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09.04.2013

20:02 Uhr

Ex-HBOS-Chef

Pleitebanker Crosby verzichtet auf sein „Sir“

Kürzlich wurde ihm vom britischen Parlament „kolossales Versagen“ attestiert – nun will der Ex-Chef der HBOS deswegen seinen Ritterschlag zurückgeben. Und das ist nicht das einzige, auf das der Banker verzichten will.

Ex-HBOS-Chef James Crosby. NewsCast

Ex-HBOS-Chef James Crosby.

LondonMit einer extrem seltenen Demutsgeste reagiert der Ex-Chef der kollabierten britischen Hypothekenbank HBOS auf den Vorwurf gravierender Fehler während seiner Amtsführung: James Crosby kündigte am Dienstag an, die Ehrung des Ritterschlags zurückzugeben, die ihm 2006 für seine Verdienste für die Finanzindustrie verliehen worden war. Zudem verzichtet er zeitlebens auf knapp ein Drittel seiner Rentenbezüge. Der Ritterschlag ist eine der höchsten Ehrungen, die es in Großbritannien gibt.

Crosby war 2006 als langjähriger Chef der HBOS zurückgetreten und hatte kurz darauf die Ehrung erhalten. Die Bank, einst viertgrößte des Landes, brach 2008 zusammen. In einem vergangenen Woche vorgelegten Bericht einer Kommission des britischen Parlaments wurde dafür ein "kolossales Versagen" des HBOS-Managements verantwortlich gemacht. Als einer der Hauptverantwortlichen war Crosby namentlich genannt worden.

Der heute 57 Jahre alte Ex-Banker erklärte am Dienstag, angesichts dieser Entwicklung halte er es für angemessen, die Ehrung zurückzugeben. "Die Geschehnisse bei der HBOS und die daraus resultierenden Konsequenzen für meine ehemaligen Kollegen, die Aktionäre, Steuerzahler und die Gesellschaft allgemein tun mir zutiefst leid."

Er werde zudem bis zu seinem Lebensende auf 30 Prozent seiner Pension von umgerechnet rund 680.000 Euro pro Jahr verzichten. Die zuständigen Stellen müssten klären, ob das Geld guten Zwecken zugeführt werden solle oder den Aktionären.

Parlamentskommission: Großbritannien attestiert HBOS-Management "kolossales Versagen"

Parlamentskommission

Großbritannien attestiert HBOS-Management "kolossales Versagen"

Liquide, aber mit massiven Managementfehlern: Ein vorprogrammierter Untergang.

Die HBOS wurde zum Höhepunkt der Finanzkrise durch eine von der Regierung eingefädelte Übernahme durch den Rivalen Lloyds aufgefangen. Lloyds kam dadurch selbst ins Straucheln und überlebte nur dank einer staatlichen Nothilfe im Volumen von 20 Milliarden Pfund. In dem jüngsten Parlaments-Bericht hieß es, die HBOS sei so schlecht geführt worden, dass sie auch ohne die damalige Liquiditätsknappheit kollabiert wäre.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Von

rtr

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