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30.06.2012

12:19 Uhr

Experte Stefan Best

Die Landesbanken sind zu zersplittert

„Eine Zentralbank für alle Sparkassen wäre ausreichend“, sagt der Landesbank-Experte Stefan Best. Der Analyst der Ratingagentur Standard & Poor's hält die WestLB-Lösung für halbherzig.

Ehemalige WestLB-Zentrale in Düsseldorf: „Die Institute sind zu groß“. dpa

Ehemalige WestLB-Zentrale in Düsseldorf: „Die Institute sind zu groß“.

FrankfurtDas von Brüssel erzwungene Aus für die WestLB löst nach Einschätzung von Landesbankenexperte Stefan Best die Dauerprobleme der Sparkassen-Finanzgruppe nicht. „Die Geschäftsmodelle sind in weiten Teilen nach wie vor nicht tragfähig“, urteilte der Analyst der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt. Auch die restlichen Landesbanken seien abhängig von „expliziter und impliziter Unterstützung“ durch ihre jeweiligen Eigentümer.

„Die verbliebenen fünf großen Landesbanken müssen sich alle Gedanken machen, wie sie sich vor dem Hintergrund der zunehmenden Regulierung und der engeren Refinanzierungsmärkte positionieren wollen“, sagte Best.

Nach dem Verschwinden der Düsseldorfer WestLB zum Ende dieses Monats teilen sich vor allem LBBW (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen), Bayern LB (Bayern), NordLB (Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt), Helaba (Hessen, Thüringen) und HSH Nordbank (Hamburg, Schleswig-Holstein) den Markt.

Kommentar: Traditionsbank am Ende

Kommentar

Traditionsbank am Ende

Die WestLB steht vor ihrer Auflösung. Kaum etwas wird übrig bleiben von dem Institut, das sich in der Finanzkrise verzockt hat - und das ist gut so. Es steht für die desaströsen Kungeleien von Politik und Finanzwelt.

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die das Sparkassengeschäft der WestLB übernehmen wird, könnte nach Einschätzung von Best eine gewichtigere Rolle als Zentralbank bekommen. „Aber nur mit Zentralbankgeschäft kann man die Kosten nicht decken und Geld verdienen“, gab Best zu Bedenken.

So wurde die WestLB zerschlagen

Zerschlagung

Die WestLB ist seit dem 30. Juni 2012 Geschichte. Das Geldhaus, das auf die 1832 in Münster gegründete Westfälische Provinzial-Hülfskasse zurückgeht, wurde in drei Teile zerschlagen.

Verbundbank I

Sie umfasst das Sparkassengeschäft der WestLB - und wurde von der Frankfurter Helaba übernommen. 451 Mitarbeiter der WestLB wechselten dabei den Arbeitgeber. Die Helaba übernahm nach langem Poker mit den WestLB-Eignern - dem Land NRW und den beiden örtlichen Sparkassenverbänden - sowie der bundesweiten Sparkassenorganisation Geschäfte mit einer Bilanzsumme von rund 40 Milliarden Euro.

Verbundbank II

Eine Milliarde Euro erhielt die Verbundbank als Mitgift – die beiden NRW-Sparkassenverbände polsterten die Kapitaldecke der Verbundbank mit 500 Millionen Euro auf, weitere 500 Millionen Euro steuerten die Sicherungseinrichtungen der Sparkassen-Finanzgruppe bei. Diese wurden im Gegenzug an der Helaba beteiligt. Die vor allem in Hessen und Thüringen aktive Helaba konnte damit nach Nordrhein-Westfalen expandieren.

Erste Abwicklungsanstalt I

Die EAA ist die Bad Bank der WestLB - sie soll bis voraussichtlich 2027 die unverkäuflichen Überbleibsel der Bank abwickeln. Die Resterampe der Landesbank wurde im Dezember 2009 aus der Taufe gehoben. Die beiden Vorstände Markus Bolder und Matthias Wargers begannen danach, Käufer für Risikopapiere und Geschäftsbereiche der WestLB mit einem Volumen von rund 77,5 Milliarden Euro zu suchen. Mitte 2012 standen davon noch rund 45 Milliarden Euro in den Büchern der EAA.

Erste Abwicklungsanstalt II

Auf Bolder und Wargers kommt nun aber neue Arbeit zu: Portfolios mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro, darunter auch der Immobilien-Finanzierer WestImmo, landeten aus der Erbmasse der WestLB bei der EAA. Die Übertragung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Für Verluste aus der Abwicklung stehen Steuerzahler und Sparkassen gerade. Allein für das mit besonders risikoreichen Papieren bestückte, „Phoenix“-Portfolio haben Land und Sparkassen Garantien in einer Höhe von fünf Milliarden Euro gegeben.

Portigon I

Am 1. Juli 2012 ging das neue Serviceinstitut an den Start. Rund 3500 Mitarbeiter sollte Portigon zunächst haben, bis Jahresende sollen es dann weniger als 2700 Menschen sein – und die Zahl der Beschäftigten soll in Zukunft weiter schrumpfen, bis Ende 2016 soll das Service-Geschäft verkauft sein.

Portigon II

Die Portigon-Mitarbeiter werden sich zunächst vor allem mit gut bekannten Geschäftsvorgängen beschäftigen: Sie sollen die EAA bei der Abwicklung ihrer Milliarden-Portfolien unterstützen. Diese strebt selbst einen Personalstand von rund 100 Mitarbeitern an. Auch Portigon wurde mit einer Finanzspritze auf den Weg geschickt: Das Land Nordrhein-Westfalen gab eine Milliarde Euro – es ist nun auch alleiniger Eigner von Portigon.

„Die Landesbanken sind zu zersplittert. Sie haben kaum Alternativen als in eher volatilen, risikoreichen Geschäftsfeldern zu arbeiten“, analysierte Best. „Eine Zentralbank für alle Sparkassen, die alle Aktivitäten bündelt, die die Sparkassen selbst nicht leisten können, wäre ausreichend. Dazu zählen beispielsweise das deutsche Firmenkundengeschäft aber auch das Fonds-, Versicherungs-, Bauspar- und Leasinggeschäft. Ähnlich ist es im Genossenschaftssektor.“

Man könne allerdings die Landesbanken in ihrer jetzigen Form auch nicht einfach zusammenwerfen. „Dafür sind die Institute zu groß und sie haben zu viele Aktiva mit schwer einschätzbaren Risiken.“ Auch politische Widerstände gegen Fusionen halten sich beharrlich: „Obwohl es in der Vergangenheit viel Geld gekostet hat, hängen die Länder immer noch an ihren Landesbanken - vermutlich als politisches Instrument. Hierfür gibt es aber bereits Förderbanken“, sagte Best.

Insgesamt werde das Aus für die WestLB die Landesbankenlandschaft nicht entscheidend verändern. „Das Ausscheiden der WestLB wurde von der EU erzwungen. Ein eigenes Konzept, um den öffentlichen Bankensektor besser aufzustellen, kann ich nicht erkennen, obwohl er einer der stärksten Bankengruppen Europas sein könnte“, sagte Best.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Westimmo

30.06.2012, 12:34 Uhr

Was wird eigentlich aus der 199% tigen Tochter der West LB, der Westimmo in Mainz?

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