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25.05.2015

15:33 Uhr

Ex-Skandalbank reformiert sich

Vatikanbank verzwanzigfacht Gewinn

Einst hatten Topmanager Millionen von Euro veruntreut. Seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus ist damit Schluss: Externe prüfen die Geschäfte der Vatikanbank. Die Bank hat einen enormen Gewinnsprung geschafft.

Nutzte die Bank deutsche Banken für Schwarzgeld-Geschäfte? dpa

Hauptsitz der Vatikanbank in Rom

Nutzte die Bank deutsche Banken für Schwarzgeld-Geschäfte?

RomDie einst skandalgeplagte Vatikanbank sieht sich bei ihren Aufräumarbeiten auf einem guten Weg. Der Nettogewinn des Istituto per le Opere di Religione (IOR) stieg im vergangenen Jahr um mehr als das zwanzigfache auf 69,3 Millionen Euro (Vorjahr: 2,9 Millionen Euro), erklärte die Bank am Montag in Rom. Gründe dafür seien bessere Handelsgeschäfte mit Staatsanleihen, die Entwicklung des Goldpreises und geringere außerordentliche Kosten, sagte ein Banksprecher.

Nach Korruptions- und Geldwäschevorwürfen hatte das IOR im Oktober 2013 erstmals eine Bilanz vorgelegt und sich mehr Transparenz auf die Fahnen geschrieben. Damals wurden externe Berater ins Boot geholt und neue Meldesysteme aufgebaut, um sich eine Übersicht über die Kunden und die undurchsichtigen Finanzströme des Instituts zu verschaffen. Papst Franziskus kämpft seit seinem Amtsantritt vor mehr als zwei Jahren für mehr Transparenz bei den Finanzgeschäften des Vatikans.

Die Vatikanbank IOR

Geschichte

Die Ursprünge reichen jedoch zurück bis ins 19. Jahrhundert. Ein Vorgängerinstitut wurde 1887 gegründet, die Bank in heutiger Form im Jahr 1942 auf päpstliche Anordnung.

Organisation

Die Vatikanbank hat den offiziellen Titel Istituto per le Opere di Religione (IOR/Institut für die religiösen Werke). Der Sitz des Geldinstituts des Heiligen Stuhls ist im Vatikanstaat. Wichtigstes Organ der Bank ist eine Kommission aus fünf Kardinälen (Commissione cardinalizia), die vom Papst bestimmt werden. Diese Kommission ernennt die Mitglieder des Consiglio di sovrintendenza, einer Art Verwaltungsrat.

Verwaltungsratsvorsitz

An der Spitze des Aufsichtsgremiums steht seit diesem Jahr der Deutsche Ernst von Freyberg, der das Institut auch nach außen vertritt.

Aufgabe

Alle Kunden der Bank sind Teil der katholischen Kirche. Mehr als die Hälfte sind katholische Orden, jeder achte Kunde ist Kardinal, Bischof oder ein anderer Würdenträger.

Größe

Die Bank hat rund 19 000 Kunden und mehr als 100 Mitarbeiter. Die Bilanzsumme beläuft sich auf fünf Milliarden Euro, die Bank verwaltet 3,2 Milliarden Euro im Auftrag der Kunden.

Skandale

Die Bank war in der Vergangenheit wegen ihres Finanzgebarens wiederholt in die Kritik geraten, unter anderem wegen des Vorwurfs der Geldwäsche. Anfang Juli 2013 traten außerdem zwei Top-Manager zurück. Der Vatikan hat aber jede Verwicklung der Bankleitung in dunkle Machenschaften bestritten. Papst Franziskus hatte nach seinem Amtsantritt im März mehrfach angekündigt, das Institut zu reformieren.

Fälle von Geschäftsmissbrauch innerhalb des IOR seien an die vatikanischen Behörden gemeldet worden, teilte die Bank mit. Im Dezember war bekanntgeworden, dass gegen zwei ehemalige Topmanager des Instituts wegen Veruntreuung von Millionen ermittelt wird. Eine Anklage gegen den Ex-Präsidenten des IOR, Angelo Caloia, und den ehemaligen Generaldirektor des Finanzhauses des Heiligen Stuhls, Lelio Scaletti, wurde bisher nicht erhoben.

Im Zuge der IOR-Reform wurden mehr als 4600 Konten geschlossen. Die Bank, zu deren Klienten unter anderem katholische Institutionen, Vatikanangestellte und Botschafter beim Heiligen Stuhl gehören, hat derzeit etwa 15.000 Kunden.

Der Fokus liege nun darauf, den Service für alle Kunden zu verbessern und das Risiko für die Bank zu minimieren, erklärte Präsident Jean-Baptiste de Franssu. All das werde innerhalb der strengen Vorgaben des Vatikans und in enger Zusammenarbeit mit der Finanzaufsicht des Heiligen Stuhls getan.

Von

dpa

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