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29.08.2013

17:57 Uhr

Ex-Dresdner-Bank-Chef

Walter hält Commerzbank für attraktives Übernahmeziel

ExklusivHerbert Walter war Vorstandschef der Dresdner Bank, als diese von der Commerzbank übernommen wurde. Jetzt hält der Manager die Commerzbank selbst für ein Übernahmeziel. Südeuropäische Banken könnten Interesse haben.

Herbert Walter (l.) am 1. September 2008 mit Commerzbank-Chef Martin Blessing: „Der große Einlagenpool der Commerzbank ist sicher attraktiv“. dpa

Herbert Walter (l.) am 1. September 2008 mit Commerzbank-Chef Martin Blessing: „Der große Einlagenpool der Commerzbank ist sicher attraktiv“.

FrankfurtDie Commerzbank wäre nach Ansicht des ehemaligen Dresdner-Bank-Chefs Herbert Walter für viele Auslandsbanken ein attraktives Übernahme- oder Investitionsziel: „Der große Einlagenpool der Commerzbank ist sicher attraktiv für andere Banken“, sagte Walter, der heute als Berater arbeitet, dem Handelsblatt. Deutsche Banken hätten Einlagenüberschüsse, die südeuropäische oder französische Banken gut gebrauchen könnten, so Walter, der bei Handelsblatt Online wöchentlich eine Kolumne schreibt.

Das Aktienpaket des Staates könnte Walter zufolge auch interessant für strategische Investoren wie europäische Großbanken sein – obwohl der Staat nur noch 17 Prozent an der zweitgrößten deutschen Bank besitzt. „Damit hat man zwar keine Kontrolle, aber zumindest einen Fuß in der Tür“, sagte Walter. Auch als Ankeraktionär könne man Dinge vorantreiben und mit der Zeit die eigene Position ausbauen.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Vom Konzept eines nationalen Champions hält Walter wenig. „Ein nationaler Champion wäre in europäischen Dimensionen aus meiner Sicht eine Regionalbank“, sagte Walter. Das zu wollen, sei eine politische Entscheidung, die die Bundesregierung treffen müsse.

In diesem Fall sollte man die Bank dann aber auch „wirklich auf gesunde Beine“ stellen, „damit sie eigenständig bleiben kann“. Dann müsse man überlegen, wie man einen Teil der internen Bad Bank herausnehmen könne, die mit mehr als 130 Milliarden Euro an Altlasten noch immer sehr groß sei.

Von

yo

Kommentare (16)

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EuroStoxx1976

29.08.2013, 18:47 Uhr

Interessant ist, dass Herbert Walter, der die Dresdner Bank auf dem Gewissen hat; tolle Vorschläge zur Zukunft der Commerzbank abgibt. So etwas muss doch nicht sein, oder?

Account gelöscht!

29.08.2013, 19:17 Uhr

Der durchschnittliche Einstandskurs des Bundes bei der Commerzbank in 2008 lag bei 34 Euro.Schäuble bekräftigte heute abermals,dass aufgrund des niedrigen Kurses sich ein Verkauf verbietet und das er oder sein Ministerium in keinerlei Gespächen mit Investoren stehen.
Aber Walter und vor allem das HB scheinen das nicht zu begreifen,sie sind sicherlich verärgert,dass die Übernahmephantasie damit quasi ad acta gelegt wurde und versuchen nun, mit Hilfe dieses Artikels, die Sache weiter am Köcheln zu halten.Und das HB selber,scheint sich auch verrannt zu haben,schließlich gingen alle Übernahmespekulationen der letzten 4 Wochen immer vom HB oder vom Managermagazin aus,warum nur? Ist da jemand long in der Coba? Der Verdacht liegt nahe.

Account gelöscht!

29.08.2013, 19:29 Uhr

Wer soll so einen Laden wie die Coba kaufen? Marktkap ist rd. 10 Mrd. Die Bad Bank gibts gratis bzw. wertmindernd dazu.

Die Spekulationen kommen ganz sicher nicht vom Handelsblatt oder dem unglückseligen mm (alleine der Name ist eine Persiflage, das lesen maximal Sachbearbeiter mit Aufstiegsphantastereien).

Spekulanten sind sicher sehr speziell aber ganz sicher nicht strohdoof. Ich tippe auf eine Ablösung von Blessing. Long kann dann noch ein paar Tage funktionieren. Die Calls gibts praktischerweise auch direkt bei der Coba.

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