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01.05.2014

15:09 Uhr

Ex-WestLB

Portigon-Chef Voigtländer tritt überraschend ab

Wie aus heiterem Himmel, mit sofortiger Wirkung und ohne Begründung: Dietrich Voigtländer verlässt das WestLB-Nachfolgeinstitut Portigon. Der Vorstandsvorsitzende arbeitete an der Abwicklung der WestLB-Überreste.

Dietrich Voigtländer verlässt Portigon. dpa

Dietrich Voigtländer verlässt Portigon.

FrankfurtDas Nachfolgeinstitut der nach Milliardenverlusten zerschlagenen WestLB hat überraschend seinen Chef verloren. Der Vorstandsvorsitzende Dietrich Voigtländer scheide mit sofortiger Wirkung aus, teilte die Düsseldorfer Portigon mit. Ein Grund wurde in der knappen Mitteilung nicht genannt.

Das Unternehmen, das die Erbmasse der einst größten deutschen Landesbank abzuwickeln hat, bemüht sich gerade um den Verkauf der Servicetochter PFS, die mit rund 600 Mitarbeitern anderen Banken Dienstleistungen wie die Abwicklung fauler Kredite anbietet. Die EU-Kommission fordert eine Veräußerung der PFS bis 2016. Wird dies nicht umgesetzt, muss die PFS selbst abgewickelt werden.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

05.05.2014, 11:33 Uhr

Was sagt die BaFin dazu?

In der Regel ist die BaFin darüber informiert und hat "die Finger im Spiel".

Man darf wohl davon ausgehen, dass der Rücktritt nicht aufgrund eines überraschenden Gewinnsprungs kommt. Es darf wohl eine eher gegenartige Entwicklung vermutet werden.

Hat etwa das Risikocontrolling versagt und weshalb?

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