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14.01.2004

08:26 Uhr

Experten kritisieren „absurdes“ Verdikt gegen Morgan Stanley und warnen vor Folgen für das Research

Gucci-Urteil schürt die Angst vor Nachahmern

Das vom Pariser Handelsgericht am Montag gegen die US-Bank Morgan Stanley verhängte Urteil wegen Rufschädigung des Luxuskonzerns LVMH sorgte auch am Dienstag in den europäischen Finanzzentren noch für Gesprächsstoff.

ali/fs/kk PARIS. Während in Frankreich potenzielle Nachahmer schon in den Startlöchern gesehen werden, schließen Experten in Deutschland ein ähnliches Urteil nahezu vollständig aus. Auch in London nennen Banker das Verfahren sehr eindeutig beim Namen: Das sei grober Unfug.

Das Gericht hatte es in einem wegweisenden Urteilsspruch als erwiesen angesehen, dass die Investmentbank Morgan Stanley während der Übernahmeschlacht um das italienische Modelabel Gucci 1999 einseitiges Research zum Schaden des potenziellen Interessenten LVMH herausgegeben hatte. Dadurch sei der Kurs von Gucci in die Höhe getrieben worden, die LVMH-Aktie habe nachgegeben und am Ende habe der Konzern die Übernahmeschlacht verloren. Über die Höhe des entstandenen Schadens muss ein Gutachter noch entscheiden. Morgan Stanley hatte das Urteil als „Entscheidung ohne Substanz“ bezeichnet und Anfechtung angekündigt.

In Frankreich schlachtet LVMH, dessen Chef Bernard Arnault sich zweieinhalb Jahre lang bemüht hatte, das italienische Modehaus zu kaufen, das Urteil in einer Weise aus, die wie Hohn in den Ohren der Analystenzunft klingen muss. Der Luxus-Konzern feiert den juristischen Sieg auch als Stärkung der Unabhängigkeit von Finanzanalysten. Das Urteil unterstreiche die Notwendigkeit, zwischen Aktienresearch und Investmentbanking-Aktivitäten zu trennen.

Finanzexperten in Frankreich dagegen befürchten, bei kritischen Urteilen künftig schneller vor Gericht verklagt zu werden. Auch aus diesem Grund will sich am Finanzplatz Paris kaum jemand offen zum Thema äußern. „Wenn es einer mächtigen Gruppe wie LVMH gelingt, so einen Prozess vor Gericht zu gewinnen, dann reizt das, diese Macht zu nutzen“, sagt ein Pariser Analyst. „Dies wäre ein Hindernis für die Research-Arbeit und würde die Markteffizienz beeinträchtigen.“

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