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03.07.2013

14:48 Uhr

Ex-Sal.-Oppenheim-Gesellschafter

„Wechsel zur Sal. Oppenheim war ein Fehler“

Die Aussage des ehemaligen Gesellschafter Janssen im Sal.Oppenheim-Prozess hat begonnen. Er bedauerte seinen Wechsel zu der einstmals größten Privatbank Europas. Es sei in eine ihm nicht vertraute Welt eingetreten.

Der Schriftzug der Privatbank Sal. Oppenheim, Hauptaktionär des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor, am Eingang der Bank in Köln. dapd

Der Schriftzug der Privatbank Sal. Oppenheim, Hauptaktionär des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor, am Eingang der Bank in Köln.

KölnIm Sal.Oppenheim-Prozess hat der ehemalige persönlich haftende Gesellschafter Friedrich-Carl Janssen seinen Wechsel zu der einstmals größten Privatbank Europas bedauert. „Im Rückblick stelle ich jetzt fest, dass dieser Schritt ein Fehler war“, sagte Janssen zum Beginn seiner auf zwei Tage angelegten Aussage am Mittwoch vor dem Landgericht Köln. Er sei in eine „mir nicht vertraute Welt“ eingetreten, die von „familiären Strukturen“, „Beziehungen“ und „Traditionen“ geprägt gewesen sei. Janssen war im Januar 2004 persönlich haftender Gesellschafter des Instituts geworden.

Mitglieder der ehemaligen Führungsspitze der Bank teilen sich die Anklagebank im Landgericht Köln, auf der auch der Immobilienunternehmer Josef Esch sitzt. Im Prozess geht es um umstrittene Immobiliengeschäfte sowie Kredite an den in die Insolvenz geschlitterten Arcandor-Konzern. Untreue lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Die Angeklagten weisen die Anschuldigungen zurück.

Das Bankhaus Sal. Oppenheim habe sich gleich durch mehrere Besonderheiten von anderen Instituten unterschieden, schilderte Janssen. Alle Gesellschafter hätten für Verbindlichkeiten gehaftet, auch Familienvermögen der beiden Altgesellschafter habe im Feuer gestanden. Mitte 2002 sei ein Vertreter der Bank an den damaligen Wirtschaftsprüfer Janssen herangetreten, berichtete Janssen, der sich nach seiner Schilderung damals mit Banken noch „nicht näher befasst“ hatte. Er habe aber nach einigem Zögern die Offerte angenommen, auch weil Sal. Oppenheim einen „ausgezeichneten Ruf“ gehabt habe.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Im Herbst 2003 sei ihm dann angeboten worden, persönlich haftender Gesellschafter zu werden - Janssen akzeptierte. Die enge Verflechtung zwischen Oppenheim und dem Unternehmer Esch habe es bereits lange vor seinem Eintritt gegeben. Allein zwischen 1991 und 2005 habe die Oppenheim-Esch-Gruppe Immobilienprojekte mit einem Volumen von rund 4,3 Milliarden Euro aufgelegt. Er habe diese „Struktur“ als Besonderheit begriffen, die „mehrere Jahrzehnte“ zurückreichte. „Anlass dazu, mich einzumischen, gab es nicht“, unterstrich Janssen. Er betonte zugleich, dass externe Prüfungen seines Bereichs - Janssen war unter anderem für das Risikomanagement der Bank verantwortlich - keine Beanstandungen ergeben hätten.

Die Anklage hatte Immobiliengeschäfte in Köln und Frankfurt beanstandet - allein bei Geschäften um eine Villa in Köln sei Sal. Oppenheim ein Schaden von 8,6 Millionen Euro entstanden, hatte Staatsanwalt Benedikt Kortz gesagt. Auch Geschäfte der Bank bei der Pleite der Karstadt-Mutter Arcandor sind Teil der Anklage. Als Arcandor im Frühjahr 2009 zusammenbrach, tickte auch für Sal. Oppenheim die Uhr. Die einstmals größte Privatbank in Europa wurde von der Deutschen Bank aufgefangen.

Von

rtr

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