericht München. Er sprach von einem „Diktat des Beschleunigungsgebots“. Das Beschleunigungsgebot ergibt sich aus dem Grundgesetz und verpflichtet die Justiz, eine unnötig lange Untersuchungshaft zu vermeiden.

Für Gribkowsky ist der Prozess nach Worten seines Anwalts mit dem hohen Verhandlungstakt von zwei bis drei Tagen pro Woche eine enorme Belastung, die ihn an seine körperlichen und psychischen Grenzen bringt. Regelmäßig müsse er an den Verhandlungstagen stundenlang in den „Katakomben“ des Justizgebäudes ausharren. Die Verteidiger forderten erneut die Freilassung des Angeklagten. „Beenden Sie die Untersuchungshaft von Dr. Gribkowsky“, appellierte Brüssow an die Richter. Sein Verteidigerkollege Daniel Amelung hatte zuvor bereits eine elektronische Fußfessel vorgeschlagen, um Gribkowsky zu Hause zu überwachen. Das Gericht wollte noch am Nachmittag über den Antrag entscheiden.

Der frühere BayernLB-Vorstand Gribkowsky muss sich seit Ende Oktober wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung verantworten, weil er 2006 von Formel 1-Chef Bernie Ecclestone 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld angenommen haben soll. Ecclestone wollte Gribkowsky damit nach Ansicht der Anklage dazu bringen, die Anteile der BayernLB an der Formel 1 an seinen Wunschinvestor CVC durchsetzen, der ihn auf dem Chefposten der Rennserie lassen würde.

In der vergangenen Woche hatte der Vorsitzende Richter Peter Noll darauf hingewiesen, dass für den Prozess auch das Verhalten Gribkowskys beim Umgang mit einem Formel 1-Kredit von Bedeutung sein könnte, der nicht Gegenstand der Anklage ist. Die Anwälte äußerten nach diesem Hinweis die Sorge, dass etliche der bisher gehörten Zeugen erneut befragt werden müssen und sich der Prozess weiter verzögert. Bislang sind in dem Mammutverfahren bereits Termine bis Ende Februar festgelegt und Dutzende Zeugen geladen worden.

Die Anklage geht davon aus, dass Gribkowsky das Geld, das er von Ecclestone erhalten hat, mit einer Stiftungskonstruktion in Österreich verschleiert hat. Offizieller Geschäftszweck der Sonnenschein-Stiftung war die Unterstützung von Familien mit krebskranken Kindern. Mit diesem Ziel vor Augen sei die Stiftung an den Start gegangen, sagte ein ehemaliges Vorstandsmitglied am Montag als Zeuge aus. Jährlich sollte rund 200 Familien mit jeweils 6000 Euro geholfen werden. Woher das Geld der Stiftung stammte, habe er nicht in Frage gestellt. „Ich kannte Gerhard als wohlhabenden Menschen und daher habe ich mir darüber nicht viele Gedanken gemacht.“

Tatsächlich hat die Stiftung laut Anklage nur einmal eine Zahlung in Höhe von 1400 Euro an eine Familie geleistet. Unterstützt hat sie nach Darstellung des Zeugen aber den Arbeitgeber von Gribkowskys Sohn: Als das Stuttgarter Restaurant, in dem dieser eine Ausbildung als Koch machte, in finanzielle Schwierigkeiten geriet, half die Stiftung mit einem Darlehen aus.

Von

dpa

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