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16.01.2010

11:53 Uhr

Expansion

Mitsubishi profitiert vom Morgan-Deal

VonFinn Mayer-Kuckuk

Als die japanische Großbank MUFG sich im Sommer 2008 bei der US-Investmentbank Morgan Stanley einkaufte, hagelte es zunächst Kritik. Anderthalb Jahre später hat sich das Geschäft als strategischer Glücksgriff erwiesen: Japans Marktführer expandiert global und will der westlichen Konkurrenz Marktanteile abjagen.

Mannschaftskapitän: Sportlicher Ehrgeiz treibt Nobuo Kuroyanagi (r.) zu immer neuen Höchstleistungen an. Quelle: Reuters

Mannschaftskapitän: Sportlicher Ehrgeiz treibt Nobuo Kuroyanagi (r.) zu immer neuen Höchstleistungen an.

TOKIO. Kurz vor der Übergabe der Aktien im Wert von neun Mrd. Dollar im September 2008 erwischte der globale Finanzkollaps den amerikanischen Partner - der Kaufpreis wirkte plötzlich absurd hoch. Doch die traditionell zuverlässigen Japaner standen zu dem Vertrag. Inzwischen, anderthalb Jahre später, hat sich das Geschäft als strategischer Glücksgriff erwiesen.

Die Mitsubishi UFJ Financial Group werde die Allianz mit Morgan Stanley nutzen, um Firmenkunden in ganz Asien zu gewinnen, sagte Bankchef Nobuo Kuroyanagi. Wenn kommende Woche in Japan die Neujahrsfeiertage enden, startet sein Unternehmen als klarer Gewinner in das Jahr des Tigers.

Mitsubishi UFJ ist bereits japanischer Marktführer, jetzt streckt die Finanzgruppe ihre Fühler nach dem Weltmarkt aus. Die Gruppe entstand zwischen 1996 und 2006 aus einer Reihe von Fusionen, als die kränkelnde, japanische Bankenbranche sich nach der hausgemachten Finanzkrise von 1989 konsolidieren musste. Die MUFG hat heute eine Bilanzsumme von 1,5 Billionen Euro. Die Citigroup liegt derzeit bei 1,3 Billionen Euro.

MUFG greift nach der Allianz im Investment-Banking an

Auch die Eigenkapitalbasis der MUFG ist im internationalen Vergleich äußerst stabil. Im laufenden Geschäftsjahr, das bis Ende März geht, wird voraussichtlich wieder ein Gewinn erzielt. "Bei der Unternehmensfinanzierung könnte MUFG einen wertvollen Beitrag für Morgan Stanley leisten", sagt Analystin Naoko Nemoto von der Ratingagentur Standard & Poor?s in Tokio. Morgan Stanley wiederum könne seinem japanischen Partner bei der Einführung neuer Produkte und Services für Kunden unter die Arme greifen. "Solche Zusammenschlüsse sind sinnvoll für die japanischen Banken, weil sie bisher beim Investment-Banking zurücklagen", sagt Nemoto.

Da in der derzeitigen Marktlage der Eigenhandel unattraktiv ist, sind für MUFG die Einnahmen aus Gebühren für Finanzdienste für Unternehmen - besonders wichtig. Die Allianz mit Morgan Stanley könne den Japanern Aufträge für Börsengänge oder Begebungen von Anleihen ermöglichen, auf die sie bisher keinen Zugriff gehabt hätten, sagt Nemoto.

In Japan fusionieren die Institute das Investment-Banking deswegen unter dem neuen Namen "Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities". Etwa hundert Mitarbeiter der Teams für Fusionen und Übernahmen des US-Partners werden zu dem Gemeinschaftsunternehmen wechseln. Auch auf Vorstandsebene werden die Verbindungen zwischen MUFG und Morgan zusehends enger. Die Japaner haben bereits ein Vorstandsmitglied nach New York entsandt.

Die Strategie zahlt sich bereits aus. Im ersten Halbjahr 2009 stieg der Nettogewinn von 90 Mrd. Yen auf 140 Mrd. Yen (eine Mrd. Euro). Auch eine Kapitalerhöhung der MUFG um 7,7 Mrd. Euro ging glatt über die Bühnen. Mit der gestärkten Eigenkapitalbasis sieht die kann die Bank den neuen strengeren Regeln gelassen entgegen, auf die sich die Regierungschefs der G20-Treffen im amerikanischen Pittsburgh geeinigt haben. Vorstandschef Kuroyanagi verspricht aber, dass die hohen Mittel seines Instituts auch dem Mittelstand durch faire Kreditvergabe zugute kommen sollen.

Doch völlig unbeschadet ist auch die MUFG nicht durch die derzeitige Krise gekommen. Analystin Nemoto weist auf die Risiken der US-Investments hin, vor allem den Mehrheitsanteil der MUFG an der Union Bank of California, deren Lage sich zuletzt deutlich verschlechtert hat. Zudem drohen Rückstellungen für die angeschlagene Konsumkredittochter Acom.

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